Danach fragen Kunden Umgeblättert heute: Eine erstklassige wie beklemmende Lektüre

Jeden Morgen blättern wir für Sie durch die Feuilletons der führenden Tageszeitungen – damit Sie schnell einen Überblick haben, wenn Kunden ein bestimmtes Buch suchen oder Sie nach einer Idee für einen aktuellen Büchertisch:

 

„Im Anfang war der Name“: Von Jungen und Männern: Michael Köhlmeier reißt in seinem Roman Frankie die Mauern der gesellschaftlichen Ordnung ein. „Überhaupt ist es die sprachliche Gestaltung, die Frankie zu einer erstklassigen wie beklemmenden Lektüre macht. Präzise verleiht Köhlmeier jeder seiner Figuren einen eigenen Klang und lässt die Grenzen dazwischen erst dann verschwimmen, als auch Richtig und Falsch flexible Kategorien willkürlicher Betrachtung werden.“
  • Michael Köhlmeier, Frankie. Roman. (Hanser Verlag)

„Bauen für das Jüngste Gericht“: Von den Sumerern bis zum frühen Islam: Daniel Gerlach unternimmt kultur- und religionsgeschichtliche Reisen rund um das östliche Mittelmeer. „In jedes Kapitel steigt Gerlach mit Reportage-Elementen ein, etwa wenn er in Kairo, Bagdad oder auch bei den Mandäern in Amara das heutige Leben einfängt. So gelingt es ihm, seine Geschichte, wie Religionen zu dem geworden sind, was sie heute darstellen, durchaus kurzweilig zu erzählen.“

  • Daniel Gerlach, Die letzten Geheimnisse des Orients. Meine Entdeckungsreise zu den Wurzeln unserer Kultur (C. Bertelsmann)

„Schwimmen, ohne zu erreichen“: Cheon Myeong-kwans Roman Der Wal erzählt über drei Generationen koreanischer Frauen im Spiegel des zwanzigsten Jahrhunderts. „So vereint sein preisgekrönter Roman Der Wal (im Original 2004 erschienen) westliche und östliche Einflüsse wie magischen Realismus und asiatische Mythen, Martial Arts und den zotig-subversiven Erzählfluss des koreanischen Singspiels ‚Pansori‘. Mit Witz und Weltschmerz entwirft er eine mit christ­licher und buddhistischer Symbolik ge­färbte Passionsgeschichte Koreas seit der japanischen Kolonialzeit.“

  • Cheon Myeong-kwan, Der Wal. Roman. (aus dem Koreanischen von Matthias Augustin und Kyunghee Park; Weissbooks Verlag)

„Es sind nicht immer nur die Männer, aber auch“: Ivana Dobrakovovás als Roman bezeichnete Erzählungen Mütter und Fernfahrer versammeln vielfältige Fährnisse für Frauen. „Ivana Dobrakovovás Erzählungen sind wenig überraschend, aber immerhin schreibt die Autorin mit einer gewissen Souveränität, verbindet die Geschichten ihrer fünf Heldinnen durch kleine Motive, arbeitet aber vor allem mit Kontrasten, das heißt, sie zeigt in ihren literarisch-soziologischen Entwürfen, dass Frauen, egal welchen Alters, welcher Nationalität und welcher Schicht, vielfältigen Fährnissen unterworfen sind.“

  • Ivana Dobrakovová, Mütter und Fernfahrer. Roman (aus dem Slowakischen von Ines Sebesta; Residenz Verlag)
„Der gute Geist“: J. R. Moehringer hat mit Prinz Harry „Reserve“ geschrieben. Seine eigenen Memoiren zeigen, warum er der perfekte Ghostwriter ist. „Moehringer mag Reserve erschaffen haben aus dem Material, das ihm Prinz Harry gegeben hat – aber er hat dafür einen Tonfall gefunden, der nicht sein eigener ist. Aber das war ja auch sein Job.“
„Adler beißt Löwe die Gurgel ab“: Eine Geschichte der „Vermischten Meldungen“. „Es handelt sich dabei um ein auf charmanteste Art zweigleisiges Werk, nämlich um eine Pressegeschichte unter besonderer Berücksichtigung des Vermischten beziehungsweise um eine Geschichte der Vermischten Meldungen im Licht der Presseentwicklung.“
  • Klaus Zeyringer, Die Würze der Kürze: Eine kleine Geschichte der Presse anhand der Vermischten Meldungen (S. Fischer)

„‚Ich unaussprechlich auf die Milch eurer Väter'“: Werner Schmitz hat Hemingways Kriegsroman Wem die Stunde schlägt neu übersetzt. Und lässt die Schimpfwörter einfach weg. „Die neue Übersetzung von Werner Schmitz ist nun deutlich klarer, transparenter und natürlich auch zeitgenössischer, ohne dass sie das Original für die Gegenwart aufmotzt. Auffallend ist, dass manche englische Redewendung mittlerweile ins Deutsche eingewandert ist.“

  • Ernest Hemingway, Wem die Stunde schlägt. Roman. (aus dem Englischen von Werner Schmitz; Rowohlt Verlag)

„Wer nicht hören muss, will fühlen“: Lehrreich und unerfreulich: Ulrike Heiders pointierte Studie Die grausame Lust deutet den Sadomasochismus als Teil einer kapitalistischen Unkultur. „Was an Heiders ebenso lehrreicher wie durchaus unerfreulicher Studie auffällt, ist, dass sie in keiner Weise auf Prozesse innerpsychischer Prägungen eingeht und auf psychoanalytische oder gar transkulturelle Überlegungen systematisch verzichtet.“

  • Ulrike Heider, Die grausame Lust. Sadomasochismus als Ideologie (Schmetterling)
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