Pomikalkos Auslese All die schönen Bücher… Ellen Pomikalkos Lieblingsbücher, Heft 4/2016

Pomikalko

Sacha Batthyany, Und was hat das mit mir zu tun?, Kiepenheuer & Witsch

Könnte das Leben seiner Vorfahren Einfluss auf sein eigenes haben? Er forscht seiner Familie nach. Seine Großtante stand unter dem Verdacht, an der Erschießung von Juden beteiligt gewesen zu sein. Das kann er nicht bestätigen, wohl aber, dass seine Großmutter sich lebenslang Vorwürfe gemacht hat, jüdischen Nachbarn nicht geholfen zu haben. Er reist zu Überlebenden und fährt mit seinem Vater bis nach Sibirien, wo der Großvater zehn Jahre lang im Gulag war. Das schreckliche Jahrhundert wird in dieser Geschichte einer einst berühmten ungarischen Familie wieder lebendig. Der 1973 Geborene spricht aus, was alle beschweigen – auch wenn Krieg und Diktatur der Familie zugesetzt haben, ist sie nicht unschuldig geblieben. Aber auf die Gewissensfrage, ob er, der Nachgeborene, in einer ähnlichen Situation Juden verstecken würde, antwortet er klar „Nein“. Einem Gewaltregime begegnen nur wenige mit einem Selbstopfer. Das ist die Tragik, die hier zur Sprache kommt. (255 S., 19,99 Euro)

Karen Duve, Macht, Galiani Berlin

Ein Tendenzroman. 2031 haben Frauen die Macht übernommen, einer sperrt seine Ehefrau, eine Ministerin, in schalldichtem Keller ein und zwingt sie, ihn als „Gebieter“ zu achten. Damit nicht genug, wird uns auch die Zukunft als traurige neue Welt gezeigt, die trotz technischer Neuerungen kurz vor dem Kollaps steht, weil es große gewaltbereite, von der Polizei nicht mehr beherrschbare Gruppen gibt. Wir bekommen viele Argumente gegen Fleischessen und das „durch und durch feminisierte Gesellschaftssystem“ geboten, wobei das erste ernst, das zweite natürlich ironisch gemeint ist. Überhaupt purzeln hier die Angriffsziele durcheinander, es ist ein SF-Krimi mit Seitenhieben auf männliche Allmachtsphantasien. Sehr ausführlich ausgesponnen, jede Assoziation ergreifend, mit etwas zu heißer Nadel gestrickt. (414 S., 22,70 Euro)

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