„Die Buchpreisbindung ist ein hohes und wichtiges Gut“
Ulle Bourceau (rechts im Bild, Vertriebsleiterin Kein & Aber) und Bettina Schubert (Vertriebsleiterin Carl Hanser Verlag): Das neue Sprecherinnen-Duo der IG Vetrieb wurde im November auf dem IG-Treffen im Rahmen der Frankfurter Buchmesse einstimmig bestätigt. Den Start in die neue Ehrenamtsfunktion markierte die Stabübergabe: Da diese in Frankfurt stattfand und die beiden nun für den Frankfurter Verband tätig sind, gab es Kochlöffel mit Bembel und Ausstechförmchen mit Goethe-Profil. Die beiden folgen auf Antje Buhl (Droemer Knaur) und Ulrich Richter (Diogenes).
Die IG Vertrieb hat ein neues Sprecherinnen-Duo: Ulle Bourceau und Bettina Schubert sind seit November im Amt. Ulle Bourceau ist seit 2018 Vertriebsleiterin beim Züricher Kein & Aber Verlag, Bettina Schubert ist langjährige Vertriebsleiterin der Carl Hanser Verlage. Gemeinsam stellen sich die beiden unseren Fragen ( im aktuellen November-BuchMarkt) zur Mindestpreisdebatte und zur Bedeutung der Logistikschwierigkeiten für den Buchhandel angesichts des anstehenden Weihnachtsgeschäfts:
BuchMarkt: Mit welchen Eindrücken sind Sie von der Frankfurter Buchmesse nach Hause zurückgekehrt? Wie haben Sie die Stimmung wahrgenommen?
Wir sind, wie so viele Branchenkolleg:innen, guter Dinge angesichts des großen Interesses am Buch an den Publikumstagen und auf den verschiedenen Foren, auf denen Autor:innen und ihre vielfältigen Themen sichtbar werden konnten.
Während der Messetage flammte die Diskussion um eine mögliche Anpassung der Buchpreisbindung in Richtung der Einführung eines „Mindestpreises“ von Büchern erneut auf. Die Interessenvertreter des (unabhängigen) Sortiments bzw. die Verbundgruppen haben sich bereits kollektiv dagegen ausgesprochen. Wie sieht das bei Ihnen aus? Haben Sie das Thema innerhalb der IG Vertrieb schon besprechen können?
Natürlich besprechen wir auch in der IG dieses wichtige Branchenthema und tauschen Meinungen aus. Die Buchpreisbindung ist ein hohes und wichtiges Gut, das wir nicht fahrlässig aufs Spiel setzen dürfen. Wir gehen davon aus, dass innerhalb des Verbandes zeitnah über das weitere Vorgehen entschieden wird.
Welche Chancen und Gefahren böte das Modell denn für die Verlage?
Dieses Thema wird wie gesagt sehr intensiv diskutiert. Es ist komplex und es gibt natürlich unterschiedliche Sichten darauf. Daher begrüßen wir und unterstützen eine breite Meinungsbildung im Verband zu dieser Frage.
Ein weiterer Dauerbrenner als Thema in dem Zusammenhang sind „höhere Ladenpreise“. Diese werden immer wieder gefordert, insbesondere vom stationären Buchhandel. Warum sind die Verlage bei dem Thema so zögerlich?
Um eine auskömmliche Marge für alle Beteiligten in der Branche zu sichern, müssen wir gemeinsam die Buchpreisgestaltung angehen. Wir denken, dass die meisten Verlage hier auf einem guten Weg sind. Letzten Endes ist der Kostendruck in den Häusern immens groß.
Ausgerechnet zum anlaufenden Weihnachtsgeschäft hakt es in der Branchen-Logistik. Muss sich der Buchhandel Sorgen machen, das Weihnachtsgeschäft ohne Ware bestreiten zu müssen?
Aus Erfurt sind der Branche nach der Messe Entspannungs-Signale gesendet worden. Generell werden sich viele Verlage, soweit absehbar, gut bevorratet haben, zahlreiche Verlage bieten Weihnachtsschnellschienen an. Eine eigene frühzeitige Bevorratung schadet jedoch nie!
Mit welchen Zielen haben Sie sich zur Wahl gestellt? Bzw. welche großen Herausforderungen werden die Vertriebsarbeit 2023 beschäftigen?
Neben den bereits in Ihren Fragen angerissenen Themen wird uns auch in 2023 die Weiterentwicklung der Plattform VLB TIX beschäftigen. Zudem die weitere Verschränkung von Stationär/Online im Handel sowie damit verbunden die Frage nach neuen Anstößen im Netz und der Auffindbarkeit und Sichtbarmachung betreffender Titel. Eine gute Zusammenarbeit und ein reger Austausch zwischen Verlagen und Buchhandel ist nach wie vor eines der wichtigsten Themen der Vertriebsarbeit.
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