Veranstaltungen Weissbooks beim Bücherfrühstück der Büchergilde in Mainz

Zum fünften Bücherfrühstück hatte die Inhaberin der Buchhandlung Erlesenes & Büchergilde in Mainz, Silke Müller, am heutigen Sonntag den Verlag weissbooks aus Frankfurt eingeladen. Die Verleger Rainer Weiss und Anya Schutzbach plauderten nicht nur aus dem Nähkästchen und hatten viele schöne Bücher mitgebracht, sondern auch einen speziellen Gast.

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Silke Müller begrüßt die Gäste

 

„Als weissbooks 2008 die ersten Bücher herausbrachte, schaute man hin“, leitete Silke Müller die sehr gut besuchte Veranstaltung ein. Sie arbeitete damals noch in der Büchergilde-Buchhandlung in Frankfurt und verfolgte aufmerksam den 2007 gegründeten Verlag. „Wir fühlen uns bei der Büchergilde zu Hause“, antwortete Anya Schutzbach und verriet: „Zur Verlagsgründung und zur Herausgabe der ersten Bücher wird es 2018 ein kleines Jubiläumsprogramm geben.“ Wie das im Einzelnen aussieht, stehe aber noch nicht fest.

Als 2006 Rainer Weiss und 2007 Anya Schutzbach den Suhrkamp Verlag verließen, hatten beide eine Idee: Einen neuen Verlag auf die Beine zu stellen. „Gut, dass wird das zusammen gemacht haben – auch zu zweit ist das noch schwierig genug“, kommentierte Schutzbach. Verlegen kommt von vorlegen, und da sei „ein Batzen Geld“ im Vorfeld notwendig, von dem man nicht weiß, ob und wann etwas zurückkommt.

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Rainer Weiss, Anya Schutzbach

 

Kritiker hätten damals gesagt, dass es schon etwa 3000 belletristische Verlage im deutschsprachigen Raum gäbe. Müsse da noch ein weiterer gegründet werden? „Wir mussten also etwas machen, was es noch nicht gab. Und wir stießen auf den Schweizer Designer Fritz Gottschalk, der vorschlug, weiße, völlig unbedruckte Bände ins Regal zu stellen – ohne Titel, ohne Cover. Wir hatten Zweifel am Erfolg und fanden zu einem Kompromiss. Aus der von Gottschalk eingeräumten Acht-Punkt-Schrift wurde dann doch eine größere. Aber schwarze Schrift auf weißem Grund dominierte die ersten acht Bücher des Verlags“, erzählte Schutzbach. Die Buchhändler allerdings hatten ihre Probleme mit dem Design; es sei zu intellektuell.

„Das erste Buch war Die Zwillinge oder Vom Versuch, Geist und Geld zu küssen von Gisela Getty, Jutta Winkelmann und Jamal Tuschik, es erschien im Mai 2008“, fuhr Rainer Weiss fort. „Der Titel lief gut, wir verkauften 5000 Exemplare und eine Taschenbuch-Lizenz. Vielleicht wäre ja ein Bild von den beiden hübschen Frauen auf dem Cover noch verkaufsträchtiger gewesen – aber schließlich war unsere erste Entscheidung richtig.“

Wenn ein Verlag starte, lasse man sich auf Autoren ein – acht Jahre später, im November 2016, erschien bei weissbooks Mein Leben ohne mich von Jutta Winkelmann, der Zwillingsschwester von Gisela Getty. Das Cover hat sich völlig verändert, rote Schrift steht auf einer beinahe schwarzen Fotografie. Die erste Auflage ist bereits verkauft, die zweite wird ausgeliefert. „So ein Buch hat die Welt noch nicht gesehen“, schwärmte Weiss, „nach dem Erzählteil schließt sich ein von Jutta Winkelmann gezeichneter Comic an.“ Allerdings gehe es um das Thema Krebs, das sei schon „starker Tobak“. Schutzbach bemerkte: „Im ersten Buch wird das Leben gefeiert. Jutta Winkelmann sagte einmal, dass man während des Lebens das Sterben lernen müsse.“

Der Verlag wollte zu Beginn erzählende Sachbücher publizieren, keine wissenschaftlichen Abhandlungen, keine Ratgeber. „Obwohl – wenn mir Peter Handke mit einem Buch über Pilze gekommen wäre, hätte ich es gemacht“, scherzte Weiss.

Über 10.000 Exemplare verkaufte weissbooks von Die Geliebte des Gelatiere von Daniel Zahno (2009); erstmals war Farbe auf dem Cover. „Wir haben nicht nur eine Taschenbuch-Lizenz davon verkauft, sondern auch die Filmrechte“, erklärte Weiss. Allerdings bleibe offen, ob es je zur Verfilmung komme: der Schauplatz solle von Venedig nach Recklinghausen verlegt werden …

„Aber die Farbe verfehlte ihre Wirkung nicht. Kunden fragten nach dem Buch mit den „Gela-Tieren und dem Eishörnchen“, plauderte Schutzbach. „Wir können vor Anekdoten platzen“, ergänzte Weiss. Und verwies zum Thema Farbe auf Michael Köhlmeier, der äußerte, dass die Erinnerung an Bücher visuell sei und viel mit Farben zu tun habe. „Der hat uns damit ein Lichtlein aufgesteckt“, gestand Weiss.

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Bücher von weissbooks

 

110 Bücher sind inzwischen bei weissbooks erschienen. „Und es gibt das erste über Print on Demand nachgedruckte Buch: Die Geliebte des Gelatiere als Broschur – eine gute Alternative zum E-Book“, erzählte Schutzbach.

Neu entwickelte der Verlag das Kleinformat im Halbleinen-Cover. Zudem gibt es eine limitierte Edition Haiku bei weissbooks in Zusammenarbeit mit Ralph Günther Mohnau und der Alpha Presse. Mohnau war ebenso anwesend wie der Autor Dieter David Seuthe – beide veröffentlichten mehrere Bücher bei weissbooks.

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Limitierte, handgebundene und auf unterschiedlichen Papieren gedruckte Edition Haiku

 

Als special guest erfreute Poetry-Slammer Jey Jey Glünderling das Publikum und brachte es mit seinen witzigen, zum Teil absurden und skurrilen Vorträgen zum Lachen. Noch ist nichts von ihm zwischen zwei Buchdeckeln bei weissbooks verlegt. Nach Meinung der Buchhändlerin und der Gäste sollte sich das bald ändern.

JF

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Jey Jey Glünderling

 

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Und Frühstück gab es natürlich auch

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