„Es ist ein Zeitroman, der manches von dem widerspiegelt, was uns Sorge bereitet“
In seinem neuen Roman Oberkampf (Galiani) schickt Hilmar Klute einen Schöngeist in eine abgründige Welt. Er schreibt über den „Zauber der Literatur “ genauso wie über die „Brüchigkeit unserer Existenz“. Raus kommt ein Buch voller Sehnsucht und Melancholie, Komik und Schrecken. Anlass für Fragen:
Hilmar Klute (c) Jan Konitzki
BuchMarkt: Worum geht es in dem Buch?
Hilmar Klute: Um die Geschichte eines nicht mehr ganz jungen Mannes, der in Paris ein neues Leben anfangen möchte und dann in eine Weltkatastrophe gerät, nämlich die Terroranschläge im Jahr 2015. Dieses Ereignis war für die westlichen Gesellschaftlichen ein großer Bruch und ich wollte versuchen herauszufinden, wie ein derart zerstörerisches Ereignis auf die Befindlichkeit eines einzelnen Menschen wirkt. Zum Glück hat mein Held, Jonas Becker, eine schöne Aufgabe vor sich: Er soll die Biographie eines berühmten, in Paris lebenden Dichters schreiben. Aber auch da stößt er schnell auf Widerstände und Vertracktheiten. Mit Christine, seiner neuen Freundin, lernt er, dass seine Wahrheiten und Sicherheiten brüchig sind wie die Welt um ihn herum.
Wie entstand die Idee dazu?
Klick mich
Die entstand, als ich während der Charlie-Hebdo-Attacke in Paris war und dort als Journalist von den Ereignissen berichtet habe. Später habe ich nochmal zwei Jahre in Paris gelebt und mir die Stadt so genau angeschaut, wie es nur ging. Das heißt, auch mit ihren Problemen, die es gibt: in den Vorstädten zum Beispiel mit den Migranten und armen Leuten, die am großen spätkapitalistischen Spiel der Städter nicht teilnehmen können und in der Ausgrenzung einen großen Zorn entwickeln. Ich wollte aber auch jene Quartiere von Paris beleuchten, die nicht so häufig von Touristen besucht werden, Belleville zum Beispiel, der alte Arbeiterbezirk, der heute so lebendig ist, weil die Gentrifizierung dort noch nicht komplett zugeschlagen hat.
Welches Gefühl soll dem Leser vermittelt werden?
Wir leben in einer unsicheren Welt leben, in der man nur dann gut bestehen kann, wenn man sich ein paar schöne Gegenwelten schafft, sei es durch Kunst, Literatur oder die Liebe. Und weil es in Paris spielt: Man kann in dieser Stadt ein Gefühl von kultureller Mannigfaltigkeit haben, nicht nur im Angebot der Kinos, Theater und Museen, sondern auch in der Art, wie dort gegessen und geredet wird, wie selbstverständlich Hochkultur und tägliches Miteinander dort verknüpft sind. Auch davon erzählt der Roman.
Welche Leserschaft soll angesprochen werden?
Alle Leser, die das Leben lieben und wissen, wie bedroht es sein kann. Und natürlich an jene, die Paris immer noch für die schönste Stadt der Welt halten. Aber es geht ja auch um die Liebe, und da ist vermutlich jeder Leser der richtige.
Und der Buchhändler? Mit welchem Argument kann der das Buch ideal verkaufen?
Das Buch ist spannend erzählt, enthält wunderschöne Stadtbeschreibungen und handelt von unserem Leben im Hier und Jetzt. Es ist ein Zeitroman, der manches von dem widerspiegelt, was uns Sorge bereitet. Aber es geht eben auch darum, die besseren Seiten des Lebens herauszustellen und sich kleine Utopien des Überlebens zu schaffen.
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Diese 3 Wörter beschreiben das Buch perfekt:
Zeitbezogen, poetisch, überraschend.
Welche Frage, die wir nicht gestellt haben, hätten Sie dennoch gerne beantwortet?
Warum der Titel?
Hier können Sie dies nun tun:
Oberkampf ist das Viertel im 11. Pariser Arrondissement, dort habe ich mit meiner Familie gewohnt und dort spielt zum größten Teil auch die Geschichte meines Romans. Eigentlich ist die Rue Oberkampf nach einem schwäbischen Tuchfabrikanten benannt, aber für eine Geschichte, in der es um Gewalt geht und darum, sich im Leben zu behaupten, ist es der perfekte Name.
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