Google antwortet auf die Klage der Authors Guild, hat sein Kapital erhöht, Vint Cerf ins Boot geholt, Google Talk gestartet & sich von E-Bay den VoI-Telefondienst Skype vor der Nase wegschnappen lassen

Google hat, durch die Ausgabe von 14,16 Millionen neuen Aktien, sein Kapital erhöht. 4,18 Milliarden US-Dollar flossen damit in die Kasse von Google, beim ursprünglichen Börsengang vor etwa einem Jahr erlöste die Suchmaschinen-Firma gerade mal 1,67 Milliarden US-Dollar für 19,6 Millionen Aktien.

Trotzdem ist die Rechnung vom Google nicht aufgegangen. Das Geld war eigentlich für die Übernahme des Voice over IP-Telefondienstes Skype, gedacht, doch hier war das Web-Auktionshaus eBay schneller und konnte am 12.9.2005 Vollzug melden. Angeblich hat das in Luxemburg sitzende Unternehmen, das Telefonieren über das Internet anbietet, bereits 54 Millionen Kunden in 225 Ländern.

In diesem Zusammenhang ist auch das Engagement von Vint Cerf, einem der Väter des Internet, der wesentlich an der Entwicklung des TCP/IP-Protokolls beteiligt war, zu sehen, der ab 3. Oktober Google „Chief Internet Evangelist“ werden wird. Cerf scherzt selbst im Google Blog über die Job-Bezeichnung, aber obwohl er nachgefragt habe, ob er Erzherzog werden könne, war’s am Ende der Evangelist. Vint Cerf war zuletzt für MCI tätig und ist Vorstandsvorsitzender der Organisation ICANN, die sich u.a. um die Vergabe der Namen und Nummern fürs Web, also URL-Endungen, wie .de, .info usw., kümmert. Dass Cerf nun auf der Gehaltsliste von Google steht, ist ein wichtiges Signal in die „ältere“ Internet-Szene hinein, und seine Erfahrungen bei Telefondienst MCI/Worldcom werden sicherlich dem neuen in den USA gestarteten Google Talk, ein Messaging- und Internet-Telefonie-Dienst, zu Gute kommen.

Inzwischen hat Susan Wojcicki, eine der Vice Präsidentinnen von Google im Google Blog auf die Klage der amerikanischen Authors Guild gegen das Bibliotheks-Programm von Google Print geantwortet [mehr…]. Was die Klage, die sich ausdrücklich nicht auf das Google Print Verlags-Projekt bezieht, im Moment soll, wissen nur die Götter oder es ist für die Politik bestimmt.

Das Bibliotheks-Projekt ist von Google bis Oktober ohnehin ausgesetzt worden, damit alle Verlage, Autoren und Rechteinhaber melden können, welche Bibliotheks-Bücher nicht eingescannt werden sollen. Außerdem muss die Authors Guild sich fragen lassen, warum sie diese Klage eigentlich nur gegen Google Print anstrebt, es geht um die Missachtung des Copyrights, und nicht auch gegen das Search Inside the Book-Programm des Web-Warenhauses Amazon. Schlüssig ist das nicht.

Kurz zuvor hat die englische The Publishers Association zusammen mit dem Electronic Publishing Services die sogenannte Google Debatte eröffnet. Ganz ähnlich, wie wir das hier bei Buchmarkt Online [mehr…] bereits versucht haben, beleuchtet Adam Hodgkin in einem Beitrag auf der Google-Debatte Website die Vor- und Nachteile von Google Print. Leider steht sein sehr lesenswerter Artikel recht alleine, eine Debatte mag wohl nicht so richtig in Gang kommen – schade drum.

Zu guter Letzt: Die gesamte Anleitung für das Google Print Verlags-Programm, inclusive der allgemeinen Geschäftsbedingungen, ist nun auf Deutsch im Web verfügbar http://print.google.de. Lesen.

Zu allerguter Letzt: Bleibt die Frage, wer kauft AOL? Dass der Konzern Time Warner sich von dem ungeliebten Kind trennen will, ist lange bekannt. Im Rennen ist, neben Google, ein alter Bekannter: Bill Gates. Der hat zwar gerade auf der neuen Forbes-Liste seinen Platz 1 als reichster Amerikaner verteidigt, aber die beiden Google Gründer Larry Page und Sergey Brin sind, zwar erst auf Platz 16, aber immerhin eingestiegen. Doch: Auch alte Bekannte, das wissen wir aus eigener Erfahrung, sind immer wieder mal für eine Überraschung gut.

STEFAN BECHT stefan@stefanbecht.de

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