Thomas Montasser über sein Buch "Sommer aller Sommer" (Thiele) „Ich wollte einfach eine Geschichte schreiben, nach deren Lektüre man ein bisschen glücklicher ist als vorher“

Thomas Montasser (c) R. Williams Neben einigen Romanen hat er u.a. auch Kinder- und Jugendbücher veröffentlicht (z.B. „Peer vom Meer“ und „Monsterhotel“). Seine Bücher sind in alle Weltsprachen übersetzt. Unter Pseudonym hat er auch Krimis und Thriller geschrieben

Im März neu bei Thiele verspricht uns Thomas Montasser, Agent und Autor, mit seinem neuen Roman den „Sommer aller Sommer“. Romantisch-leichte Unterhaltung oder hintersinnig-philosophische Pflichtlektüre? Buchmarkt sprach mit dem Tausendsassa.

Buchmarkt: Thomas Montasser, „Der Sommer aller Sommer“ heißt Ihr neuer Roman. Versprechen Sie uns da nicht ein bisschen viel?

Thomas Montasser: Das hoffe ich nicht! Man hört ja sogar, dass Leute wie Karl Lauterbach versprechen, dass der kommende Sommer großartig würde. Aber im Ernst: „Der Sommer aller Sommer“ ist ein Roman, der – wenn auch nur in homöopathischen Dosen – in dieser Geschichte vorkommt und deshalb auch meinem Roman den Namen gegeben hat. Da ist auf jeden Fall ein Augenzwinkern dabei. Ich will hier nicht spoilern, wer die Urheberin des Romans im Roman ist. Aber ein wenig Selbstironie war wohl im Spiel. Oder nennen Sie es: Selbsterkenntnis.

Das Motiv vom Buch im Buch kennt man von Ihnen. Was ist diesmal neu?

Fangen wir vorne an: Es beginnt ganz profan damit, dass ein junger Ingenieur in einer italienischen Kleinstadt einen Rhombenkuboktaeder zeichnet …

Einen was bitte?

Das kennen Sie nicht? Scherz beiseite, ich wusste auch nicht, dass es so heißt. Es handelt sich um etwas wie die Quadratur des Kreises, ein Objekt, das aus Dreiecken und Vierecken besteht und in der Summe etwas ergibt, was ungefähr einer Kugel entspricht. Leonardo hat solche Objekte entworfen. Aber was, und das ist die Frage, die am Anfang dieses Romans stand, würde passieren, wenn wir eines Tages ein solches Objekt entdecken? Was, wenn es die Jahrhunderte überdauert hätte und unvermittelt in der Spielzeugkiste einer alten Familie in der Nähe von Perugia auftaucht?

Was würde denn passieren?

Ich bin einigermaßen sicher, es käme für die kleine Gemeinde, in der sich das ereignet, einem Urknall gleich. Plötzlich wüssten alle genau, was mit dem Ding zu geschehen hätte. Natürlich muss die Welt benachrichtigt werden. Die Lokalpolitik sieht das verschlafene Nest schon als neuen Hotspot des Tourismus. Ein Museum muss natürlich her. Und inmitten all des Wahnsinns versucht jede und jeder im Taumel der Ereignisse sein eigenes Leben zu leben und seine eigene Rolle zu finden. Und natürlich die Liebe.

Ein Roman über die Liebe also?

Klar. Sehr romantisch, sehr unernst, ein bisschen melancholisch, aber auch komisch und hoffentlich berührend. Dass dabei für alle Beteiligten irgendwie der „Sommer aller Sommer“ herauskommt, versteht sich. Dass das nicht ohne vielerlei Irrungen und Wirrungen geschieht, erst recht.

Aber wie realistisch ist das denn, dass heute noch irgendwo ein echter, unbekannter Leonardo auftaucht?

Das kann doch immer passieren, oder? Ist nicht kürzlich erst ein bisher völlig unbekanntes und von niemandem vermisstes Stück von Mozart aufgetaucht? Einige ahnten wohl, dass es das gibt, aber keiner hatte es je gesehen oder gehört. Dass Leonardo ein großer Konstrukteur war, ist bekannt. Dass er in Anghiari war – dem Städtchen, in dem mein Roman spielt – ebenfalls. Dass er an der Quadratur des Kreises gearbeitet hat, ist verbrieft … Und dass in Italien mehr Renaissance erhalten ist als irgendwo sonst auf der Welt, liegt auf der Hand.

Also doch ein tiefsinniges Stück Literatur hinter der fröhlichen Fassade?

Wenn Sie die Fassade zurücknehmen, schenke ich Ihnen den Tiefsinn. Ich wollte einfach eine Geschichte schreiben, nach deren Lektüre man ein bisschen glücklicher ist als vorher und ein bisschen mehr für möglich hält, als es den gewöhnlichen Erfahrungen entspricht. Das wäre übrigens ein gutes Rezept, damit der kommende Sommer für uns alle zumindest dem „Sommer aller Sommer“ nahekommt! Denn nach diesem Winter haben wir ihn uns alle redlich verdient. Vielleicht gehen wir auch ein klein wenig aufmerksamer durch die Welt und erlauben uns, das ein oder andere Wunder Wahrheit werden zu lassen.

 

 

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