Horst Eckert über seinen neuen Thriller „Das Jahr der Gier“ (Heyne) „Wirecard ist ein Lehrstück über menschliche Abgründe“

Bei Heyne erscheint am 8. März „Das Jahr der Gier“, der achtzehnte Thriller von Horst Eckert. Es ist der dritte Teil der Serie um das Ermittlerduo Melia Adan und Vincent Veih, und wieder wird es sehr politisch. Das war Anlass für unser heutges Autorengespräch.

Horst Eckert: „Ich liebe es, auf Tour zu gehen. Das ist mir nach den Lockdowns noch bewusster geworden. Mit Das Jahr der Gier bin ich bundesweit zu knapp dreißig Lesungen eingeladen und hoffe, dass es noch mehr werden“

 

Zuerst meine Standardfrage: Worum geht es in Das Jahr der Gier?

Horst Eckert: Ein Journalist wird überfallen, seine Informantin ermordet. Die Spuren führen in das Umfeld eines Finanzkonzerns, wo viele finstere Figuren etwas zu verbergen haben.

Das erinnert an den größten Betrugsfall in der Geschichte der Bundesrepublik, an den Konzern Wirecard, der im Juni 2020 Insolvenz anmelden musste.

Damals fragte mich Deutschlandradio Kultur in einem Interview, wie ich als Autor das Thema angehen würde. Bis dahin hatte ich mich nicht sonderlich damit befasst, aber ein paar Ideen fielen mir ein. Wenige Stunden nach der Sendung erhielt ich dann eine Mail aus Singapur, es ging um den Kontakt zu einem Whistleblower. Der verlief zwar schließlich im Sand, aber mein Interesse war geweckt.

Über Wirecard wurde viel berichtet und demnächst wird Anklage gegen den früheren Vorstandsvorsitzenden erhoben. Ist damit die Geschichte nicht gegessen?

Ganz und gar nicht, dazu ist sie einfach zu groß. Es gibt schillernde Details, die es wert sind, erzählt zu werden. Es gibt internationale Schauplätze. Und so viele offene Fragen, die ich auf meine Art – mit der Fantasie eines Thrillerautors – beantworten will. Wirecard ist ein Lehrstück über menschliche Abgründe, über die Gier und über Verstrickungen von Verbrechen und Politik.

Es heißt, Ihre Romane nehmen manchmal Entwicklungen vorweg, die später wirklich eintreffen. Gibt es das auch in Das Jahr der Gier?

Ich habe „Pegasus“ eingebaut. Das ist die beste Spionagesoftware, die es derzeit auf dem Markt gibt. Eine israelische Firma hat sie entwickelt, und zu ihren Kunden gehören vor allem Diktaturen. Es hieß stets, in Deutschland verbiete die Verfassung den Einsatz. Trotzdem habe ich dem Bundesnachrichtendienst angedichtet, mit Hilfe von „Pegasus“ kritische Journalisten zu überwachen. Vor wenigen Wochen hat die Regierung eingestanden, dass deutsche Sicherheitsbehörden tatsächlich damit arbeiten. Angeblich mit einer abgespeckten, verfassungskonformen Version. Und auch der Schluss des Romans könnte sich bewahrheiten. Aber den verrate ich hier nicht.

Was zu meiner zweiten Standardfrage führt: Wem könnte man dieses Buch mit welchem Argument am besten verkaufen?

Wer spannende Unterhaltung sucht, die sich mit unserem Hier und Heute auseinandersetzt, kommt nicht darum herum. Man muss zu keiner speziellen Zielgruppe gehören und sich nicht einmal besonders für Wirecard interessieren.

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Das Jahr der Gier ist Ihr dritter Roman bei Heyne und zum dritten Mal wurde die Leipziger Buchmesse, auf der Sie ihn vorstellen wollten, abgesagt. Wie empfinden Sie das?

Ehrlich gesagt, nicht mehr ganz so schrecklich wie bei den anderen beiden Malen. Aber ich will mich nicht daran gewöhnen. Ich liebe Leipzig, die Stadt und vor allem das tolle Leseprogramm.

Wie verarbeiten Sie die Pandemie? Planen Sie einen Corona-Thriller?

Gute Thriller über tödliche Seuchen gibt es längst, da muss ich keinen hinzufügen. Aber das Phänomen der Querdenker interessiert mich. Wer unser Land als Diktatur bezeichnet, hält in Wirklichkeit nichts von Demokratie. Da entsteht eine neue Form von Pegida. 

Corona als Inspirationsquell?

Zu Beginn war das gar nicht so. Jeder Lockdown hat mich gelähmt. Zuzusehen, wie alle Lesungen wegbrachen, war schrecklich. Zum Glück konnte ich alle Arbeitsrückstände gut aufholen und dann doch die jeweilige Deadline einhalten.

Apropos Lesungen – wie sieht es da bei Ihnen aus?

Es läuft wieder an! Und das ist auch sehr wichtig. Die Live-Begegnung mit dem Publikum ist durch nichts zu ersetzen, trotz aller Technik, und ein Restaurantbesuch ist viel gefährlicher. Ich liebe es, auf Tour zu gehen. Das ist mir nach den Lockdowns noch bewusster geworden. Mit „Das Jahr der Gier“ bin ich bundesweit zu knapp dreißig Lesungen eingeladen und hoffe, dass es noch mehr werden.

Die Fragen stellte Christian von Zittwitz.

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