10.000 Besucherinnen und Besucher erlebten Lyrik live Positive Bilanz des 23. poesiefestival berlin

Mit der Bühnenpremiere von Aras Örens Langpoemen Berliner Trilogie ging heute in Berlin das 23. poesiefestival zu Ende. Insgesamt kamen 10.000 Besucherinnen und Besuchern zu dem Festival in der Akademie der Künste am Hanseatenweg, das in diesem Jahr wieder live stattfand. „Wir hatten eigentlich nach zwei Jahren Pandemie und viel Streit in Europa einen ästhetischen Fächer aufmachen wollen“, sagt Festivalleiter Thomas Wohlfahrt. „Dann überfiel Russland die Ukraine und der Referenzrahmen wurde ein komplett anderer.“

Halyna-Kruk ©Natalia Reich

Die ukrainische Dichterin Halyna Kruk hielt eine eindrucksvolle Eröffnungsrede. „Gegen Leute mit Maschinengewehren helfen keine Metaphern, wenn dein Auto, mit dem du und deine Kinder dem Krieg zu entfliehen versucht, von einem Panzer überrollt wird, hilft keine Dichtung“, sagte sie. „Wenn du tagelang vor dem verschütteten Keller eines Hochhauses ausharrst und hörst, wie drinnen deine Kinder und Enkel schreien, du sie aber nicht rausholen kannst, ist Poesie fehl am Platze.“ Beim darauffolgenden „Weltklang – Nacht der Poesie“ lasen neben ihr Raymond Antrobus, Augustìn Fernández Mallo, Dorothea Grünzweig, Mihret Kebede, Kim Yideum, Wulf Kirsten, Aleš Šteger und Julia Wong Kcomt.

Der aus dem Kongo stammende Autor Fiston Mwanza Mujila (Tram 83) kuratierte mit „Die Traumfabrik“ einen Afrika-Abend, der größtenteils diasporaerfahrene Dichter*innen, Musiker*innen und Wissenschaftler*innen eine poetische Kartographie von Afrikas neuer Urbanität abseits der typischen Stereotype entwerfen ließ. Michèle Métail lieferte eine beeindruckende Performance bei der diesjährigen „Berliner Rede zur Poesie“, die sie auf Deutsch unter dem Titel Die Zwischensprache hielt. Als Buch erschienen ist die Rede im Wallstein Verlag.

Vorgestellt wurde auch persische Lyrik im europäischen Exil, basierend auf der von Ali Abdollahi und Daniela Danz herausgegebenen Anthologie Kontinentaldrift. Das persische Europa (Wunderhorn 2021). Die Reihe Kontinentaldrift begann 2021 mit Das schwarze Europa. Jetzt wird bereits am neuen Band Das arabische Europa gearbeitet.

 

 

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