Literaturpreise Heinrich-Böll-Preis der Stadt Köln für Herta Müller

Die in Berlin lebende Nobelpreisträgerin Herta Müller erhält den mit 20.000 Euro dotierten Heinrich-Böll-Preis, wie die Stadt Köln heute mitteilte.

Die Jury, der neben Oberbürgermeister Jürgen Roters und Vertretern aus Rat und Verwaltung als Fachjuroren Christof Hamann, Guy Helminger, Ulrich Peltzer und Andreas Platthaus angehören, schrieb in ihrer Begründung, „man könnte meinen, dass es nach dem Literaturnobelpreis von 2009 keinen Grund mehr gebe, das Werk der seit 1987 in der Bundesrepublik lebenden Schriftstellerin abermals zu würdigen“, doch das Gegenteil sei der Fall. Nicht nur, dass die 1953 im deutschsprachigen Banat (Rumänien) geborene Herta Müller in den vergangenen sechs Jahren weitere wichtige Bücher publiziert habe, so zuletzt den Essayband Hunger und Seide, keine andere Autorin sei in ihrem Schaffen dem künstlerischen und kritischen Geist Heinrich Bölls so verwandt. „Der Grundtrieb des Böllschen Schreibens findet sich darin wieder: das Aufwachsen in einem repressiven Heimatland und dann das Erlebnis der Befreiung in einer neuen Gesellschaft; im Falle Bölls im selben Land nach 1945, im Falle Müllers durch die Ausreise nach Deutschland.“

Mit dem 1982 noch in Rumänien geschriebenen Band Niederungen, dessen Erzählungen erst zwei Jahre danach in der Bundesrepublik in ihrer ursprünglichen Form publiziert werden konnten, habe Herta Müller ihre rumänische Heimat als literarischen Ort neu für die deutsche Sprache gewonnen. Mit ihren schonungslosen Schilderungen sei sie aber auch in die Kritik der Banater Schwaben geraten – eine Parallele zur Rezeption des Böllschen Werks in der Bundesrepublik. „Mit ihren Romanen wie Reisende auf einem Bein, Der Fuchs war damals schon der Jäger, Herztier und vor allem dem bislang letzten, Atemschaukel von 2009, entwickelte sie eine Poetik, in der sprachliche Originalität und zeitgeschichtliche Durchdringung der Stoffe eine höchst individuelle Stimme schufen, deren Aussagekraft weit über die Banater Wurzeln und auch weit über den deutschen Sprachraum hinausgehen“, heißt es weiter.

„Heinrich Böll wie Herta Müller haben durch ihre Erfahrungen im Totalitarismus einen besonders scharfen Blick für die Risiken auch in der freien Gesellschaft gewonnen, was ihre Romane ebenso prägt wie die jeweiligen essayistischen Einlassungen. Sie sind beide große literarische Chronisten der Abgründe des zwanzigsten Jahrhunderts – und beide große Hoffnungsmacher nicht nur der Literatur, sondern der Menschlichkeit als Ganzer.“

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