Buchmessen Erste Mainzer Buchmesse der unabhängigen Verlage stieß auf reges Interesse

Plakat an der Kirchentür

Am Freitag Abend begann die Messe, veranstaltet vom Lektorat Seitzmayer in Kooperation mit der Kurt Wolff Stiftung, in der Altmünsterkirche mit Musik und Lesungen, im Anschluss gab es einen Gedankenaustausch in gemütlicher Runde.

Fortgesetzt wurde die Verkaufsmesse, die unter dem Motto Es geht um das Buch stand, am Samstag um 10 Uhr. Um 17 Uhr stand eine Podiumsdiskussion auf dem Programm.

Mit dabei waren der Aviva Verlag, der Axel Dielmann Verlag, der Danube Books Verlag, die Erlesenes & Büchergilde Buchhandlung, Fabian Hartmann, SKW Schwarz Rechtsanwälte, die Frankfurter Verlagsanstalt, der Gonzo Verlag, der Peter Hammer Verlag, der Hermann Schmidt Verlag, Klöpfer & Meyer, der Kunstanstifter Verlag, der Merlin Verlag, der Nomen Verlag, der Pendragon Verlag, der Transit Buchverlag, der Verbrecher Verlag, der Verlag Voland & Quist, der Wallstein Verlag, der Weidle Verlag, weissbooks.w, der Wortschau Verlag und der Verlag Das Wunderhorn.

Die Podiumsdiskussion unter dem Thema Das allmähliche Verschwinden älterer Titel aus dem Buchhandel – was kann man tun? bestritten Britta Jürgs, Vorsitzende der Kurt Wolff Stiftung, Verleger Stefan Weidle, Sarah Reul vom Buchladen am Freiheitsplatz in Hanau und Verleger Manfred Metzner. Katrin Seibold, Redaktion 3sat-Kulturzeit, moderierte.

„Der Buchhandel arbeitet mit großer Geschwindigkeit. Daraus habe ich für mich die Konsequenz gezogen, nur noch vier Bücher pro Jahr zu publizieren“, sagte Weidle. „Lieferbares ist für das Barsortiment wichtig. Es geht darum, den Kunden zu erklären, das alles bestellt werden kann – wir beispielsweise bestellen täglich. Ein einfaches ‚haben wir nicht‘ lenkt die Kunden auf das Internet um“, erklärte Reul und fügt hinzu: „Eine gut gepflegte Backlist ergibt sich bei uns aus Empfehlungen.“ Verlagsvorschauen seien ebenfalls wichtig, gut sei es, wenn dabei auf vorangegangene Bücher von Autoren hingewiesen würde.

Auch Aktionen wie Backlist-Liebe könnten zur Stärkung älterer Bücher beitragen. Dabei sollten die Social Media Plattformen genutzt und Blogger mit ins Boot geholt werden.

Wesentlich sei, dass Verlage und Buchhandel in Kontakt bleiben und der Fokus nicht nur auf Neuerscheinungen liegt. „Bei mir ist die Backlist zur Back-Lust geworden“, meinte Weidle.

„Wir gehen auch auf den Media Campus und stellen die unabhängigen Verlage mit ihren Backlists vor“, erklärte Metzner. Die Verfallszeiten für Bücher würden zwar immer kürzer, dennoch sollte sich der Buchhandel auch mit den Backlists beschäftigen, gerne würden dazu entsprechende Ideen entgegen genommen.

Jürgs verwies auf spezielle Festivals oder beispielsweise die Reihe Vergessene Premieren, bei denen Nachhaltigkeit im Vordergrund steht.

Weidle erinnerte an eine Veröffentlichung in der Zeit, in der Lieblingsbücher vorgestellt wurden. Das stieß ganz und gar nicht auf Verständnis bei den großen Verlagshäusern, die eher ihre Novitäten ins Blickfeld rücken wollten. – Wichtig sei es, Themen in den Vordergrund zu stellen – das erlaube auch Hinweise auf ältere Bücher.

„Genau, wir können dafür Schaufenster nutzen. Verlage und Buchhandel könnten dabei gut zusammenarbeiten“, bemerkte Reul. Außerdem sei es mit solcherart Schaufenstergestaltung möglich, sich von der Konkurrenz abzuheben.

An Büchertischen würden sogar etwa 80 Prozent Umsatz aus der Backlist generiert – für die Kunden seien das eben neue Bücher.

„Wir sollten uns nicht vom Jugendwahn anstecken lassen und gegen das Verschwinden und Vergessen zusammenarbeiten“, pflichtete Metzner bei.

Diskutiert wurde auch über eine dritte Reise der Verlagsvertreter. Reul wandte sich entschieden dagegen, schon zwei Vertreterbesuche seien genug, die vielen Novitäten seien ohnehin nicht zu schaffen. „Aber die Unabhängigen tragen nicht viel zur Bücherflut bei“, entgegnete Jürgs. „Natürlich liegt eine dritte Reise im Interesse der kapitalstarken Verlage. Und jede Buchhandlung muss selbst entscheiden, ob sie da mitmacht“, sagte Metzner.

Das Publikum wurde nun in die Diskussion einbezogen. Elke Orlac, ehemalige Schauspielerin, erzählte, dass sie und zwei Kollegen seit zehn Jahren schöne Bücher in Lesungen in der Stadtbibliothek von Bad Tölz vorstellen. Das käme beim Publikum gut an.

„Wir müssen die Backlists der Verlage gut präsentieren. Es würde uns helfen, wenn wir auch Leseexemplare aus diesen Listen bestellen könnten“, bemerkte Silke Müller, Buchhandlung Erlesenes & Büchergilde. Sie schlug vor, eine Liste von Lieblingsbüchern der Buchhändler anzufertigen. Diese Bücher ließen sich auch gut verkaufen, weil sie mit Herzblut an den Kunden gebracht werden können.

Zum Punkt Arbeit mit Social Media gab es zwar zurückhaltende Zustimmung, aber auch ein Problem: Große Verlage hätten dafür eigene Abteilunge, kleine kaum Zeit, um das noch zusätzlich zu bewältigen. Sarah Reul bot Seminare dazu an, falls Interesse bestehe. Allerdings verwies sie darauf, dass sich um solche Plattformen ständig gekümmert werden müsse – Eintagsfliegen schaden eher.

Zum Abschluss der ersten Buchmesse der Unabhängigen zog Stefan Weidle eine positive Bilanz. Britta Jürgs äußerte, dass man über das Konzept noch einmal diskutieren und Gesprächen mehr Platz einräumen sollte. Anderthalb Tage wären eben fast zu kurz.

Organisatorin Petra Seitzmayer verriet: „Es war ziemlich schwierig, einen passenden Ort zu finden, der nicht zu klein und nicht unbezahlbar sein sollte. Deshalb sind wir Pfarrer Hendrik Maskus von der Altmünsterkirche dankbar, dass er bereit war, die Messe aufzunehmen. Nur fehlt uns der Sonntag ein bisschen – aber da findet in der Kirche natürlich der Gottesdienst statt.“

Die erste Buchmesse der Unabhängigen ist mit viel Engagement auf die Beine gestellt worden, das Konzept wird überarbeitet, Fortsetzung folgt – da sind sich die Organisatoren sicher.

JF

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