VdS: Minus bei Schulbüchern und Bildungsmedien, Nachmittagsmarkt stagniert

Der Umsatz mit Schulbüchern und Bildungssoftware in den allgemeinen und berufsbildenden Schulen war 2008 um 7 % rückläufig und fiel von 350 auf 325 Mio. Euro.

Dies teilte heute der VdS Bildungsmedien mit: Entscheidend dafür war ein Rückgang von fast 25 % bei den privaten Schulbuchausgaben der Eltern und Schüler. Insbesondere durch Änderungen der Lernmittelfreiheit in Bayern und NRW wurden die Eltern vom Schulbuchkauf entlastet; die staatlichen Ausgaben wurden aber bundesweit nur um 12 % angehoben. Nach Angaben des Branchenverbandes VdS Bildungsmedien war auch die Entwicklung in den anderen Geschäftsfeldern 2008 enttäuschend: In der Erwachsenenbildung sank der Branchenumsatz um bis zu 5 % auf ca. 80 Mio. €; der Umsatz mit Lernhilfen und Medien für das selbständige Nachmittagslernen konnte 2008 nach langen Jahren des Wachstums nur stagnieren (ca. 52,5 Mio. €); mit einem Minus von 10 % war der Rückgang im Bereich der Lern- und Unterrichtssoftware (nur noch 23 Mio. €) noch größer als bei den Schulbüchern. Der Gesamtbranchenumsatz fiel 2008 von rund 500 Mio. auf 470 Mio. €. Die Negativentwicklung hatte der Schulbuchverlegerverband befürchtet, in der Höhe aber nicht erwartet, da der Bedarf an neuen Bildungsmedien in den Schulen wegen der vielen Reformen enorm hoch ist. Für 2009 fordert der VdS eine Trendwende und knüpft Erwartungen an das Konjunkturpaket der Bundesregierung für die Schulen: Dieses Paket müsse jetzt in den Ländern und Kommunen so aufgemacht werden, dass die Schulen selbst entscheiden können, ob sie die Gelder für Reparaturen oder die Beschaffung fehlender Lehr- und Lernmittel ausgeben wollen.

Der exorbitant hohe Rückgang der privaten Ausgaben um 25 % von 240 auf 180 Mio. € erklärt sich zum einen durch politische Entscheidungen in Bayern und Nordrhein-Westfalen, zum anderen aber auch durch private Minderausgaben in anderen Bundesländern. In Bayern entschloss sich die Landesregierung im Vorfeld der Wahl, das erst 2005 eingeführte Büchergeld für die Eltern wieder abzuschaffen. Die überstürzte Entscheidung führte dazu, dass den kommunalen Schulträgern 2008 die Elterngelder fehlten und Ersatzgelder nicht in ausreichendem Maße bereitgestellt wurden. In Nordrhein-Westfalen entschloss sich die Landesregierung ohne Proteste und ohne Not, den Elternanteil von 49 % der Pro-Schüler-Beträge auf 33,3 % abzusenken. Die kommunalen Schulträger hätten dies durch Mehrausgaben ausgleichen müssen; taten dies aber nicht, so dass der landesweite Schulbuchumsatz um 11,5 % sank. Mit Minus 11 % waren es auch in Hamburg die privaten Minderausgaben, die einen extrem hohen Umsatzrückgang verursachten. In den neuen Bundesländern gab es wieder kräftige Umsatzverluste im Bereich von -5 % (Sachsen-Anhalt) bis -8 % (Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg), die teilweise durch den Schülerrückgang erklärt werden können. Dass dies nicht zwangsläufig so sein muss, zeigt Sachsen, wo der Vorjahresumsatz gehalten werden konnte.

Das einzige Bundesland, in dem 2008 die Schulen zumindest einen Inflationsausgleich für den Bildungsmedienkauf (+ 3 %) erhalten haben, ist wieder einmal Hessen. In allen anderen Bundesländern gab es Umsatzeinbrüche oder Stagnation (Details siehe die Übersicht 2005 bis 2008 nach Bundesländern in der Anlage).

Die erschreckend negative Bilanz nimmt der Schulbuchverlegerverband zum Anlass einer harschen Kritik gegenüber den Ländern und Kommunen: „ Wer Reformen will, braucht neue Schulbücher, wer kostenlose Lernmittel verspricht, der muss für die fehlenden Elterngelder zahlen“, fordert VdS-Geschäftsführer Andreas Baer im Vorfeld der europaweit größten Bildungsmesse, der didacta, in Hannover, und spricht in Richtung Bayern und Nordrhein-Westfalen von einer Mogelpackung: „Die Landesregierungen spendieren den Eltern Lernmittelfreiheit, zahlen aber selbst keinen Euro mehr für den Schulbuchkauf; ausbaden sollen dies die kommunalen Schulträger, die sich dem aber zu einem Gutteil verweigern.“ Hier werde auf Kosten anderer entschieden und werden Probleme unverantwortlich hin und her geschoben.

Angesichts dieser Situation begrüßt der VdS Bildungsmedien nachdrücklich die Initiative der Bundesregierung, mit dem Konjunkturpaket II den Schulen in Not zu helfen. Er kritisiert aber die Beschränkung des Pakets auf Reparatur und Bau von Gebäuden. „Die Schulen in Deutschland leiden an schlechten Räumlichkeiten wie an unzureichendem Mobiliar wie an veralteten Schulbüchern und zu wenig Lernsoftware“, erläutert Andreas Baer. Das Hilfspaket müsse geöffnet werden und den Schulen selbst überlassen sein, welche Ausgabenprioritäten sie setzen wollen.

Die seit Jahren gute Entwicklung im sog. „Nachmittagsbereich“ des freiwilligen Lernens bekam nach den ersten Berechnungen des VdS in 2008 einen spürbaren Dämpfer: Der Branchenumsatz mit Lernhilfen und Medien zur Prüfungsvorbereitung in der Schule stagnierte 2008 bei ca. 52,5 Mio. €. Insbesondere Lernhilfen (auf den Abschluss einer Schulart eines ganz bestimmten Landes spezialisierte Lernkompendien, die die Eltern und Schüler selbst kaufen) erfreuten sich in den letzten Jahren wachsender Beliebtheit auch außerhalb des süddeutschen Raumes. Weshalb sich dieser Trend nicht fortsetzen konnte, bleibt unklar.

Noch enttäuschender war 2008 der Umsatz mit Bildungsmedien (rund 80 Mio. €) für das Sprachenlernen in der Erwachsenenbildung. Er war um bis zu 5 % rückläufig; 2007 gab es noch ein Plus von 5 %. Die im Rahmen der Sprachförderung von Migranten durch das Nürnberger Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) durchgeführten „Deutsch als Fremdsprache“-Kurse konnten dem Markt nicht die erwarteten Impulse geben.

Der Umsatz mit Lern- und Unterrichtssoftware sank 2008 um 10 %. Als Produkt mit eigenständigem Umsatz ist Software für die Bildungsmedienhersteller zum marginalen Faktor mit einem Branchenumsatz von nur noch 23 Mio. € geworden. Seit 2002 ist der Umsatz sowohl mit Unterrichtssoftware für die Schulen wie auch mit Lernsoftware für den Nachmittag und das Freizeitlernen rückläufig bzw. stagnierend. Dagegen wächst der Anteil der sog. Hybridprodukte (Lehrbuch plus CD oder Arbeitsbuch plus CD): Diese Kombiprodukte werden von den Schulen immer mehr nachgefragt und finden jetzt auch bei den Lernhilfen und in der Erwachsenenbildung einen erfolgreichen Absatz. Oft sind die Produkte nur unwesentlich teurer als Lehr- und Arbeitsbücher ohne CD. Dafür werden in der Software aber zusätzliche Aufgaben und vertiefende Lernkapitel angeboten. Das Arbeits- und Lehrbuch mit CD und weiteren online erhältlichen Aktualisierungen ist in vielen Fächern und Jahrgängen der Standard geworden.

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