Danach fragen Kunden Umgeblättert heute: „Ein konzentrierter Text wie ein Gang über einen schmalen Balken“

Jeden Morgen blättern wir für Sie durch die Feuilletons der führenden Tageszeitungen – damit Sie schnell einen Überblick haben, wenn Kunden ein bestimmtes Buch suchen oder Sie nach einer Idee für einen aktuellen Büchertisch:

 

„Es duften auch die Knochen großer Heiden“: Maren Elisabeth Schwab und Anthony Grafton zeigen, was die humanistischen Verehrer antiker Überreste mit dem christlichen Reliquienkult verband. „Das faszinierende Buch von Schwab und Grafton handelt genau hiervon: von der Begeisterung an den Spuren vergangenen Le­bens, der Neugier auf das Authentische, Echte. Von ihr sollte künftig auch die mo­dernisierte Wissenschaft getragen werden.“
  • Maren Elisabeth Schwab und Anthony Grafton, The Art of Discovery. Digging into the Past in Renaissance Europe. (Princeton University Press)

„Bloß nicht auf Französisch Deutsch sprechen“: Nachdenken darüber, was das Schöpferische eigentlich ausmachen mag: Vladimir Jankélévitschs frühe Studie über Henri Bergson. „Wie produktiv Jankélévitch selbst Bergsons Denken verinnerlicht und umgesetzt hat, lässt sich anhand dieser Studie nur in Ansätzen nachvollziehen und wird letztlich wohl in erster Linie in seinem oft als poetisch bezeichneten Stil zu finden sein.“

  • Vladimir Jankélévitch, Henri Bergson. (aus dem Französischen von Ulrich Kunzmann; mit einem Nachwort von Andreas Vejvar; Suhrkamp Verlag)

„Er war mein Besänftiger“: Ein barrmherziger Beobachter des seltsamen Treibens, das wir unser modernes Leben nennen: Julia Genazino über ihren Vater Wilhem Genazino, der am 22. Januar achtzig geworden wäre. „Ich muss meine Bücher und meine Themen wiederfinden, irgendwo zwischen Virginia Woolf und Donald Duck. Dieser Prozess ist noch nicht abgeschlossen und wird vielleicht zeitlebens andauern. Die Grenzen zwischen Vater und Tochter verschwimmen, nur noch ich bin geblieben, um sie zu ziehen. Früher schien es leichter und eindeutiger, meinen Platz zu finden – neben meinem Vater.“

„‚Gegen was kämpfen wir überhaupt?'“: Mit seinen Zeichnungen von Panzern und Flugzeugen kommt Juko Matsuda in Japan nicht gut an, in der Ukraine aber ist sein Manga über einen Kampfpiloten ein Bestseller. „Nur eines kann er verraten: dass er seine Zeichnungen das nächste Mal etwas besser dem europäischen Markt anpassen will. In Europa schlägt man Bücher nach links auf, nicht nach rechts wie in Japan. ‚Dieses Problem‘, sagt er, ‚muss ich das nächste Mal bedenken.’“

  • Juko Matsuda, Geist von Kiew (Selbstverlag)

„Nicht loslassen!“: Donald Antrim hing schon in der Luft, nur eine Hand noch am Geländer. Sein Buch An einem Freitag im April erzählt von seiner Rettung. „Einen Text loszulassen ist vielleicht ähnlich existenziell wie sich selbst loszulassen, während man am Geländer der Feuertreppe hängt. Mit An einem Freitag im April hangelt er sich wieder hinauf. Es ist mehr als ein literarisches und erst recht mehr als ein therapeutisches Buch, unsentimental, illusionslos, aber doch trostvoll. Ein konzentrierter Text wie ein Gang über einen schmalen Balken, jedes Wort ist klar, jeder Schritt ist mit Bedacht gesetzt.“

  • Donald Antrim, An einem Freitag im April. Eine Geschichte von Suizid und Überleben. (a. d. Engl. v. Nikolaus Stingl; Rowohlt)
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