Wie hat sein damals marktführender Ratgeber Verlag funktioniert? Frank Sicker (85)

Frank Sicker, der frühere Verleger des einst marktführenden Ratgeber Verlages FALKEN , wird heute 85 Jahre alt. Markus Klose gratuliert dem Mann, dem er (damals noch in Niedernhausen) neun Jahre zunächst als Außendienstler und dann als Vertriebler im Innendienst verbunden war und der ihn sichtlich geprägt hat: 

Frank Sicker: „Wenn Frank Sicker überzeugt war von etwas, dann geschah es, immer sofort, immer kreativ, aber doch nie hektisch oder gar chaotisch“

Frank Sicker führte den Verlag auf seine ganz eigene Weise. Es war sein Laden, nur von ihm wurden die wesentlichen Entscheidungen getroffen. Das war und blieb immer klar.

Doch diese Klarheit, die nicht wenigen Verlegerinnen und Verlegern eigen ist, ging nicht einher mit einer autoritären und dominanten Unternehmenskultur. Der Verlag sollte modern denken, den Markt genau beobachten, schnell und, heutzutage würde man wohl sagen, agil agieren und innovativ und mutig Dinge wagen statt abzuwarten.

Wenn Frank Sicker überzeugt war von etwas, dann geschah es, immer sofort, immer kreativ, aber doch nie hektisch oder gar chaotisch.

Ich erinnere mich gut an eine Runde, in der man neue Programmvorschläge diskutierte. Ich hatte damals den Eindruck, dass es zu wenig Bücher zur Popmusik gab und schlug ein erstes zu einer damals sehr erfolgreichen Band vor. Der Verleger kannte die Band nicht, er wolle sich erkundigen, nächste Woche solle das neu besprochen werden. In der Woche darauf wusste er alles über die Band (auch wenn er die Musik grässlich fand), die Idee fände er gut, aber, in seinem Ratgeberverlag gäbe es dafür kein programmatisches Umfeld, daher könne er sich nicht dafür erwärmen. Kurz darauf erschien bei einem Taschenbuchverlag die erste Biografie über genau diese Band, das Buch war ein sehr großer Erfolg, erreichte schnell sechsstellige Verkäufe und Bestseller Platzierungen. Ich, nun noch mehr überzeugt von meiner Idee, besorgte einige Exemplare davon und legte sie vor der nächsten Programmrunde auf den Besprechungstisch. Frank Sicker kam als erster in den Raum, blätterte hinein, ich berichtete von dem Erfolg. Daraufhin sagte er: „Okay, das war mein Fehler, wird korrigiert, wir machen jetzt auch eines.“ Dieses kam dann sehr schnell auf den Markt es war erst das zweite zu der Band und wurde ein veritabler Seller, der dem Verleger so gut gefiel, dass sich daraus eine ganze Reihe popmusikalischer Darstellungen entwickelte.

Für mich war das als junger Mensch eine besondere Erfahrung. Hier wurde zugehört, entschieden und, wenn nötig, auch umentschieden. Frank Sicker hatte keine Allüren, keine Ansprüche an eine besondere Wahrnehmung seiner Person: Er wollte gemeinsam mit uns so erfolgreich wie möglich sein. Er war aufmerksam, neugierig und offen für Neues. Seine Frau, die im Verlag als auch Autorin unter dem Namen Elke Fuhrmann viele bestverkäufliche Ratgeber schrieb, war präsent, auch seine Kinder nahmen am Verlagsleben teil, so dass der Verlag den Spagat zwischen Familienunternehmen und professionellem Marktführer elegant und kraftvoll hinbekam. Die erste vierfarbige Kochbuchreihe im Markt erschien, der heutzutage immer noch hocherfolgreiche MA-Verlag Bassermann (die Marke lag im Schrank, die Bassermannsche Verlagsanstalt war der Original-Verlag von Wilhelm Busch gewesen, nun wurde sie von Preisleistungen und Re-Editionen neu belebt) wurde gegründet, die Konditionen für den Handel waren großzügig und transparent, die zielführende Zusammenarbeit mit dem, was wir heute Multimarkt kennen, stand immer im Zentrum, Weiterbildungen und Coachings für alle waren selbstverständlich und führten zu einer außergewöhnlich guten Atmosphäre im Haus.

Und thematisch… Da war alles möglich und nichts ausgeschlossen. Liebe machen, Hundenamen vergeben, Aquarien pflegen, Briefe schreiben, Karnevalsreden halten, Cocktails mixen, Makramee Eulen basteln, Reisevideos, Software, Rätsel lösen, Ostfriesenwitze, Karate: Wenn ein Thema auftauchte, war der Verlag da und der Verleger begeistert dabei. Jörg Schröder, der große Verleger des März Verlags, sagte einmal zu mir: „Wenn ich nicht so erfolgreich mit der Olympia Press gewesen wäre, hätte ich Ratgeber wie der Sicker gemacht.“ Ich fand das damals ein dickes Lob und war mächtig stolz auf meinen Verlag. Frank Sicker hatte einen ausgeprägt guten Instinkt für Themen, Märkte und auch Menschen. Er war, ganz fraglos, ein Vorbild.

Die Geschichte des Falken-Verlages ist bekannt, später wurde er an Bertelsmann verkauft, nicht sehr lange weiter betrieben, Jahre später noch einmal wiederbelebt, auch da ohne Erfolg. Nun gibt es ihn nicht mehr, aber wer weiß, vielleicht bekommt er irgendwann einmal wieder seine Chance. Frank Sicker allerdings wird sich das dann sicher mit großer Gelassenheit vom berühmten 19. Loch seines Golfplatzes anschauen.

Lieber Herr Sicker. ich wünsche Ihnen und Ihrer Familie einen herrlichen Geburtstag und noch viele Runden unter Par! Meine  Zeit im Falken Verlag war meine  große Chance, für die ich heute noch dankbar bin.

Markus Klose

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