Der Kranichsteiner Literaturförderpreis geht in diesem Jahr an Christian Schulteisz Felicitas Hoppe erhält den Großen Preis des Deutschen Literaturfonds

Felicitas Hoppe (c) Tobias Bohm

Der Große Preis des Deutschen Literaturfonds geht an Felicitas Hoppe. Der Preis ist mit 50.000 Euro dotiert.
Die Preisverleihung findet am 7. Oktober, dem Gründungstag des Deutschen Literaturfonds vor 40 Jahren, in Berlin statt. Der Kranichsteiner Literaturförderpreis geht in diesem Jahr an Christian Schulteisz. Die Vergabe der jeweils zehnwöchigen New York- und London-Stipendien wird in diesem Jahr ausgesetzt.

Felicitas Hoppe ist die erste Preisträgerin des Großen Preises des Deutschen Literaturfonds. Aus dem Kreis der bisher durch den Deutschen Literaturfonds geförderten Stipendiaten und Stipendiatinnen wählte sie die Jury, bestehend aus Bettina Fischer, Manuela Reichart und Hans Thill.

Die Begründung der Jury: „Felicitas Hoppe, 1960 geboren, hat seit dem Erzählungsband Picknick der Friseure im Jahr 1996 ein im besten Sinne breit gefächertes Werk vorgelegt: erzählerisch reizvolle Erkundungen zu Fragen der Identität ebenso wie lebendige Geschichten für Kinder oder auch eine Reihe aufschlussreicher Poetik-Vorlesungen. Felicitas Hoppes Romane – von Pigafetta (1999) über Johanna (2006) zu Hoppe (2012) oder Prawda. Eine amerikanische Reise (2018) – bergen stets ein besonderes, nicht zuletzt sprachliches Geheimnis. Im vergangenen Jahr hat sie neben einem ‚Making of‘ zu ihrem letzten Roman Prawda. Eine amerikanische Reise auch Grimms Märchen für die Heldinnen von heute und morgen herausgegeben und ermöglicht auf diese Weise auch eine vertiefende Sicht auf Texte, die sie begleiten und faszinieren. Weitgereist teilt die Autorin ihren neugierigen Blick, aufgeschlossen begegnet sie der Welt und der Literatur. Felicitas Hoppe stellt Fragen an Sein und Wirklichkeit und lässt uns über den Horizont unserer alltäglichen Wahrnehmung hinausblicken. Ihrer Leserschaft wie auch ihren Zuhörerinnen und Zuhörern gibt sie immer wieder neue Schlüssel zum Verständnis in die Hand, wenn sie so klug wie amüsant über ihre eigenen wie die Werke anderer Auskunft gibt. Ihr Erfindungsreichtum, ihre bildreiche Sprache, ihre Freude am Spiel wurden schon oft gerühmt – so erhielt Felicitas Hoppe den Georg-Büchner-Preis im Jahr 2012. Aufgrund der Vielfalt ihres Werkes, der wachen Wahrnehmung der Autorin, der funkensprühenden Vielschichtigkeit ihres Schreibens spricht die Jury Felicitas Hoppe den Großen Preis des Deutschen Literaturfonds zu.“

Der Deutsche Literaturfonds, der sich seit 1980 der Förderung deutschsprachiger Gegenwartsliteratur widmet, hat sein 40-jähriges Jubiläum zum Anlass genommen, in diesem Jahr erstmals den mit 50.000 Euro dotierten Großen Preis des Deutschen Literaturfonds zu vergeben. Der Preis geht hervor aus dem zuletzt mit 30.000 Euro dotierten Kranichsteiner Literaturpreis, der zwischen 1983 und 2019 jährlich durch den Deutschen Literaturfonds in Darmstadt verliehen wurde.

Der Vorstand des Deutschen Literaturfonds (Susanne Fischer, Wend Kässens, Dr. Robert Staats) erklärt dazu: „Der Große Preis des Deutschen Literaturfonds gehört zu den höchstdotierten Literaturpreisen. Er ist aber viel mehr: Signal für die umfassende Förderung der anspruchsvollen deutschsprachigen Gegenwartsliteratur. Überregional, marktunabhängig und jenseits politischer Vorgaben.“

Christian Schulteisz (c) Christian Schulteisz

Der Kranichsteiner Literaturförderpreis, der seit 2003 jährlich durch den Deutschen Literaturfonds an eine Autorin oder einen Autor unter 35 Jahren mit mindestens einer Buchveröffentlichung vergeben wird, geht in diesem Jahr an Christian Schulteisz.

Die Jury (Bettina Fischer, Manuela Reichart und Hans Thill) begründete ihre Wahl folgendermaßen: „Christian Schulteisz entwirft in seinem eindrucksvollen Debüt-Roman ein Porträt des (erst posthum entdeckten) Schriftstellers und ‚Universaldilettanten‘, des ekstatischen Wanderers Hans Jürgen von der Wense. Während des Zweiten Weltkrieges musste der hochbegabte Eigenbrötler in Göttingen Kriegsersatzdienst leisten. Wie dieser Held, der nicht urteilt und nicht rechtet, sich in der Gesellschaft bewegt, wie er ganz nebenbei überzeugte Parteigenossen von Mitläufern unterscheidet, wie er ein kluger Sonderling bleibt inmitten des Nazi-Wahnsinns – davon wird hier in einer poetischen und empfindsam-genauen Sprache erzählt.
Christian Schulteisz versetzt sich in seine Figur, in jenen Wense, der angelehnt an die historische Person des Dichters, aber nicht autobiographisch verbürgt ist. Er schreibt eindrucksvoll von dessen Verbindung zur Natur, vom entschiedenen Staunen und Wahrnehmen.
Der Autor biedert sich dabei seinem Protagonisten nicht an, er fordert keine Sympathie von uns, stattdessen sollen wir staunen über einen Mann, der sich leidenschaftlich in Gedanken und in Büchern verliert und sich in der Kriegszeit anpasst, damit er unangepasst bleiben kann.“

Der Preis ist mit 5.000 Euro dotiert. Die öffentliche Wettbewerbslesung der Nominierten an einem Darmstädter Gymnasium vor der Fach- und Schülerjury entfällt in diesem Jahr.Die Aufenthaltsstipendien in New York und London werden aufgrund der derzeitigen Einreisebeschränkungen in die jeweiligen Länder in diesem Jahr nicht vergeben.

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