Minus 10 Prozent bei Schulbuchausgaben 2003 erwartet / Branchenverband fordert mehr Engagement von Staat und Eltern / Neuer Vorstand

„Die nachhaltige Sicherung der Bildungsfinanzierung bleibt die vornehmste Aufgabe der Politik auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten“, hob der neue Vorsitzende des VdS Bildungsmedien e.V., Paetec-Verleger Dr. Gerd-Dietrich Schmidt während der jüngsten Hauptversammlung des Verbandes hervor. Er kritisierte dabei die anhaltenden und geplanten Sparmaßnahmen der Länder im Bildungsbereich, besonders in der Lehrerfortbildung, in der Personalversorgung der Schulen wie in der Ausstattung. Schmidt verwies in diesem Kontext darauf, dass die öffentlichen Ausgaben für Bildungsmedien Ende 2002 auf einem Tiefstand angelangt sind (270 Mio. €) und 2003 um bis zu zehn Prozent sinken werden. Die Sparmaßnahmen der letzten Jahre gingen besonders zu Lasten der elektronischen Bildungsmedien, deren Umsatz 2001 bereits stagnierte und 2002 einen Rückgang von 5 Prozent verzeichnen musste. „Diese Entwicklung ist maßlos enttäuschend,“ betonte der neue Verbandschef: „Didaktische Innovationen, die mit einem hohen wirtschaftlichen Aufwand entwickelt wurden, bleiben somit auf der Strecke“.

Die gerade beendete Hauptversammlung des VdS Bildungsmedien e.V., die Branchenorganisation der Bildungsverlage und Bildungsmedienhersteller, wählte den 43-jährigen Berliner Verleger zum Vorsitzenden bis 2006. Neu in den Vorstand gewählt wurde die Verlegerin Michaela Hueber (Hueber Verlag, Ismaning), die in diesem Gremium für die Erwachsenenbildung verantwortlich zeichnen wird.

Der Vorstand setzt sich weiter zusammen aus dem Berliner Verleger Fritz von Bernuth (Cornelsen, Berlin), Wilmar Diepgrond (Bildungsverlag1, Troisdorf), Johannes Leßmann (Ernst Klett Verlag, Stuttgart), Hans-Dieter Möller (Westermann Schulbuchverlag, Braunschweig) sowie Andreas Klinkhardt (Verlag Julius Klinkhardt, Bad Heilbrunn).

Die Befindlichkeit der Branche – insgesamt sind 72 Unternehmen im VdS Bildungsmedien e.V. zusammen geschlossen – wird durch die massiven Einsparungen der öffentlichen Träger für das Schulwesen, durch Mittelkürzungen in der Weiterbildung und durch eine offensichtliche Kaufzurückhaltung im „Nachmittagsmarkt“ (Lernhilfen) empfindlich getroffen. Nach einer jüngsten Umfrage unter seinen Mitgliedern stellte der VdS fest, dass der Schulbuchumsatz 2002 auf niedrigem Niveau stagnierte; für die „junge“ Produktlinie „Lernsoftware“ hatte sich die Umsatzsituation sogar negativ (minus 5 Prozent) entwickelt. Im Teilmarkt „Lehrmittel/AV-Medien“ musste 2002 ein Umsatzrückgang von 5 Prozent registriert werden und auch in den Bereichen Weiterbildung wie Umschulung gibt es seit 2001 keine Bewegung.

Für 2003 droht ein weiteres „Sparkonzert“ auf vielen Ebenen, sodass in wichtigen Produktionsbereichen der Verlage mit weiteren Umsatzrückgängen gerechnet werden muss. Allein bei den öffentlichen Schulbuchausgaben prognostiziert der Verband einen Rückgang von bundesweit fast 10 Prozent.

Als „kleinen Lichtblick“ bewertet der neue Verbandsvorsitzende, dass in einigen Bundesländern die Systeme der Lernmittelausleihe reformiert wurden: „Die neuen Regelungen in Berlin und Nordrhein-Westfalen können dazu beitragen,“ betonte Schmidt, „dass die Medienausstattungen der Schulen verbessert werden.“ Durch die hier gefundenen Formen der Elternbeteiligung kann künftig in Teilbereichen eine Aktualisierung der Schulbuchbestände erfolgen – durch die bis zu zehn Jahre lange Ausleihe sind die Lehrwerkbestände hoffnungslos überaltert. Für 2003 hofft der VdS, dass die Kürzungen der Länder und Kommunen von 10 Prozent durch den verstärkten Elternkauf ausgeglichen werden.

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