Peter Wilfert: „Und ich habe doch tatsächlich das Lesen für mich wiederentdeckt“
Peter Wilfert wird heute siebzig Jahre alt.Große Bucherfolge sind mit seinem Stationen als SF-Lektor bei Goldmann, dann in Führungspositionen bei S. Fischer und dessen Tochterverlag Krüger, bei Rowohlt und beim damaligen Eichborn Verlag verbunden.
Zuletzt hatte er sich in Leipzig als Verlagsberater, Ghostwriter und Übersetzer selbständig gemacht. Doch dann stellte sich dem gebürtigen Allgäuer eine wichtigere Aufgabe: Er zog zurück in seine Heimat, um dort vor Ort seine Eltern auf ihrem letzten Lebensweg zu begleiten.
Danach hat sich sein leben noch einmal gewandelt: Jetzt lebt er „als Rentner“ im sächsischen Chemnitz, der künftigen ‚Kulturhauptstadt‘. Dort leitet seine Frau Sabine das ‚Staatliche Museum für Archäologie Chemnitz‘ (kurz: SMAC), das sie mit aufgebaut hat.
Dieser erneute Umzug 2012 fiel ihm nicht leicht, wie er jetzt gesteht, „viele Kontakte zur Branche und zu alten Freunden zwangsläufig auch durch die Entfernung ohne neue Aufgaben abgerissen“.
Jetzt aber ist er mit seinem Leben rundum zufrieden: 1967 war er das erste Mal auf Korsika, viele weitert Aufenthalte folgten – und vor fünf Jahren hat er dort eine Aufgabe gefunden, die ihm Kontakte zur Branche ersetzt hat und ihn dort auch neue Freunde finden ließ: Ein Sommerhaus, das er seither ausbaut, denn „Schönheit, Strand und Sonne konnten auf Dauer nicht alles bieten. Es fehlte ein Stück inneres Abenteuern und die intellektuellen und seelischen Verstrickungen, die mir stets ebenso wichtig waren“.
Der begeistere Bassgitarist (Rockmusik war bisher sein Ausgleichshobby) nimmt jetzt regelmäßig Unterricht in klassischer Gitarre. „Und ich habe doch tatsächlich für mich wiederentdeckt, was ich früher mit äußerstem Vergnügen betrieben hatte, aber durch meinen Beruf und die Lektüre unverlangt eingesandter Manuskripte und weiterer Fließbandarbeiten im Verlag in den Hintergrund getreten war: Das Lesen, das Lesen als Abenteuer im Kopf, das Lesen als Eintauchen in fremde Welten, das Lesen als intellektuelle Weiterentwicklung, das Lesen als Erkenntnisgewinn über Wörter, Worte und Sprache. Endlich konnte und durfte ich jetzt nur das lesen, was mich faszinierte und zu meiner augenblicklichen Neugier passte*“.
Peter, ich gratuliere Dir. Ich glaube, Du hast vieles richtig gemacht.
Dein C.
*PS: Zurzeit sei „das die Literatur der Dekadenz (JMR Lenz, Constantin de Volney, Arthur Machen, Le Conte de Lautréamont, Mervyn Peake, Alfred Kubin u.a.) am liebsten in Originalsprache statt Übersetzungen“.
Wer auch gratulieren möchte: peter.wilfert@gmx.de
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