Das Gespräch zum Wochenende Fatma Aydemir: „Migration und Identität sind Themen mit denen ich mich beschäftige, seit ich denken kann!“

Fatma Aydemir lebt in Berlin und ist Redakteurin der taz. Als freie Autorin schreibt sie außerdem für diverse Zeitschriften, unter anderem für Spex und das Missy Magazine. Am 30. Januar erscheint nun ihr Debütroman Ellbogen bei Hanser, der von einer jungen Frau erzählt, die auf ihrer Suche nach Heimat fatale Fehler begeht. Warmherzig und wild erzählt Fatma Aydemir von den vielen Menschen, die zwischen den Kulturen und Nationen leben, und von ihrer Suche nach einem Platz in der Welt. Dies war Anlass für Fragen an die Autorin.

BuchMarkt: Frau Aydemir, worum geht es in dem Buch?

© Bradley Secker
Fatma Aydemir © Bradley Secker

Fatma Aydemir: Ich finde: Um ganz schön viel. Nämlich um die Art, wie wir leben wollen – und wessen Leben eigentlich in einem Roman erzählt werden kann, und wessen nicht. Ich erzähle von einer jungen Deutschtürkin aus Berlin namens Hazal, die achtzehn wird, und wütend auf das Leben ist, weil sie keine Zukunftsperspektiven für sich erkennen kann. Für viele mag sie wie eine Loserin wirken, jemand, von dem viele Debatten erzählen, der aber fast nie selbst zu Wort kommt. Hazal findet keinen anständigen Job, ist verliebt in jemanden, der sehr weit weg lebt, und hat ein sehr angespanntes Verhältnis zu ihren Eltern. Dann passiert ihr etwas, das sie plötzlich in die Flucht vor der deutschen Polizei treibt. Sie landet in Istanbul, wo sie glaubt, von Null anfangen und ein selbstbestimmtes Leben führen zu können.

Ein spannendes Thema, wie kamen Sie dazu?

Migration und Identität sind Themen mit denen ich mich beschäftige, seit ich denken kann. Und zwar, weil ich selbst weiß, wie schwer es ist, immer auf der Suche nach einer Zugehörigkeit zu sein. Auf der anderen Seite hat mich das Alter schon immer fasziniert, in dem sich Hazal befindet. Man verknüpft so viele Erwartungen mit der Volljährigkeit, aber es variiert von Fall zu Fall, ob sich tatsächlich etwas ändert, wenn man achtzehn ist. Bei Hazal sieht es zu Beginn nicht so aus, als würde die Volljährigkeit etwas für sie ändern.

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Welche Leserschaft soll angesprochen werden?

Ich hatte eigentlich keine bestimmte Zielgruppe im Kopf, als ich den Roman geschrieben habe.  Ich hoffe, dass ich es schaffe, sehr viele unterschiedliche LeserInnen anzusprechen. Das ist auch ein Grund, weshalb die Sprache des Romans sehr zugänglich und klar ist. Ich wollte keine Barrieren schaffen für Menschen, die es nicht gewohnt sind, sehr viel zu lesen.

Und der Buchhändler? Mit welchem Argument kann der das am besten verkaufen?

Diese Frage kann ich selber schwer beantworten. Aber mein Verlag sagt, dass der Roman eine Geschichte erzählt, die man so noch nicht gehört hat. Und dass er Lebenswelten greifbar macht, die vielen Leser*innen vorher sehr rätselhaft erschienen. Das ehrt mich natürlich sehr.

In der letzten Woche sprachen wir mit Moa Graven über ihre vier unterschiedlichen Krimi-Reihen (Selbstverlag)

 

 

Kommentare (2)
  1. Hallo Frau Aydimir habe sie im TV-Sender gesehen bin beeindruckt von ihnen tolle lebensleistung Grüsse aus

    Duisburg

  2. Sehr geehrte Frau Aydimir,
    Sie sind der Ansicht, die Flüchtlinge aus Ostdeutschland nach Westdeutschland hatten es nicht so schwer. Das stimmt ganz und gar nicht. Ich selbst bin 1952 mit meiner Familie geflüchtet. Wir haben die Hölle erlebt und keine Willkommenskultur. Sie sollten sich einmal genau informieren. Außerdem mussten wir uns anpassen und nicht umgekehrt! Auch ich könnte ein Buch schreiben. Also immer schön auf dem Teppich bleiben!!!

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