Christian F. Hirsch alias Ferdinand Schwanenburg über sein Buch "Machtergreifung" (Europaverlag) „Es ist alles Fiktion, die allerdings durchaus gruselige Realität werden könnte, wenn wir nicht aufpassen“

Christian F. Hirsch: „Mir ging es vor allen Dingen darum, zu schildern, wie im Deutschland von heute eine rechtsextreme Partei an die Regierung kommen könnte. Und was danach passieren kann“

Mit seinem Politthriller „Machtergreifung“ (Europa Verlag) will Christian F. Hirsch alias Ferdinand Schwanenburg „genau jetzt vor der AfD warnen“. Die Gefahr, die von der Partei ausgeht, habe er als früherer Mitarbeiter der AfD selbst hautnah miterlebt und früh erkannt. Anlass für Fragen:

BuchMarkt: Worum geht es in Ihrem Politthriller „Machtergreifung“?

Christian F. Hirsch: Es geht darum, wie Rechtsextremisten die anfänglich bürgerliche „Deutschlandpartei“ unterwandern, um in unserem Land wieder einen Führerstaat zu errichten. Das Ganze verpackt als Groteske, in der Macht, Intrigen, Sex und auch Mord nicht zu kurz kommen. Es ist aber alles Fiktion, allerdings eine Fiktion, die durchaus gruselige Realität werden könnte, wenn wir nicht aufpassen.

Die „Deutschlandpartei“ im Roman ähnelt ein wenig der AfD. Ist das Buch ein Schlüsselroman?

Der Roman spielt auch ein bisschen mit der Lust der Leser mitzuraten, welche Figur sie aus den Fernseh-Talkshows kennen. Aber das ganze Buch ist eher ein politisches und historisches Vexierbild. Wer den Roman nur oberflächlich als Schlüsselroman liest, beraubt sich des tiefergehenden Vergnügens, die vielen historischen und politischen Anspielungen zu entdecken und sie zu entschlüsseln.

Die Figuren stellen also keine Personen der Wirklichkeit dar?

Es sind Idealtypen im Sinne Max Webers. Es gibt den bürgerlichen Opportunisten, die postengeile Akademikerin, den Nextdoor-Nazi, den organisationsstarken Mechaniker der Macht. Mir ging es vor allen Dingen darum, zu schildern, wie im Deutschland von heute eine rechtsextreme Partei an die Regierung kommen könnte. Und was danach passieren kann.

Sie veröffentlichen hier unter einem Pseudonym, wieso?

Die Inhalte sollten erst unabhängig vom Autor diskutiert werden. Ich habe mein Pseudonym jetzt aber gelüftet, damit die Leser sehen, dass hinter dem Roman auch ein realer Mensch mit realen Erlebnissen steht. Außerdem gibt uns allen Artikel 5 des Grundgesetzes das Recht, unsere Meinung frei zu äußern und zu verbreiten. Das heißt für mich aber auch, dass ich mit meinem Namen zu meinen Äußerungen offen stehen muss. Das ist für mich gelebte Demokratie.

Am 27.7.2021 im korrespondenten.café in Berlin stellte der Autor Christian F. Hirsch (mittig) erstmals unter seinem Klarnamen seine Publikation vor. Links im Bild: Vorsitzender Korrespondenten-Büro Ewald König, rechts im Bild zu sehen ist Europa-Verleger Christian Strasser

In einer Rezension hieß es: „Anonymer Autor will vor der AfD warnen?“ – Ist das Ihr Hauptanliegen?

Genau das hatte ich im Sinn, als ich den Roman schrieb. Ich möchte genau jetzt vor der Bundestagswahl vor der AfD warnen. Ich war zwei Jahre lang Mitarbeiter verschiedener AfD-Fraktionen und habe dabei hautnah erlebt, wie gefährlich diese Partei wirklich ist.

Warum wollten Sie aus diesem brisanten und heiklen Stoff überhaupt ein Buch machen?

Viele Menschen im AfD-Milieu sehnen sich nach einem starken Führer. Nicht wenige Funktionäre träumen davon, eine neue Diktatur errichten zu wollen. Und sie sprechen auch ganz offen darüber. Die AfD trägt ein Gen zum Systemumsturz in sich. Wir müssen alle gehörig aufpassen, dass so etwas wie 1933 in unserem Land nicht wieder passiert.

Was war Ihnen beim Erzählen besonders wichtig?

Eine der ersten Rezensentinnen hat geschrieben, dass sie manchmal nicht wusste, ob sie lachen oder sich gruseln sollte, als sie den Roman las. Das war mein Ziel. Ich wollte eine ernsthafte Botschaft in Humor verpacken, doch nie davon ablenken, dass es bei dem Thema auch immer um die Abschaffung der Demokratie und um eine gefährliche Bedrohung für unsere freiheitlichen Lebensweise geht. Deshalb war mir der Gruseleffekt wichtig.

An wen richtet sich das Buch?

Beim Schreiben hatte ich vor allem eine Zielgruppe im Kopf. Menschen, die daran denken, die AfD zu wählen, weil für sie die anderen Parteien zu unattraktiv geworden sind, die aber noch nicht zu hundert Prozent überzeugt sind. Ich hoffe, dass ich sie mit dem Roman überzeugen kann, die AfD nicht zu wählen. Aber natürlich wird sich auch jeder Leser angesprochen fühlen, der sich für die Machtmechanik in der Politik und für deutsche Geschichte interessiert.

Drei Wörter, die das Buch ideal beschreiben?

Groteske, Humor und vor allem auch Geschichte. Viel deutsche Geschichte in Romanform.

Und der Buchhändler, mit welchem Argument kann der das Buch ideal verkaufen?

Wer wissen will, wie leicht es auch im Deutschland des 21. Jahrhunderts sein kann, dass eine rechtsextremistische Partei an die Macht kommt und wieder einen Führerstaat errichtet, der sollte den Roman „Machtergreifung“ lesen.

 

 

 

 

 

 

Kommentare (1)
  1. Unser Land ist heute so wie es ist wegen den Fehlern von CDU/CSU/SPD/Grüne/Linke, in keinster Weise wegen den Pfeifen von der AfD. All das, worüber die AfD schwafelt setzen eh die anderen Parteien bereits durch. Polizeiaufgabengesetze? Check. Aussetzung der Freiheitlich Demokratischen Grundordnung? Check. Grundgesetzwidrige Beteiligung an Angriffskriegen (Syrien, Irak, Afghanistan, etc. – verklausuliert als irgendwas mit „humanitär“) Check. Verkrüppeln des Katastrophenschutzes und ignorieren von Warnungen? Check. Aufrüstung? Check. Rekordanstieg der Armut? Check. Die Liste ginge lange weiter. Wofür bräuchten wir die AfD, wenn auch die anderen Parteien uns problemlos an die Wand fahren? Auschließlich als offiziellen Sündenbock für die Fehler der „Mitte“. Darauf eine Prise Symbolpolitik, irgendwas nettes mit „gender“ oder „Divers“ oder „Hilfe“, danach wieder FrontexTruppen mit Regenbogenflagge, die Flüchtlinge zurück ins Meer drängen und Aufrüstung, Waffenexporte in Krisengebiete, Billigung von Angriffskriegen der „Guten“ (USA, SaudiArabien in Jemen, etc.), Dronenmorde, Verkrüppelte Säuglinge dank Uranmunition, Abwerben von medizinischem Personal im Ausland, (etc.etc.)

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