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35 Jahre Stadt-Bild-Verlag: Mit regionalen Bildbänden zur Erfolgsgeschichte

Hubert Kretschmar (Foto: privat)

Vor 35 Jahren gründete Hubert Kretschmar einen Verlag. Heute zählt der Stadt-Bild-Verlag aus Leipzig mehrere hundert regionale Bildbände – und verfolgt weiterhin ein ehrgeiziges Ziel: 1.000 Städte in Buchform zu porträtieren. Wir trafen den Verleger zum Gespräch.

Der Verlag, der seinen Sitz im Haus des Buches in Leipzig hat, entstand in den Umbruchsjahren um die Wende. Kretschmar, gelernter Verlagsbuchhändler, arbeitete damals in einem Reprintverlag. Über Kontakte zum Thieme Verlag erhielt er die ersten zehn Buchproduktionsaufträge für Buch und Kunst.

Heute hat sich der Stadt-Bild-Verlag auf regionale Bildbände spezialisiert. Im Mittelpunkt stehen Städte und Regionen, die in den Programmen großer Publikumsverlage oft kaum Beachtung finden. Gerade kleinere Städte seien für viele Verlage wirtschaftlich nicht interessant genug, erläutert Kretschmar. Für den Leipziger Verlag ist genau das die Nische.

Ein wesentlicher Erfolgsfaktor sind dabei die Kooperationen mit unabhängigen Buchhandlungen. Viele Titel entstehen gemeinsam mit lokalen Sortimenter:innen, die ihre Stadt, ihre Kundschaft und die regionalen Netzwerke genau kennen. „Das Engagement der Buchhandlungen braucht es, um die Regionaltitel erfolgreich zu machen“, sagt Kretschmar.

Verlagssitz im Haus des Buches in Leipzig

Zwar habe der Verlag auch bereits Projekte mit Filialisten wie Thalia umgesetzt. Dennoch sieht Kretschmar einen Unterschied: Die Mitarbeitenden in den Filialen seien angestellt und häufig nicht in gleicher Weise mit dem lokalen Umfeld vernetzt wie unabhängige Buchhändlerinnen und Buchhändler. Gerade bei regionalen Titeln spiele diese persönliche Verwurzelung eine wichtige Rolle.

Dabei habe sich in den vergangenen Jahrzehnten ein dichtes Netzwerk entwickelt. Neben Buchhandlungen werden auch Kommunen als Partner angesprochen. Die Zielgruppe der Bildbände liegt überwiegend im Segment 40 plus – Menschen mit engem Bezug zu ihrer Stadt oder Region und Interesse an hochwertig gestalteten Publikationen.

Dass heute theoretisch jeder ein Buch selbst produzieren könne, stellt für Kretschmar das Geschäftsmodell nicht infrage. Die Herstellung hochwertiger Bildbände sei nach wie vor aufwendig und kostenintensiv. Für einzelne Buchhandlungen rechne sich eine eigenständige Produktion in den meisten Fällen nicht.

Qualität bleibt für den Verleger ein zentraler Anspruch. Papier, Druckfarben und Bildqualität würden kontinuierlich weiterentwickelt. Auch bei der fotografischen Arbeit setzt der Verlag auf einheitliche Standards. Die beteiligten Fotografinnen und Fotografen werden mit derselben Technik ausgestattet, um eine konsistente Bildsprache zu gewährleisten.

Von Künstlicher Intelligenz erwartet Kretschmar für dieses Segment derzeit keine entscheidenden Impulse. Die Ergebnisse entsprächen nicht den Anforderungen, die der Verlag an authentische Stadtporträts stelle.

Rund zehn Mitarbeitende beschäftigt der Stadt-Bild-Verlag heute. Kretschmar beschreibt die Zusammenarbeit als von kurzen Wegen und einer Kommunikation „ohne Druck“ geprägt. Nach 35 Jahren am Markt blickt der Verleger weiterhin nach vorn: Das Ziel, 1.000 Städte in Büchern festzuhalten, bleibt bestehen.

Hanna Schönberg

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