Am Samstag wurde auf der Frankfurter Buchmesse im Zentrum Weltempfang im 30. Jahr der LiBeraturpreis überreicht. „Auf eine solche Kontinuität kann man stolz sein“, bemerkte Messedirektor Juergen Boos. Diese Ehrung sei deutschlandweit die einzige, die ausschließlich für schreibende Frauen aus Afrika, Asien, Lateinamerika und der arabischen Welt erfunden wurde. Leserinnen stimmen seit 2014 anhand der Weltempfänger-Bestenlisten über die Titel ab, seit 2016 ist das Voting öffentlich. Zum sechsten Mal wurde der Preis auf der Frankfurter Buchmesse übergeben. „Er gehört praktisch zur DNA der Messe“, bekräftigte Boos.


Die 14 Erzählungen aus den Jahren 2001 bis 2005 waren bereits in Vietnam erschienen und erhielten 2006 den Vietnam Writers’ Association Award.
Nguyen Ngoc Tu, 1976 geboren, wuchs im Mekong-Delta auf, lebt noch heute dort. „Ihre Bücher verkaufen sich in ihrem Heimatland hervorragend, und The Floating Lives wurde sogar verfilmt“, bemerkte Borchardt. Die Autorin erzähle emotional dicht von Verlust und Schmerz, ohne die Menschen scharf zu fokussieren.


Die Autorin, die selbst früher Gemüse verkaufte, bemerkte: „Für mich ist es selbstverständlich, dass ich über den Mekong schreibe.“ Giesenfeld, der seit Mitte der 1990er Jahre aus dem Vietnamesischen übersetzt, erläuterte, wie er zu dieser Arbeit kam: Er engagierte sich in der Anti-Kriegsbewegung, kam bei Besuchen in Vietnam mit Schriftstellern zusammen und blieb mit ihnen in Verbindung.
„Übersetzen ist eine Gratwanderung“, sagte Ngo, „es soll nah am Stil des Autors und gut lesbar sein.“ Endlose Felder sei man dreimal durchgegangen, habe weitere Übersetzer zu Rate gezogen und die Autorin befragt.
„Frauen sind für mich wichtige Figuren, sie organisieren die Familie und nehmen Nachteile hin“, erklärte Nguyen Ngo Tu. Giesenfeld ergänzte: „Endlose Felder wurde kritisiert, weil eine Prostituierte als positive und ein Familienoberhaupt als negative Figur dargestellt worden waren. Doch der Vietnamesische Schriftstellerverband setzte sich für Nguyen Ngoc Tu ein und zeichnete ihr Buch aus.“ „Ein Autor sollte schreiben und sich nicht von Kritik abhängig machen“, fügte die Schriftstellerin hinzu.

JF

