Gabriele Klempert über 25 Jahre Kunstbuchanzeiger: „Ein wesentlicher kulturpolitischer Beitrag zur Verbreitung von Büchern zur Kunst“

Gabriele Klempert: Die gelernte Chemielaborantin ist seit 1984 mit dem Verleger und Lebensgefährten Hans-Curt Köster im Langewiesche Verlag tätig. Zuletzt erschien ihr Buch (mit Hans-Curt Köster): Die Evangelisch-lutherische Kirche in Rostock-Warnemünde (2021).

1996 ist der erste Kunstbuchanzeiger – damals noch als echte Zeitung gedruckt – herausgegeben worden. Das Ziel war es, die kunstinteressierten Leser über alle Bücher zur Kunst zu informieren. „Wir stellen auf Kunstbuchanzeiger.de seit nunmehr 25 Jahren unseren 2000 täglichen Leser*innen Neuerscheinungen und zahlreiche Rezensionen fachkundiger Expert*innen rund um die Kunst vor. Uns, meinem Partner Hans-Curt Köster und mir, ging es stets darum, den Sortimentsbuchhandel besser zu versorgen“ , sagt Herausgeberin Gabriele Klempert. Anlass für Fragen:

BuchMarkt: Wie sind Sie auf die Idee des Kunstbuchanzeigers gekommen?

Gabriele Klempert: Bis in die 1990er Jahre gab es für den Buchhandel eine prächtige, farbige DIN A4 Werbe-Broschüre mit dem Titel „KunstBuchKunst“, in der zumeist größere Kunstbuchverlage Anzeigen für ihre Neuerscheinungen schalteten. Diese Anzeigen hatten allerdings auch ihren Preis, was für kleinere Verlage – auch für meinen Langewiesche Verlag – oft zu teuer war. Das erzeugte bei den Treffen der Kunstbuchverleger, die vom Börsenverein veranstaltet wurden, zunehmend Ärger, weil sich die kleineren Verlage nicht vertreten sahen.

Außerdem litt in diesen Jahren der Kunstbuchmarkt und damit die kleineren Verlage besonders unter dem Vormarsch des modernen Antiquariats, sodass der Vertrieb durch den Sortiments-Buchhandel immer schwieriger wurde. Heute führen nur noch wenige Buchhandlungen in nennenswertem Umfang Bücher zur Kunst.

Was wollten Sie verbessern?

Nachdem meine Anregung, die Broschüre „Kunstbuchkunst“ auch für kleinere Verlage zu öffnen misslang, ersann ich ein neues Medium, den kunstbuchanzeiger (KbA), der sämtliche Neuerscheinungen rund um die Kunst berücksichtigte, und sei es nur in knappen bibliographischen Angaben, aber schön in übersichtlichen Rubriken, sodass die Leser ihr Spezialgebiet leicht finden konnten. Immerhin waren das im Monat rund 400 Titel, die ich bis heute aus dem Verzeichnis lieferbarer Bücher, dem VlB, recherchiere. Der KbA erfasst nach Epochen in einer breitgefächerten Systematik Bücher zur Bildenden Kunst, zu Architektur, Design, Fotografie, Denkmalpflege, Archäologie und Reisezielen, sowie Kinder- und Lehrbücher. Mein Lebensgefährte und Verleger Hans-Curt Köster hat dazu, mit Sortimenter-Erfahrung bei der berühmten Buchhandlung Camilla Speth in Berlin, eine den Sortimenter unterstützende Systematik entwickelt.

Zu den monatlich erscheinenden Titel-Listen kommen noch Rezensionen hinzu, die mir ausgewiesene Fachleute schreiben. Einige sind schon viele Jahre dabei und haben in der Kunstszene bereits Karriere gemacht.

Wer sind Ihre Leser, gibt es Konkurrenz?

Wer meine Leser sind, kann ich so genau nicht sagen, aber immerhin sind es laut Provider-Auskunft rund 2000 täglich. Darunter sind auch, was ich nur aus Rückmeldungen des Newsletters interpretieren kann, Verleger, städtische Bibliotheken, Institute wie z. B. Goethe-Institute, einige Privatleute, die eine automatische Rückmeldung ihre E-Mai-Adressen installiert haben. Leider funktioniert meine Newsletteranfrage im kunstbuchanzeiger nicht mehr. Da muss ich was tun, aber meine IT-Kenntnisse sind so schwach, dass ich das nicht selber korrigieren bzw. neu einrichten kann. Da bleibe ich dran…

Viele Leser bestellen ihre Bücher auch direkt auf der Homepage ihrer Lieblingsverlage. Die Welt wird halt immer digitaler!

Eine Konkurrenz gibt es eigentlich nicht, wenigstens keine, mit einer kompletten Titel-Liste aller Neuerscheinungen. Die „Kunstzeitung“ und das „Belser Kunstquartal“ berichten soviel ich weiß größtenteils über Ausstellungen und andere Kunstevents, wobei hin und wieder auch Bücher vorgestellt werden.

Welche Fachgebiete zur Kunst sind im Kunstbuchanzeiger vertreten?

Halt alle, die das VlB zu bieten hat. Allerdings hat sich das Angebot sehr verändert, es gibt kaum noch Bücher, die allein im Sortimentshandel eine Chance haben. Amazon ignoriere ich gern, da Amazon den heimischen Buchhändler um die Ecke kaputt macht.

Aber zurück zur Themenauswahl. Es gibt unendlich viele Künstlermonographien, Ausstellungskataloge und wissenschaftliche Bücher. Letztere oft durchaus mit spannendem Inhalt allgemeiner Art. Soviel mir aber bekannt ist, erscheinen diese in sehr kleinen Auflagen und landen bestimmt nicht beim Sortimenter um die Ecke, geschweige denn, beim interessierten Laien. Sie erleiden ein stilles Leben in Fachbibliotheken oder bei Fachleuten.

Darüber hinaus gibt es auch Titel, die bei Book on Demand erscheinen, oder ihren Ursprung in kommunalen Institutionen haben.

Wie finanzieren Sie den Kunstbuchanzeiger?

Im Oktober 1996 erschien der erste „Kunstbuchanzeiger“ noch als kostenloses Printmedium im Zeitungsformat, das ich Museen und einigen, leider wenigen Buchhandlungen zukommen ließ und das sich aus Anzeigen finanzieren sollte. Das gelang allerdings nicht sonderlich gut, sodass ich 2001 auf das Internet wechselte. Die Website www.kunstbuchanzeiger.de gestaltete damals in grandioser Handarbeit mein Sohn und einige Verlage blieben mir auch im Internet mit einem Abonnement treu. Deren Titel erscheinen zusätzlich mit einer Coverabbildung, einem Begleittext und einem Link auf ihre Homepage. Alle anderen Verlage bleiben anonym, deren Titel erscheinen ohne Verlagsnamen nur mit einer ISBN.

Inzwischen haben sich im Internetportal www.kunstbuchanzeiger.de über 2100 Rezensionen angesammelt und rund 2000 Leser suchen dieses Angebot täglich auf.

Und wie sieht die Zukunft aus?

Eine gute Frage!

So viel Freude ich an dieser Arbeit bis heute erlebt habe, so wenig weiß ich, ob jemand irgendwann diese Tätigkeit übernehmen möchte, ich bin schließlich nicht mehr die jüngste. Ich denke auch, dass ein begabter „Werbemensch“ die Einnahmen, z. B. mit Anzeigen aus der Tourismusbranche, von Museen und Kulturveranstaltungen finanziell erfolgreicher gestalten könnte, dazu müsste die Website allerdings aufgefrischt werden. Meine Arbeit und die der Rezensenten erfolgt zu 90% ehrenamtlich, d.h. der Erlös ist bislang höchst bescheiden.

Es wäre – so glaube ich eitel – ein Jammer für meine Leser, wenn der kunstbuchanzeiger.de ein Ende finden müsste. Immerhin scheint er mir ein wesentlicher kulturpolitischer Beitrag zur Verbreitung von Büchern zur Kunst zu sein.

 

 

 

 

 

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