Auszeichnungen Josef Guggenmos-Preis für Kinderlyrik 2022 geht an Nils Mohl

Nils Mohl (c) a_mo

Der Josef Guggenmos-Preis für Kinderlyrik geht in diesem Jahr an den Hamburger Schriftsteller Nils Mohl für sein Buch An die, die wir nicht werden wollen – Eine Teenager-Symphonie (Tyrolia 2021). Die Jury urteilt:

Auf „Klimbimsons Insel“ lebt es sich ganz gut, das Wetter ist erfreulich, das Meer nah, sogar Satellitenfernsehn gibt es. Nur mit dem Kontakt zu anderen Menschen hapert es. Als es der Insulaner nicht mehr aushält, ruft er seine Einsamkeit in die Welt hinaus, probiert sinnvolle und unsinnige Anreden, bis er sich schließlich an diejenigen wendet, die gerade da sind – Kokosnüsse. „‚Na ihr‘, sagst du höflich, als du auf sie zugehst, ‚guten Tag, mein Name ist Klimbimson Kreuzer.‘“ Das Gedicht steht auf den ersten Seiten von Nils Mohls Band „An die, die wir nicht werden wollen“. Und wer ihn liest, wer sich auf die 168 von Regina Kehn vorzüglich illustrierten Seiten einlässt, der entscheidet selbst, ob er sich als Kokosnuss versteht, die von einem mitteilungsbedürftigen Einsamen wehrlos zugetextet wird, oder ob er sich auf das formal anspruchsvolle, schwierige, struppige, variantenreiche und dabei immer wieder funkelnd virtuose Buch einlässt.

Nils Mohl, Jahrgang 1971, der für sein jugendliterarisches Werk bereits vielfach ausgezeichnet wurde, entfaltet mit seinen mal mehr, mal weniger augenfällig geformten Gedichten, eingebauten Kommentaren und kurzen Prosastücken das Bild eines Übergangs zwischen Kindheit und Erwachsenenalter. Es ist der Countdown jener Zeit, in der die Erwartung der Welt dringlicher und das Widerstreben dagegen naturgemäß größer wird. Mohls Protagonist entwickelt dafür eine sehr besondere Perspektive und bietet sie jüngeren und älteren Lesern gleichermaßen an. Unsicherheit, Abwehr und zugleich Neugier auf das, was kommt, prägen diese „Teenager-Symphonie“, so der Untertitel des Buches. Ganz ähnlich wie das von seinem Urheber Brian Wilson ebenso bezeichnete Albumprojekt „Smile“ ist „An die, die wir nicht werden wollen“ eine künstlerische, durchaus an lyrischen Traditionen geschulte Abbildung jener widersprüchlichen, chaotischen und intensiven Emotionen, die mit jenem unwiederbringlichen Alter einhergehen.

Die Jury setzt sich zusammen aus Prof. Dr. Dr. Kurt Franz (Deuerling), Michael Hammerschmid (Wien), Dr. Claudia Maria Pecher (Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendliteratur, Volkach), Arne Rautenberg (Vorsitz, Kiel) und Tilman Spreckelsen (Frankfurter Allgemeine Zeitung, Frankfurt am Main). Weitere sechs besonders gelungene Werke hat sie für die Empfehlungsliste ausgewählt:

  • Andrea Karimé: Planetenspatzen (Picus 2022)
  • Manfred Schlüter: Guruku Gugukuru (Verlag Bibliothek der Provinz 2020)
  • Mathias Jeschke: Knackwurst und Rakete (FISCHER Sauerländer 2021)
  • Uwe-Michael Gutzschhahn: Mäusekino (elif 2020)
  • Micaela Chirif: Das Meer (Baobab Books 2022)
  • Andrea Schomburg: Mattwoch, der 35. Miau (FISCHER Sauerländer 2022)

Zur Preisverleihung laden die Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendliteratur mit der Schwabenakademie Irsee und der Marktgemeinde Irsee für den 1. Juli 2022 nach Irsee.

In einer Feierstunde werden die Josef Guggenmos-Preise für Kinderlyrik 2020 und 2022 in der Schwabenakademie Irsee verliehen. Da die Preisverleihung 2020 pandemiebedingt nicht stattfinden konnte, wird in diesem Jahr auch die Schweizer Lyrikerin Leta Semadeni mit ihrem Werk Tulpen / Tulipanas gewürdigt.

Der 2016 erstmals verliehene Kinderlyrikpreis wird von der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur verliehen. Die Raiffeisenbank Kirchweihtal stattet den Preis mit 3.000 Euro aus. Die Vergabe des Preises unterstützen neben der Kulturstiftung Irsee die Marktgemeinde Irsee sowie die Schwabenakademie Irsee. Von der Akademie Faber-Castell wird ein „perfekter“ Bleistift überreicht, der das Schreiben weiterer preiswürdiger Gedichte inspirieren kann.

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