Cedion-Workshop: Was können Verlage gegen die schleichende Substitution tun?

Das Schicksal der Nachschlagewerke des Bibliografischen Instituts und die quasi Omnipräsenz der Wikipedia diente als Einstieg in dem Workshop „Strategien gegen die schleichende Substitution“, den die Cedion Systems GmbH gemeinsam mit der Mark Logic Corporation am 23.April mit ca. 25 Teilnehmern aus Fachverlagen unterschiedlicher Fachsegmente durchführte.

In seinem einführenden Vortrag wies Johannes Bertelmann, Director Business Development bei Cedion darauf hin, dass die Bedrohung für die Fachverlage weniger aus den eigenen Reihen kommt als vielmehr von meist technikorientierten Einsteigern, die ohne sich um bestehende Produkt- und Vertriebsformen, Konzepte und Konventionen zu kümmern, nach und nach verschiedene Informationsmärkte, darunter auch den der Fachinformation, kapern. „Die Gefahr für die Verlage wächst auf vermeintlichen Nebenkriegsschauplätzen bis sie dann eines Tages plötzlich als Herausforderung erkannt wird, die nicht mehr oder nur mit sehr viel Aufwand gemeistert werden kann“, sagte er. Hauptbestandteil der Strategie der Verlage müsse das kundenorientierte an Stelle des produktorientierten Denkens werden.

25 Teilnehmer auf der Suche nach Orientierung

Er empfahl, alle Daten, eigene wie aggregierte, in einem Pool gemeinsam abzuspeichern, um in der Lage zu sein, schnell die erforderliche Applikation mit Zugriff auf eine breite Datenbasis entwickeln zu können. Das bedeutet, dass aus einem Datenbestand Zielgruppenportale genauso generiert werden können, wie E-Books, PDFs oder Content-Angebote, die von Kunden oder Partnern in deren Webseiten weiterverwendet werden können.

Jim Stock, General Manager von Mark Logic in Deutschland, zeigte an Beispielen von Springer sbm, Elsevier und Business Week, was Verlage tun, um die drohende Erosion aufzuhalten. Dabei werden durchaus Online-Projekte entwickelt, die zum Hauptziel haben, den Verkauf der Printprodukte zu unterstützen.

Am Beispiel einer Custom Publishing-Anwendung, die vor allem von Bildungsverlagen wie Wiley und McGraw Hill eingesetzt wird, zeigte Stock wie Verlage neue Applikationen schaffen können, die dem Kunden einen Mehrwert bieten und dem Verlag neue Einnahmequellen verschaffen. Im Weiteren wies Stock am Beispiel des Verlags Simon & Schuster nach, wie Inhalte konsequent vermarktet werden können. „Dabei spielt die Verwaltung und Zuordnung von Rechten an Texten und Bildern und deren Nutzung und Abrechnung genauso eine Rolle wie das Vermarkten von Printprodukten über die eigene Webseite, Amazon und andere Plattformen sowie deren Auslieferung in digitaler Form über unterschiedliche Kanäle“, sagte er.

„Zielgruppenportale bieten die Möglichkeit, Kundenbindung zu betreiben und selbst mit kleinen Zielgruppen Geld zu verdienen“, das war die Kernaussage des abschließenden Vortrags von Michael Klein, Geschäftsführer bei Cedion. Grundlagen seien die Qualität der Inhalte sowie die Homogenität der Zielgruppe. Diese Zielgruppenportale würden mit dem von Cedion Systems entwickelten Managed Portal Konzept dazu dienen, nach und nach vorgegebene Ziele des Verlags zur Sicherung der wirtschaftlichen Zukunft umzusetzen, stellte er vor.

„Wesentliche Faktoren für den Erfolg sind überschaubare Ziele, kurze Planungs- und schnelle Umsetzungsphasen so wie kontinuierlicher Ausbau auf Grund gemachter Erfahrungen“, sagte er. Die umzusetzenden Ziele können unter anderem die Steigerung der Printverkäufe oder die Verbesserung der Werbeeinnahmen durch zielgruppengenaue Werbung, auch unter Verwendung von multimedialen Werbeelementen, sein.

Das Fazit von Veranstaltern und Teilnehmern: Es gibt genügend Möglichkeiten, die Herausforderungen, die durch neue Techniken und neue Marktteilnehmer entstehen zu meistern. Ein wesentlicher Ansatzpunkt spielt dabei die Möglichkeit, mehr aus vorhandenen, aggregierten und von Nutzern generierten Inhalten zu machen. Die technischen Möglichkeiten dafür und die Konzepte sind da.

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