Jetzt online: Kaffeehaussitzers Netzrückblick Fundstücke aus den Literaturblogs – November 2021

Uwe Kalkowski

Heute beginne ich mit einer Zweitverwertung: »Der November ist zu Ende und dieses seltsame Jahr geht in die Schlussphase. Doch auch wenn gerade alles anders sein mag als gewohnt: In der Welt der Literaturblogs gibt es auch in diesem November viel zu entdecken.« Das schrieb ich an dieser Stelle vor genau einem Jahr, damals noch in der Hoffnung, das Pandemiegeschehen nach dem Winter hinter sich gelassen zu haben. Nun ja, das ist nun leider nicht so gekommen, auch dieses Jahr war seltsam; daher gleich an dieser Stelle der wichtigste Hashtag unserer Zeit: #ImpfenSchuetzt.

Diesmal wird es vor allem um Buchbesprechungen gehen. Beginnen möchte ich mit einem Roman, der mir in den vergangenen Wochen immer wieder ins Auge gefallen ist und den ich wohl unbedingt lesen muss. Es geht um das im mare Verlag erschienene »Gesammelte Werke« von Lydia Sandgren. Im Blog Klappentexterin stellt Simone Finkenwirth dieses Buch unter der Überschrift »Ein Fest des Lesens« vor und ist sehr begeistert; außerdem bin ich auf neugierig machende Besprechungen in Marina Büttners Blog literaturleuchtet sowie in Hauke Harders Leseschatz gestoßen. Und da ich dicke Bücher liebe, kommen mir die 850 Seiten gerade recht.

Bleiben wir kurz beim mare Verlag. Barbara Weitzel schreibt auf ihrem Blog Laufend Lesen über »I get a Bird« von Anne von Canal und Heikko Deutschmann. Und ist es schon an sich ein sehr guter Roman, so macht ihn die Entstehungsgeschichte zu einer einzigartigen Lektüre – so lautete auch mein eigenes Fazit im Blog Kaffeehaussitzer.

Im Blog des Autors David Wonschewski gibt es gemeinsam mit der Autorin Nikoletta Kiss die Reihe »Kiss & Wonschewski«, in der sich die beiden Themen oder Bücher vornehmen und diese kontrovers diskutieren. Diesmal geht es um das Buch »(Frauen)Literatur« von Nicole Seifert und herausgekommen ist dabei ein wunderbar knackiges Streitgespräch.

Ich bin ja ein großer Backlist-Freund und daher mag ich es sehr, wenn in Literaturblogs Bücher vorgestellt werden, die schon vor ein paar Jahren erschienen sind. Wie etwa im Blog Bleisatz; dort bespricht Bettina Schnerr den Kriminalroman »Das Auge von Hongkong« von Chan Ho-Kei. Ein Buch, das ich mir vor allem wegen der Gestaltung gekauft habe und das schon eine Weile bei mir auf die Lektüre wartet. Nach dem vielversprechenden Blogbeitrag sollte ich wohl bald damit beginnen.

Da wir gerade bei Krimis sind: im Blog Kaliber.17 stellt Gunnar Wolters »Der Sucher« von Tana French vor – und auch diese Besprechung klingt so, als müsste ich endlich etwas von dieser Autorin lesen.

Ein besonderes Fundstück gibt es im Blog Leselebenszeichen. Dort bespricht Ulrike Sokul kein Buch, sondern den Literaturkalender aus dem Verlag edition momente für das Jahr 2022.

Im Blog literaturundfeuilleton schreibt Caro Kaiser über den Reisebericht »Deutscher Herbst« des schwedischen Ausnahmejournalisten Stig Dagerman. Dabei handelt es sich um keinen gewöhnlichen Reisebericht: Er ist ursprünglich 1946 erschienen und führt uns in das vollkommen zerstörte Deutschland, in das Land der Täter und Überlebenden.

im Blog Aufklappen wird der Roman »Grund« von Sylvia Wage besprochen. Das freut mich gleich aus zweierlei Gründen: Zum einen ist es ein Siegertitel des Blogbuster-Preises, der aus der Literaturbloggerszene heraus entstanden ist. Und zum anderen erscheint der Roman beim Eichborn Verlag, für den ich arbeite und der als Partnerverlag des letztjährigen Blogbuster-Durchgangs das Siegermanuskript veröffentlicht hat.

Kurz und knapp (etwas, das ich nicht kann und daher umso mehr bewundere) bespricht Isabella Caldart in ihrem Blog novellieren den Roman »Vater und ich« von Dilek Güngör.

Sören Heim schwärmt in seinem gleichnamigen Blog von Ben Okris »Die hungrige Straße« und kommt zu dem Schluss: »Ein Text, an dem gar nicht vorbeikommt, wer von Weltliteratur heute sprechen will.«

Der Schriftsteller José F. A. Oliver ist der diesjährige Träger des Heinrich-Böll-Preises der Stadt Köln. Martin Oehlen stellt ihn und sein Werk im Blog Bücheratlas vor und berichtet von dem Abend der Preisverleihung.

Im Blog Feiner reiner Buchstoff wird der neue Roman »Stille Jahre« der tschechischen Autorin Alena Mornštajnová vorgestellt. Ich muss gestehen, dass ich sie bisher nicht kannte, aber der Blogbeitrag klingt so, als würde ich das bald ändern müssen. Für solche Entdeckungen liebe ich das Flanieren durch die Literaturblogs. Apropos: Neu entdeckt habe ich für mich den Blog Bücherbriefe, in dem es schwerpunktmäßig um Klassiker und Phantastik geht – eine spannende Mischung und unbedingt einen Besuch wert.

In meinem eigenen Blog Kaffeehaussitzer schreibe ich über ein Buch, das mich seit Monaten regelmäßig auf eine Zeitreise schickt und darüber hinaus ein buchgestalterisches Gesamtkunstwerk ist: »Welt der Renaissance« von Tobias Roth. Für mich eines der spektakulärsten und schönsten Bücher der letzten Jahre.

Und zum Schluss gibt es noch ein paar schöne Bilder: Im Blog findingtimetowrite hat Bloggerin und Autorin Marina Sofia unter dem Titel »Glamorous Home Libraries« ein paar bemerkenswerte Photos von Privatbibliotheken gesammelt.

Das war es wieder einmal. Den mit Büchern Handelnden wünsche ich viel Kraft für die nächsten Wochen und ein erfolgreiches Weihnachtsgeschäft. Und uns allen wünsche ich, dass wir die nächste Zeit gut überstehen.

Passen Sie auf sich auf.

#ImpfenSchuetzt

Uwe Kalkowski ist seit über 25 Jahren in der Buchbranche tätig und kennt sie aus unterschiedlichen Perspektiven: Als Buchhändler, als Absolvent des Studiengangs Verlagswirtschaft in Leipzig und als Mitarbeiter verschiedener Verlage. Seit August 2019 arbeitet er als Produktmanager für den Eichborn Verlag in Köln. In seinem Blog Kaffeehaussitzer schreibt er über Bücher, Literatur und Leseerlebnisse und stellt in der monatlichen Kolumne »Kaffeehaussitzers Netzrückblick« auf buchmarkt.de lesenswerte Fundstücke aus den unterschiedlichsten Literaturblogs vor. »Vollkommen subjektiv, handverlesen und rein persönlich ausgewählt – ohne Anspruch auf Vollständigkeit, denn eine solche kann es in einer so vielschichtigen Szene gar nicht geben«, wie er sagt.

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