Danach fragen Kunden Umgeblättert heute: „Wer dem Hörspiel mit geschlossenen Augen lauscht, könnte meinen, es mit einer aufwendigen Neuverfilmung zu tun zu haben“

Jeden Morgen blättern wir für Sie durch die Feuilletons der führenden Tageszeitungen – damit Sie schnell einen Überblick haben, wenn Kunden ein bestimmtes Buch suchen oder Sie nach einer Idee für einen aktuellen Büchertisch:

 

„Was Prissy noch zu sagen hätte“: Ein Hörspiel wagt die Neuinterpretation von Vom Winde verweht – und erzählt aus Sicht einer jungen Sklavin. „Wer dem Hörspiel mit geschlossenen Augen lauscht, könnte meinen, es mit einer aufwendigen Neuverfilmung zu tun zu haben, ein so kunstvolles und geschlossenes Gesamtbild aus Musik, Soundeffekten und Stimmen liefert die Neuauflage. Obgleich aus einer anderen Perspektive erzählt, steht weiterhin Scarletts Coming-of-Age-Geschichte im Zentrum.“
  • Margaret Mitchell, Amina Eisner, Vom Wind verweht. Die Prissy Edition. Hörspiel. (Der Hörverlag)

„Liebe in ihrer extremsten Form“: Meike Rötzer erzählt Kleists kühne Liebeslusttragödie Penthesilea. „Probleme ergeben sich mindestens zweifach. Die atemberaubend choreographierten und in syntaktisch kühnste Verse verwandelten Kampfszenen wirken, obgleich im Drama oft per Mauerschau berichtet, in Prosa ungleich blasser.“

  • Penthesilea nach Heinrich von Kleist. Erzählt von Meike Rötzer. Erzählbuchverlag Berlin 2022 (Audiobook Download)

„Jahrhundertpanorama in Momentaufnahmen“: Gabriele Tergits Roman Effingers fulminant gelesen. „Johann von Bülow verfügt über einen warmen, episch ausdauernden Ton, dem man gerne 31 Stunden lang zuhört. Er gibt den Figuren in den Gesprächsszenen akustisches Profil, vergegenwärtigt Liebesschmacht und Melancholie ebenso gut wie die Lebensweisheiten Berliner Handwerker oder die untergründige Grausamkeit in den Unterredungen der Geschäftsleute. Die Dialoge bekommen so mehr Plastizität als bei der Lektüre, etwa wenn der junge Paul Effinger mit seinem Schraubenfabrik-Projekt am behäbigen Bürgermeister seines süddeutschen Heimatstädtchens Kragsheim scheitert.“

  • Gabriele Tergit, Effingers. Lesung mit Johann von Bülow. (Verlag Speak low)

heute nichts

„Paare, die sich leidlich verstehen“: Jean Stafford seziert das Leben der Gebildeten. „Das – wie schon Staffords Roman Die Berglöwin – im Schweizer Dörlemann-Verlag erschienene Buch präsentiert 50 Jahre nach der Auszeichnung eine Schriftstellerin, die nicht quer zur, sondern über der Zeit zu stehen scheint. Das klare, illusionslose, mal spröde, mal ironische Erzählen Staffords zieht sofort in die Situation, in den Moment: In jeder neuen Geschichte braucht man nur kurz, um sich zu orientieren.“

  • Jean Stafford, Das Leben ist kein Abgrund. Stories. (a. d. Engl. v. Adelheid und Jürgen Dormagen; Dörlemann)
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