Danach fragen Kunden Umgeblättert heute: Zum Tod von Noah Gordon

Jeden Morgen blättern wir für Sie durch die Feuilletons der führenden Tageszeitungen – damit Sie schnell einen Überblick haben, wenn Kunden ein bestimmtes Buch suchen oder Sie nach einer Idee für einen aktuellen Büchertisch:

  • „Ein ungleicher Kampf“: Imbolo Mbue erzählt von den Folgen amerikanischer Ölbohrungen in einem afrikanischen Dorf. „Die in Kamerun geborene afroamerikanische Autorin hebt den Stoff ins Exemplarische und gibt ihm die Form einer universalen Parabel über den ungleichen Kampf zwischen dem übermächtigen Westen und dem unterlegenen ausgebeuteten Afrika.“
    Imbolo Mbue, Wie schön wir waren (aus dem Amerikanischen von Maria Hummitzsch, Kiepenheuer & Witsch)
  • „Vielleicht zu frei“: Der Dichter Robert Bly versuchte den modernen Mann vor sich selber zu retten. Jetzt ist er mit 94 gestorben. „Trotz Bestsellerruhm und National Book Award war Bly seinen Zeitgenossen kaum als Dichter bekannt, dafür war er zu wenig modern, waren seine freien Verse allzu frei. Was er dem amerikanischen Mann empfahl, den Blick nach innen, wie er ihn bei den europäischen Lyrikern sah, war maßgeblich auch für sein eigenes Werk.“
  • „Das leibhaftige Moment“: Zum Tod von Noah Gordon, dem Autor des Medicus, als der „1986 in Amerika herauskam, wurden gerade mal 10 000 Bücher verkauft. Millionenauflagen gab es allerdings in Europa, vor allem in Deutschland und Spanien. (…) Am Montag ist Noah Gordon im Alter von 95 Jahren gestorben.“

 

  • „Machen wir doch einen Schritt zur Seite“: In ihrem Essay-Band Übungen im Fremdsein legt Olga Tokarczuk Geheimnisse und Möglichkeiten der Inspiration offen. „Die Essays vermögen, obwohl (oder weil) sie ein deutliches Licht auf die Bausubstanz literarischer Schöpfung werfen, die Faszination an dieser Form der menschlichen Kunst nur noch zu steigern. Die Welt, schreibt Tokarczuk, sollte auch jenseits der Literatur auf unterschiedlichen Ebenen gesehen, gelesen, gedeutet werden. Und nicht, wie dies in der postmodern-rationellen Zeit über die Maßen geschähe, buchstäblich.“
    Olga Tokarczuk, Übungen im Fremdsein. Essays und Reden (aus dem Polnischen von B. Hartmann, L. Palmes, L. Quinkenstein; Kampa)

 

  • „Menschlich verbinden sich die Meere“: Es geht auch ohne Meistererzählungen: David Abulafia zeigt auf eindrucksvolle Weise, dass ihm keine Facette der Geschichte der Ozeane fremd ist. „2019 erstmals in Anlehnung an ein Shakespeare-Wort als The Boundless Sea erschienen, bringt der englische Untertitel dieses Programm besser zum Ausdruck als der deutsche: A Human History of the Oceans. Der Verfasser, der in Cambridge lehrende Historiker David Abulafia, gliedert sein Buch in fünf Teile, von denen die ersten drei den einzelnen Ozeanen gewidmet sind: dem Pazifik, dem Indischen Ozean und seinen west- und ostasiatischen Nachbarn sowie dem Atlantik.“
    David Abulafia, Das unendliche Meer. Die große Weltgeschichte der Ozeane (aus dem Englischen von Michael und Laura Su Bischoff; S. Fischer Verlag)
  • „Es steckte einfach in ihm“: Böse feixen die Kinder: Douglas Stuarts preisgekrönter Roman Shuggie Bain verliert die literarische Ästhetik aus dem Blick. „Wer einen solchen Roman zu den herausragendsten Leistungen der Gegenwartsliteratur zählt, der hat die Frage nach der literarischen Ästhetik, nach der Angemessenheit des literarischen Ausdrucks im Verhältnis zum erzählten Inhalt, stillschweigend als irrelevant abgetan. Eine Verarmung dessen, wozu Literatur in der Lage ist, bedeutet dies ohne Frage.“
    Douglas Stuart, Shuggie Bain (aus dem Englischen von Sophie Zeitz; Hanser Berlin)
  • „Durch schwierige Zeiten“: Unter Gleichgesinnten: Dmitri Schostakowitsch als Briefschreiber. „Schostakowitschs Briefe sind Wortmeldungen eines aufstrebenden Komponisten, der sich in jugendlichem Ungestüm äußert, über die Jahre selbstbewusster und gleichzeitig von Konkurrenten und linientreuen Dogmatikern angefeindet wird.“
    Dmitri Schostakowitsch, Briefe an Iwan Sollertinski (hrsg. von Dmitri Sollertinski und Ljudmila Kownazkaja. Aus dem Russischen von Ursula Keller; Wolke Verlag)
  • „Auf Studienreise bis nach Persien“: Sein Weltbestseller Der Medicus begründete ein ganzes Genre im historischen Roman: Zum Tod des amerikanischen Autors Noah Gordon. „Um ein in alle Richtungen durch Quellen abgesichertes Bild ging es Gordon nicht, auch wenn er für seine Bücher umfangreiche Studien betrieb und so auf sehr viel mehr zurückgreifen konnte als nur auf eigene medizinpraktische Anschauungen. Für das Genre des historischen Romans, in das er seine Bestseller stellte, wirkte er als Erneuerer, auch wenn er die Raffinesse etwa von Umberto Ecos sechs Jahre vor dem Medicus erschienenen Roman Der Name der Rose gar nicht anstrebte.“

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