Das Sonntagsgespräch Jürgen Brandt über die neue Ausrichtung von ZS im Ratgebermarkt

Jürgen Brandt ist seit Oktober 2014 als Nachfolger von Friedrich-Karl Sandmann der Geschäftsführer des ZS Zabert Sandmann Verlags, der seither zu 100% zur Edel AG gehört. Der gelernte Hotelkaufmann und studierte Diplomkaufmann hat beim Jahreszeiten Verlag, bei Condé Nast, Burda und der Süddeutschen Zeitung vielfältige Erfahrungen in strategischer Produktentwicklung, Marketing und Verlagsleitung sammeln können.

Seine Ziele für den Verlag: „Die Nr. 1 in der Qualität und die Nr. 2 im Umsatz im Ratgebermarkt zu werden“:

Vor ein paar Jahren hätten wir Ihnen die Frage gestellt: Warum kaufen Menschen immer noch Ratgeberbücher? Jetzt kommt die zusätzliche Frage: Warum kaufen sie sogar immer mehr?

Jürgen Brandt

Jürgen Brandt: Da kommen mehrere Dinge zusammen. Zunächst gibt es immer wieder neue Erkenntnisse, Trends und Ideen aus allen Ecken der Welt, die bei uns landen. Die Deutschen reisen viel, sind offen für Neues. Dann hat sicherlich auch der Individualismus zugenommen, also der Anspruch, sein Leben selbst nach eigenen Vorstellungen zu gestalten. Gerade der klassische Markt des Buchhandels, die Gruppe der besser gebildeten und sozial gehobenen Menschen, lebt diese Entwicklung und ist auch bereit, für gute Anregungen und Informationen zu bezahlen, denn sie wissen Inspiration, Qualität und Sicherheit zu schätzen.

Ihr Verlag gehört zur Edel-Gruppe. Was ist das Interesse der in Hamburg residierenden Edel-Verlagsgruppe an ZS?

Edel ist eine wert- und wachstumsorientierte Unternehmensgruppe. Für uns lauten die Ziele: die Nr. 1 in der Qualität und die Nr. 2 im Umsatz im Ratgebermarkt zu werden.

Was ändert die vollständige Integration zu Edel für ZS?

Eine 100%-Beteiligung bedeutet keine Aufgabe der verlegerischen Eigenverantwortung. Wir üben am Standort München alle Verlagsfunktionen aus. Dabei nutzen wir die Möglichkeiten des Konzerns, wenn sie für ZS und die Gruppe von Vorteil sind, z. B. Kooperation in der Buchhaltung oder den Einsatz der hochqualifizierten Optimal-Druckerei in Röbel.

Sie haben sich in Ihrem ersten halben Jahr intensiv mit dem Programm, der Marke, Zielgruppen und Ihrer internen Aufstellung beschäftigt …

Fangen wir doch gleich mit den Mitarbeitern an. Mit dem neuen Team unter der Verlagsleiterin Christine Kluge sowie den Ressortleiterinnen Eva Hege (Food) und Kathrin Ullerich (Gesundheit, ab 1.7.) sind wir hervorragend aufgestellt. Wichtig ist dabei, dass wir uns als einheitliches Redaktions-Team verstehen – denn die Menschen, für die wir unsere Bücher machen, denken auch so integrativ. Deshalb entstehen bei uns auch Bücher wie Clean Your Life von Achim Sam, der Kochen, Essen und Detoxing mit körperlichen Übungen und grundsätzlichen Überlegungen zum Nahrungsmittelkonsum verbindet.

Was haben Sie vor?

Kochen bleibt unser wichtigstes Standbein. Gesundheit werden wir deutlich ausbauen. Weitere Felder werden geprüft. Die programmatischen Erweiterungen sind in unserer Vorschau Herbst 2015 erst ansatzweise zu erkennen, sichtbar sind bereits jetzt neue Autoren, neue Themen und vor allem das frische Erscheinungsbild, gestaltet von SEIDLDESIGN.

In Ihrer neuen Vorschau gibt es die Abteilungen „Lecker“ und „Fit“. Kann man der Botschafter von Sünde und Tugend zugleich sein?

Wir sind davon überzeugt, und unsere fachkundigen Autoren zeigen, wie jeder es schaffen kann, diese Punkte in seinem Leben nicht zu Gegensätzen werden zu lassen. Unser neuer Claim „jetzt leben!“ zeigt diesen Weg ebenfalls auf: spontaner Genuss trifft auf langfristige Achtsamkeit. ZS hat immer schon vereinzelt Gesundheitsbücher verlegt – wir werden das systematisch zu einer zweiten Säule des Verlags ausbauen. Dabei verstehen wir unter Gesundheit weit mehr als physische Fitness; das Innere, die Seele, ist ebenso einbezogen.

In Zukunft wird in der Regel jedes ZS-Buch auch als E-Book erscheinen, manches sogar als App. Ist das doch der erste Schritt zum Abschied vom gedruckten Buch?

Im Gegenteil, wir kennen die unersetzlichen Reize der Haptik, daher glauben wir an hervorragend gestaltete, aufwendig hergestellte und ausgestattete Bücher, geprägt durch begeisternde Autoren und die besten Fotografen. Mit E-Books erreichen wir zusätzlich Menschen, die nicht so oft zum Buch greifen. Apps können bei manchen Themen ergänzende Features liefern, die ein Buch vielleicht nicht bieten kann.

Haben Sie Vorbilder, an denen Sie sich orientieren?

Was die Buchgestaltung betrifft, setzt Phaidon Maßstäbe. In puncto Markenführung kann man von Condé Nast lernen.

Der Zabert Sandmann Verlag bezeichnete sich als „Verlag für Autorenexzellenz“. Wird ZS nun eher ein Konzept-Verlag?

Oh, das ist kein Widerspruch. Wir möchten das eine tun, ohne das andere zu lassen. Was neu ist, ist, dass wir mit unserer Redaktion aktiv Themen besetzen, von denen wir denken, dass sie von Relevanz sind. Idole wie Alfons Schuhbeck, Dietrich Grönemeyer, Hans-Wilhelm Müller-Wohlfarth oder Franziska Rubin sind und bleiben aber Autoren, die diesen Verlag geprägt haben und prägen. Jetzt kommt übrigens Charles Schumann dazu, dessen legendäres Bar-Buch vergriffen war und das wir nun wieder bringen. Und schauen Sie sich einen Autor wie Roland Trettl an – ein absoluter Star der Genusswelt. In seinen zehn Jahren als Küchenchef des Hangar-7 in Salzburg, das dem Red Bull-Inhaber Dietrich Mateschitz gehört, hat er die besten Köche der Welt besucht, zu sich eingeladen und dann (mit ihrer Erlaubnis) mit seinem Team deren Küche präsentiert. Nun zieht er ein gnadenlos offenes Resümee: Serviert, mit dem Untertitel „Die Wahrheit über die besten Köche der Welt“ wird ein Pflichtbuch für jeden Genussinteressierten.

Sie sind gelernter Hotelkaufmann, Sie haben an leitenden Stellen in Zeitschriftenverlagen gearbeitet. Seit wann beschäftigen Sie sich mit Kochbüchern?

Sie werden es kaum glauben, aber mein erstes Kochbuch war Kochen – die neue große Schule, das berühmte erste ZS-Buch mit dem roten Löffel, das vor über 30 Jahren einem damals angestaubten Genre neuen Schwung verschafft hat. Mit der gleichen Leidenschaft gehen wir heute an die Arbeit.

Die Fragen stellte Ulrich Störiko-Blume

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