Jürgen Wohltmann über „Hauen & Stechen II“: Die Lage ist schlimm – wann passiert endlich was? / Ihre Meinung dazu interessiert uns auch

Zu unserer Meldung über „Hauen & Stechen II“ [mehr…] erreicht uns diese Mail von Jürgen Wohltmann:

Ihr Bericht über diese Branchenveranstaltung ist in der Sache natürlich zutreffend – und

Jürgen Wohltmann:
„Nicht nur reden“

wer nicht teilgenommen hat, mag nach der Lektüre Ihres Berichts wohlwollend, um nicht zu sagen beruhigt, zur Kenntnis genommen haben, dass nach der fulminant lebhaften ersten Veranstaltung jetzt wieder Ruhe eingekehrt und vielleicht alles gar nicht so schlimm ist…

Ist es aber – und zwar gleichermaßen für Buchhandlungen wie für Ihre Partner, die Verlage. Denn die wertvolle Arbeit, die in den Arbeitsgruppen geleistet wurde, muss zwangsläufig Stückwerk bleiben, wenn wir uns nicht endlich darüber klar werden, was gerade in de Branche passiert und welche Konsequenzen das für alle Handelspartner hat.

Diese Konsequenzen war auch schon auf der Veranstaltung sichtbar: kein (!) Teilnehmer aus dem Kreis der Großbuchhandlungen und Filialisten, sehr wenig Sortimenter – zu wenige, um eine konstruktive Plattform für Gespräche zu haben.

Sehr interessant, aber auch beunruhigend, dass drei Statements so gut wie keine sichtbare Reaktion ausgelöst haben – will sagen, nickend zur Kenntnis genommen, abgehakt, weiter im Text:

– der Kollege Szodruch bereitet sehr gut das Ergebnis seiner Arbeitsgruppe auf; ein besseres Plädoyer für ein gemeinsames Branchenmarketing habe ich noch nicht gehört, d.h jetzt (!) müssten wir diese Idee mit Leben erfüllen, Gremien gibt und gab es genug und es muss auch deutlich mehr sein, als die bisherige Pflichtübung „Welttag des Buches“…,

– der Referent Doktor Antwerpes „begräbt“ das Medium Buch, aber eine streitbare Diskussion darüber findet nicht statt (zur Erinnerung: Titel der Veranstaltung war „Hauen & Stechen!) weil man ihn offensichtlich nicht so ernst genommen hat, wie er es verdient hätte…(was wohl die zahlreich anwesenden Auszubildenden darüber denken? Bzw. wie sie wohl die Nicht-Reaktion des Auditoriums einordnen?)

– und last not least macht der Kollege Frankl – wie immer mit viel Sympathie für die Situation des Sortiments – unmissverständlich deutlich, dass der Exklusivitätsanspruch des stationären Buchhandels nur solange noch Bestand haben kann, solange er seinem eigenen Anspruch gerecht wird und akzeptiert, dass wohlfeile Forderungen an die Adresse des Handelspartners Verlag auch die Frage nach der Wirtschaftlichkeit nach sich ziehen muß – allein schon die Verantwortung für die des Autoren gebietet dem Verlag, dass alle Absatzpotenziale ausgeschöpft werden und somit kann es eigentlich keine „Vorfahrtsregel“ mehr für den klassischen Buchhandel geben – Reaktion? Weitgehend Fehlanzeige…

Und auch nicht zu vergessen, der glänzende Vortrag von Dr. Andreas Kaapcke, der offensichtlich spontan sein vorbereites Vortragsmanuskript über den Haufen warf, weil er nicht fassen konnte, mit welcher Gelassenheit auf den Ernst der wirtschaftlichen Lage in unserer Branche reagiert wird.

Er nahm die Teilnehmer mit auf einen Parforceritt durch die Welt des Einzelhandels und brachte das Kunststück fertig, unterhaltsam, auf hohem Niveau eine nur auf den ersten Blick trockene Materie zu vermitteln und seine Schlussfolgerung an die Adresse des Handels war schwerwiegend: Der größere Teil der momentan noch bestehenden Buchhandlungen wird einfach „verschwinden“, wenn es nicht gelingt, dem Kunden, dem Leser klarzumachen, warum er/sie in einer Buchhandlung seine/ihre Bücher kaufen soll und nicht woanders ..
Aber haben das jenseits des Gelächters auch alle jene, die es vorrangig betrifft, wirklich mitbekommen?

Fazit: „Hauen & Stechen“ ist bei weitem noch nicht am Ende, darf auch nicht am Ende sein. Dieser Ansatz ist hervorragend geeignet, konstruktive Lösungen für diverse Konfliktfelder in der Branche in Gang zu setzen, da muss mehr daraus werden als „Gut, dass wir drüber geredet haben“…

Mit besten Grüßen aus Berlin
EULENSPIEGEL VERLAGSGRUPPE

Jürgen Wohltmann
Marketing & Vertriebsleitung
wohltmann@eulenspiegelverlag.de

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