Bilanz der 62. Münchner Bücherschau unter erschwerten Pandemie-Bedingungen „Dieses Jahr änderten sich die Bestimmungen gefühlt täglich“

„Eine herausfordernde Münchner Bücherschau liegt hinter uns“, so Klaus Füreder, Vorsitzender Börsenverein des Deutschen Buchhandels – Landesverband Bayern. „Im letzten Jahr wussten wir immerhin eine Woche vorher, dass die hybride Planung komplett ins Digitale verlegt werden muss. Dieses Jahr änderten sich die Bestimmungen gefühlt täglich. Aber immerhin konnte die große Buchausstellung in diesem Pandemie-Jahr mit den rund 15.000 Neuerscheinungen und Longsellern aus 130 Verlagen bis zum letzten Sonntag planmäßig geöffnet bleiben. Und, aufbauend auf den Erfahrungen aus dem letzten Jahr, konnten wir unser digitales Eingangsportal noch attraktiver und leichter zugänglich gestalten.“

62. Münchner Bücherschau (Foto: Eickelschulte)

Die Ausstellung im Gasteig konnte laut Veranstaltern rund 40.000 Besucher verzeichnen, natürlich deutlich weniger als in nicht pandemischen Jahren: „Aber die, die kamen, zeigten sich oft als Hardcore-User und nahmen sich alle Zeit der Welt, um das umfangreiche Bücherangebot ausgiebig zu studieren. Die Leseplätze und Sitzgelegenheiten waren durchweg belegt.“ Sonja Hahn, neu im Team für die Organisation zuständig, hatte den Eindruck, dass „um ein Haardie 30.000 ausgelegten Buchwunschkarten ausgegangen wären“, die dann optimalerweise als Wunschzettel in den Münchner Buchhandlungen landen. Die digitale Münchner Bücherschau sei mit 60.000 Aufrufen eine wunderbare Ergänzung und Alternative für alle gewesen.

Die meisten der Veranstaltungen für Kinder und Jugendliche hatte Edith Offermann in weiser Voraussicht als hybrid oder rein digital geplant, so die mit Cornelia Funke, Andreas Steinhöfel sowie die originalsprachigen mit Jason Reynolds und Karen M. McManus. Alex Rühle stellte noch live in der Black Box seine neuen Zippel-Abenteuer vor, ein großer Familienspaß trotz Masken und Abstand. Jonathan Stroud, Rufus Beck und das LiterarischeJugendquartett konnten erfolgreich digital stattfinden. „Das hat alles gut funktioniert und auch das Schulklassenprogramm war im digitalen Raum ein voller Erfolg. Bis zu 300 Kinder haben sich zu den einzelnen Lesungen dazu geschaltet und tolle Fragen und Ideen zum Buch vorab eingeschickt“, sagt Edith Offermann. „Die Lehrerinnen und Lehrer waren froh, dass die Schulveranstaltungen immerhin auf diese Weise stattfinden konnten, auch wenn sich die meisten gerade auf die persönlichen Begegnungen mit den Autorinnen und Autoren gefreut hatten.“ Insgesamt waren es rund 2.000 Schülerinnen und Schüler aus 77 Klassen.

Für die Erwachsenen gab es dagegen einige Live-Veranstaltungen im Gasteig, die, auch bedingt durch die verminderte Raumauslastung, teilweise ausgebucht waren. So die mit Marianne Koch, Harald Lesch oder Stefan Aust. Andere mussten leider ganz ausfallen, wie die geplanten Abende mit Svenja Flaßpöhler, Rüdiger Safranski oder Lukas Rietzschel. Thomas Kraft, verantwortlich für das Erwachsenenprogramm, bringt es mit der Nennung seiner Highlights auf den Punkt: „Die selbstkomponierten Lieder von Johannes Oellinger zu Simone de Beauvoir; Elke Heidenreichs ungebrochene Angriffslust gegen den Mann im deutschen Fernsehen, der Bücher in den Müll wirft; Anne Gesthuysens rheinische Frohnatur und die kleinen Seitenhiebe auf ihren Mann Frank Plasberg, der im Publikum saß: Wiebke Puls‘ kluge und sprachmächtige Performance beim McCartney-Abend; die sympathische Selbstironie von Felix Neureuther, der mit einer sportiven Frau verheiratet ist, die die Berge schneller als er erklimmt; Stefan Austs Unterhaltungstalent und seine Hochachtung für Kishore Mahbubabi; Harald Lesch, der – trotz des ernsten Themas – sein Talent als Witzeerzähler unter Beweis stellte.“ Elke Heidenreich hatte Thomas Kraft nach der Veranstaltung geschrieben: „… war rundum schön und beglückend gestern, vielen Dank!“

Die digitale Münchner Bücherschau und alle aufgezeichneten Veranstaltungen sind noch bis 6. Januar 2022 in der Mediathek abrufbar: www.muenchner-buecherschau.de

Wegen der Corona-Auflagen ist auch der Markt der unabhängigen Verlage „Andere Bücher braucht das Land“ (https://mbs.medientage-digital.de/special-showcase) vom Literaturhaus zur digitalen Bücherschau umgezogen und jetzt online anzuschauen.

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