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DVA und dtv nehmen Abstand von Hochhuth

Die Deutsche Verlagsanstalt (DVA) hat auf die Veröffentlichung autobiographischer Schriften Rolf Hochhuths anlässlich seines 75. Geburtstages im kommenden Jahr verzichtet, ebenso der Deutsche Taschenbuchverlag (dtv) anlässlich des gleichen Termins auf einen von Gert Ueding herauszugebenden „Hochhuth-Reader“.

Grund dieser Programm-Entscheidungen: Hochhuths Interview in der Jungen Freiheit, in dem er gesagt hatte, der britische Historiker David Irving sei gewiss kein Holocaust-Leugner. Es gebe jüdische Autoren in den Verlagen, auf die Rücksicht zu nehmen sei.

Hochhuth hat sich sowohl für sein Interview in der (was ihm nicht gewärtig war) rechtslastigen Zeitung „Junge Freiheit“ wie für seine Aussage über David Irving (über dessen Entwicklung in den jüngsten Jahren er nicht Bescheid gewusst hat) entschuldigt. Wirklich zu spät für die genannten Verlage, ihren Rücktritt von den Plänen und Verträgen rückgängig zu machen?

Bei Felicitas von Lovenberg – siehe das heutige Feuilleton der FAZ – stößt das Verhalten der deutschen Verlage auf Unverständnis. „Dass Hochhuth mit seinen Stücken jahrzehntelang eine breitenwirksame Aufklärung über den Nationalsozialismus geleistet hat wie kaum einer sonst, scheint vergessen… Eine törichte Äußerung kann nicht ein Lebenswerk zunichte machen, schon gar nicht, wenn sie aufrichtig bedauert wird.“

Sie zitiert Gert Ueding, der diesen Vorgang als „hysterisch und ungeheuerlich“ empfindet. Und, so schreibt sie, „der von der DVA selbst ins Feld geführte Hausautor Richard Evans, Chefgutachter gegen Irving im Londoner Prozess, zeigte sich auf Anfrage dieser Zeitung verwundert: Ihm sei es neu, dass alle Autoren eines Verlages dieselben Meinungen teilen müssten. Hochhuth sei wahrlich nicht der erste, der auf Irving hereingefallen sei. Er, Evans, habe natürlich nichts dagegen, im selben Verlag zu erscheinen und bewundere im übrigen Hochhuths frühe Stücke.“
GB

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