Offener Brief an die Mitwirkenden, Autorinnen und Autoren, des "Harbour Front Literaturfestival" in Hamburg „Verhindert diese Art der Unterwerfung und solidarisiert euch mit Lisa Eckhart!“

Peter Mathews

Der Autor Peter Mathews hat einen Offenen Brief an die Mitwirkenden, Autorinnen und Autoren, des „Harbour Front Literaturfestival“ in Hamburg verfasst,  „in der Hoffnung, dass der Diskurs, der Wettbewerb, das freie Wort über die Plochokratie siegt“:

Unsere Kollegin Lisa Eckhart wurde eingeladen, auf dem Harbour Front Literaturfestivel in Hamburg mit ihren ersten Roman Omama am Debütantenwettbewerb um den Michael-Kühne-Preis teilzunehmen.
Die acht Lesungen des Wettbewerbs sollten im „Nochtspeicher“, einem Veranstaltungsort auf St.Pauli, stattfinden. Aufgrund von Drohungen nicht näher bezeichneter „linker Kreise“ wurde die Lesung am 14.9. von Lisa Eckardt abgesagt.
Die Festivalleitung hat die Autorin ausgeladen, weil die Sicherheit des Publikums und der Künstlerin nicht gewährleistet werden könne. Welche Gründe die Jakobiner vom sogenannten schwarzen Block anführen mögen, ist zunächst einmal egal. Es geht um Herrschaft Weniger über Orte und Worte, es geht offenbar um die Deutungsmacht, was diese Leute meinen, in der Stadt gesagt werden darf. Das ist nicht hinnehmbar. Eine offene Gesellschaft braucht den offenen Streit. Wer mit Gewalt droht, dem fehlen offenbar die Argumente. Wir müssen uns an den Satz von Voltaire erinnern: „Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, daß du es sagen darfst.“
Wenn der „Nochtspeicher“ sich nicht in der Lage sieht, die Freiheit der Kunst und die Sicherheit der Autorin wie der Festivalbesucher gewährleisten zu können, dann ist das der falsche Ort und der falsche Veranstalter. Dann muss die Festivalleitung reagieren – zum Schutz die Polizei rufen – oder alle Veranstaltungen von dort an einen anderen Ort verlegen. Wenn die Festivalleitung meint, sie müsse gleiche Bedingungen für alle Debütanten schaffen,dann soll die einen anderen, sicheren Ort oder eine andere Art des Wettbewerbs organisieren. Es geht nicht an, dass die anonymen Agenten einer selbsternannten Plochokratie (Herrschaft des Pöbels) das Programm eines Literaturfestivals bestimmen.Ich rufe deshalb Euch, die Autorinnen und Autoren des Festivals persönlich auf, diese Art der Unterwerfung zu verhindern und sich mit Lisa Eckhart zu solidarisieren. Wehrt Euch für Euch. Heute ist es Lisa Eckhart, morgen vielleicht eine andere Kollegin oder Kollege, morgen ihr, denen das Wort entzogen werden soll. Das Schwarze sind immer noch die Buchstaben, nicht diese Blockflöten.
Mit besten Grüssen Peter Mathews, Autor, Hamburg
Kommentare (6)
  1. Ich habe soeben eine Mail an Frau Eckhart mit CC an die Veranstalter geschrieben:
    „Satire muss alles sagen können und darf durchaus auch politisch unkorrekt sein.

    Schade, dass die Veranstalterinnen des Harbour Front Literaturfestivals sich vom Pöbel ihr Programm oktroyieren lassen. Diese Zensur erinnert fatal an die Zeiten, die wir vor 80, 85 Jahren hatten und ist keinesfalls besser, als das, was zur Zeit in China, Russland, Polen und Ungarn passiert. …

    Sehen Sie es positiv, eine bessere Werbung hätten Sie nicht haben können. … Selbstredend habe ich mir „Omama“ sofort in meiner Buchhandlung vorbestellt.

  2. Seltsam, dass hier noch kein einziger Kommentar steht, oder?

    Trauen wir uns jetzt schon nicht mal mehr, einem Weckruf wie dem von Peter Mathews zuzustimmen, geschweige denn ihm dafür zu danken?
    „Wir weichen der Gewalt – Das ist ein Menetekel“ (Michael Hanfeld, FAZ 7..8). Wieder einmal muss man in die Klamottenkiste abgenutzter historischer Parolen greifen: Wehret den Anfängen!
    Gegen die „Plochokratie“ von rechts sowieso und seit geraumer Zeit leider auch von links!

  3. Und seit heute ist klar: Es gab keine „Drohungen“. Der Veranstalter hat dies mittlerweile klargestellt. Vielleicht sollten so einige im Feuilleton hier und da erst mal die Fakten abwarten, bevor heiße Luft aufgewirbelt wird. (Ist bei dem Wetter derzeit so oder so nicht gut.) Für Frau Eckhart aber sich eine gute Werbung.

  4. Ich denke Peter hat alles gesagt. Die Autorin auszuladen war die denkbar Falscheste und Schlechteste aller Möglichkeiten.
    Peter Lohmann

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