Buchhandel Content Shift: Beschleuniger für Ideen

Alexander Skipis

Gestern Abend hatte die Börsenvereinsgruppe zum Auftakt für das Programm Content Shift in James the Bar am English Theatre in Frankfurt eingeladen.

Das dreimonatige Programm soll Start-ups und Branchenunternehmen zusammenbringen, um schneller neue Geschäftsmodelle erfolgreich zu entwickeln.

Bis zum 30. Juni 2016 können sich Start-ups für das EU-weite Programm Content Shift bewerben. Fünf Branchenunternehmen – Bonnier Deutschland, Holtzbrinck Digital, Thalia, die Thieme Gruppe und Story-Docks – unterstützen das Projekt mit jeweils 10.000 Euro.

Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, unterstrich in seiner Begrüßung: „Wer nicht den Anspruch hat, einen Wandel zu vollziehen, hat schon verloren.“ Man befinde sich gegenwärtig noch in der „Steinzeit des digitalen Wandels“. Es komme auch für den Buchhandel darauf an, schneller mit digitalen Formen zu agieren. Noch sei nicht alles jederzeit im Netz verfügbar.

Content Shift will die zusammenführen, die zusammengehören. Kein Unternehmen könne alles selbst regeln, deshalb sei es notwendig, Grenzen zu überwinden.

„Seit 2007 gibt es das Forum Zukunft des Börsenvereins, es wurde zu Beginn belächelt. Aber vor zehn Jahren wurde auch daran gezweifelt, dass sich die Digitalisierung durchsetzt“, sagte Skipis. Man müsse Ungewohntes probieren. „Wir wollen Begeisterung für Neues schaffen, Innovationen stimulieren und in Geschäftsmodelle umsetzten.“

John Ruhrmann, Bookwire, berichtete über seine Geschäftserfahrungen: „Wir sind jetzt seit sechs Jahren am Markt, aber immer noch ein Start-up. Wir haben viel Glück gehabt und zur richtigen Zeit begonnen.“ Wichtig sei es, einen guten Partner zu haben; Ruhrmann und Jens Klingelhöfer kennen sich lange und gut. Es gab Erfahrungen aus der Musikbranche, die von der Digitalisierung hart getroffen wurde und erst jetzt wieder langsam schwarze Zahlen schreibe. Dieses Wissen habe geholfen, Fehler zu vermeiden.

„Als Start-up auf Großunternehmen zuzugehen ist in Deutschland schwierig. Im Silicon Valley ist das kein Problem“, stellte Ruhrmann fest. Zudem setze Bookwire auf ein gutes Team, derzeit beschäftigt das Unternehmen 30 Mitarbeiter.

„Ich sehe in der Zukunft einen Print on demand-Drucker an jedem Ort der Welt. Wer ein Buch möchte, kann sich das ausdrucken. Eine riesige Lagerhaltung wird damit überflüssig“, sagte Ruhrmann und fügte hinzu: „Energie und Informationen sind die Werkstoffe der Zukunft.“

Holger Heinze, Bookarize, schilderte seinen Weg als Gründer: „Bookarize ist mein zehntes Start-up. Aber Scheitern gehört dazu. Mit dem ‚grünen Kaufhaus’ Monagoo sind wir gescheitert, haben keinen Investor gefunden. Wir waren zwar ein tolles Team, hatten aber wenig Erfahrung. Im Nachhinein weiß ich: Man muss mehr mit den Kritikern reden, nachhaken. Tests sind erforderlich – auch wenn sie weh tun.“

Dorothee Werner, Börsenverein, erläuterte zum Programm Content Shift: „Wir haben anderthalb Jahre daran gearbeitet. Es geht darum, sich miteinander zu vernetzen und ins Gespräch zu kommen. Content Shift ist die Plattform dafür, die Brücke.“

Für Unterhaltung zwischen den Gesprächsbeiträgen sorgte Moritz Neumeier mit witziger, hintergründiger und teilweise böser Slam Poetry.

Am 20. Oktober 2016 wird auf der Frankfurter Buchmesse das Finale der fünf von einer Jury ausgewählten Start-ups stattfinden. Der Gewinner wird sich über ein Preisgeld in Höhe von 10.000 Euro freuen können.

Mehr über das Programm ist unter www.contentshift.de zu finden.

JF

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