Intensive Diskussionen im Haus des Buches in Frankfurt am Main avj Mitgliederversammlung: Wer wollen wir sein?

Die heutige Mitgliederversammlung der Arbeitsgemeinschaft von Jugendbuchverlagen e.V. (avj) im Haus des Buches in Frankfurt am Main stand unter dem Motto der Selbstfindung eines Verbandes: Der Vorstand, der seit Januar im Amt ist, setzt sich bis auf den Beirat durchgängig aus neuen Ehrenamtlichen zusammen, und auch die Leitung der Geschäftsstelle ist seit Juli 2021 in neuen Händen. Naheliegend, dass Bernd Herzog (Frechverlag), Franziska Hauffe (Klett Kinderbuch), Kristy Koth (bi:libri), Barbara Thieme (Dorling Kinderley), Tomas Rensing (Coppenrath) und Laura Simanjuntak (Leiterin der avj-Geschäftsstelle) die Zusammenkunft unter das Motto „Wer wollen wir sein?“ gestellt hatten.

Bernd Herzog, Laura Simanjuntak, Kristy Koth, Tomas Rensing (hinten v.l.), Franziska Hauffe, Barbara Thieme (vorne v.l.)

Eine Umfrage, die zuvor an die derzeit 96 Mitgliedsverlage verschickt worden war, hatte laut Bernd Herzog 25 differenzierte Rückmeldungen ergeben. Gefragt wurde u.a., mit welchen Themen sich die avj künftig intensiver – oder lieber gar nicht mehr – beschäftigen solle, sowie nach der Wahrnehmung der avj-Website, des Newsletters und des gemeinsamen Foreign Rights Guides.

Das Ergebnis einer Mitglieder-Umfrage in Schlagworten

19 stimmberechtigte Mitglieder waren im Haus des Buches anwesend, ein kleiner Kreis, in dem dafür umso intensiver diskutiert und einander zugehört wurde. In den Pandemie-Jahren konnte die avj zwar u.a. durch die zwangsläufig zurückgefahrenen Aktivitäten das Vereinsvermögen erhöhen, „aber wir sollten auch was mit dem Geld machen“, meinte Andrew Rushton (NordSüd). „Wir wollen keine neue Sparkasse werden“, stimmte Bernd Herzog zu. Und Baustellen für Investitionen gebe es genug: Von der Website avj-online.de, die sowohl optisch als auch inhaltlich in die Jahre gekommen sei, über die Erfüllung des Bedürfnisses nach mehr Austausch in Seminaren oder Regionaltreffen, bis hin zur Konzeption eines Preises, den die avj vergeben könnte – in Ablösung des avj medienpreises, der mit der letztjährigen Online-Preisverleihung eingestellt wurde. Auch der Wunsch, nach den Pandemie-Jahren eine neue Marktforschungs-Studie in Auftrag zu geben, wurde geäußert. Und von vielen als zentral bezeichnet wurde das Thema Nachwuchskräfte: Denn offensichtlich stelle sich die Kinder- und Jugendbuchbranche nicht als attraktiver Arbeitgeber für junge Talente dar.

Diskutiert wurde außerdem der avj-Empfang auf der Internationalen Kinderbuchmesse in Bologna – der nicht zuletzt dem Netzwerken junger Fachkräfte dienlich sein kann: Unverzichtbarer Treffpunkt wohl für die meisten, internationaler gewünscht von Markus Weber (Moritz Verlag). Wie auch immer: Im kommenden Jahr soll er wieder stattfinden. Und in kleineren Rahmen nachfeiert werden soll der in diesem Jahr ausgefallene Bologna-Empfang auf der Frankfurter Buchmesse: am 20. Oktober um 17.30 Uhr am Stand der avj.

Deutlich wurde: Bevor man festlegt, welche Projekte Priorität haben, muss klar sein, wie man sich eigentlich definiert, wo man hinsteuert – und wie man sich als Verband als unverzichtbar beweist. Dafür gab es in Frankfurt ein erstes Brainstorming, das nun auf digitalem Weg vertieft und ausgearbeitet werden soll. Denn auch dies macht der Start des neuen avj-Vorstandes sichtbar: Ein Verband lebt vom Engagement aller Mitglieder, die mit vielen Herausforderungen in ihren jeweiligen Verlagen bereits gut ausgelastet sind, in bestimmten Punkten aber gemeinsam mehr erreichen könnten.

Alexandra Schönleben (Arena)

Und so forderte Alexandra Schönleben (Arena) in einer Schlussrunde die Ehrenamtlichen dazu auf, die Mitglieder in die Pflicht zu nehmen, sich bei der Umsetzung von Maßnahmen zur Stärkung der Wahrnehmung der Kinder- und Jugendbuchverlage einzubringen, anstatt sich bis zur nächsten Mitgliederversammlung zurückzulehnen. Die soll im kommenden Jahr voraussichtlich wieder im Juni in Frankfurt am Main stattfinden.

Susanna Wengeler.

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