Veranstaltungen „Frankfurt liest ein Buch“ in Corona-Zeiten

Größerer Raum, Einzeltische, Abstand. Die heutige Pressekonferenz zum elften Literaturfest Frankfurt liest ein Buch vermittelte einen Eindruck davon, wie das Fest in Corona-Zeiten konzipiert ist. „Wir freuen uns, Frankfurt liest ein Buch jetzt vom 24. Oktober bis zum 1. November nachholen zu können. Das Fest bietet auch Auftrittsmöglichkeiten für Künstler, das ist unser Beitrag zur Unterstützung. Außerdem gibt es inzwischen Erfahrungen über Veranstaltungen während der Pandemie“, begrüßte Silke Haug, zweite Vorsitzende des Vereins Frankfurt liest ein Buch, die Medienvertreter im Haus des Buches. Im Mittelpunkt der elften Auflage des Festes steht Rosemarie. Des deutschen Wunders liebstes Kind von Erich Kuby, in einer Neuauflage im Verlag Schöffling & Co. 2020 erschienen.

Gisela Thomas, verantwortlich für die Redaktion, stellte den Autor Erich Kuby (1910 – 2005) kurz vor. Der linksliberale Schriftsteller und Journalist war unter anderem als Redakteur für die Süddeutsche Zeitung tätig; Heinrich Böll bezeichnete ihn damals als „Nestbeschmutzer von Rang“. Kuby engagierte sich in der Studentenbewegung und wurde 1965 an der FU Berlin von deren Rektor mit Redeverbot belegt.

Erich Kuby schrieb das Drehbuch zu Das Mädchen Rosemarie (1958) und anschließend den Roman, der im gleichen Jahr erschien.

Sonja Vandenrath, Leiterin des Fachbereichs Literatur im Kulturamt Frankfurt, unterstrich: „Es ist schön, dass dieses Lesefest, das eigentlich für April/Mai 2020 geplant war, noch in diesem Jahr stattfindet. Es ist ein Beitrag, das Buch verstärkt in die Öffentlichkeit zu rücken.“ Alles dreht sich eine Woche lang um einen Titel, das Festival ist breit aufgestellt, versammelt viele Ideen unterschiedlicher Institutionen und Einrichtungen und von Literaturinteressierten unter einem Dach. Der Verein Frankfurt liest ein Buch hat sich nach der Absage des ursprünglichen Termins nicht entmutigen lassen, sondern ein Programm, das in Pandemiezeiten möglich ist, auf die Beine gestellt. Diese Anstrengung ist dankenswert.

„Digitale Veranstaltung können tatsächlich stattfindende nicht ersetzen“, urteilte Julia Cloot, stellvertretende Geschäftsführerin des Kulturfonds Frankfurt RheinMain. Deshalb sei das Lesefest so wichtig. Zudem habe wohl jeder schon einmal von der legendären Rosemarie Nitribitt gehört.

Organisator Lothar Ruske stellte das Programm vor. „Natürlich war die Absage für uns ein Schock. Doch wenig später fragten viele, ob wir weitermachen würden. Im nun vorliegenden Programm haben wir von ehemals rund 100 Veranstaltungen 67 an 51 Orten sowohl in Frankfurt als auch in der Region wieder aufnehmen können. Es gibt Lesungen, Vorträge, Gesprächsrunden, Theater, Stadtrundgänge, Filmvorführungen, Ausstellungen, Programme mit Musik und eine Tanzveranstaltung. Wir kooperieren mit 80 Partnern – Ausstellungsmachern, Schauspielern, Kuratoren, Schriftstellern, Journalisten, Personen des öffentlichen Lebens, Buchhändlern und Verlegern.“

Mit der Ankündigung des neuen Termins sei die Motivation gestiegen, man habe gemeinsam nach größeren Räumen gesucht und sie mit Unterstützung zum Beispiel des Kulturamts auch gefunden.

Bereits am Montag, 19. Oktober, gibt es eine Stadtführung, die den Spuren der Nitribitt in Frankfurt nachgeht.

Die Eröffnungsveranstaltung am 24. Oktober findet traditionsgemäß in der Deutschen Nationalbibliothek in Frankfurt statt. Das Schlusswort wird dort Susanne Böhme-Kuby, Literaturwissenschaftlerin und zweite Frau des Autors, halten.

Statt in der Kriminalbuchhandlung Wendeltreppe wird die Lesung und das Gespräch mit Andreas Maier am 27. Oktober nun in der Ausstellungshalle 1A in der Nähe stattfinden – beispielhaft für eine flexible und gute Lösung des Raumproblems.

Unter dem Titel Unglaublich, aber wahr wird Helga Dierichs in der Buchhandlung Schutt ebenfalls am 27. Oktober über ihre Recherche zu ihrem Dokumentarfilm Tod einer Hure (2004), der ebenfalls gezeigt wird, berichten.

Die Abschlussveranstaltung am 1. November findet in der Volksbühne im Großen Hirschgraben statt, man darf auf die neuen Erkenntnisse von Michael Quast, Matthias Faltz und dem Ensemble zum Fall Nitribitt gespannt sein.

Anmeldungen sind bei den einzelnen Veranstaltern notwendig, da es je nach Räumlichkeit nur zwischen acht und 80 Plätzen gibt. Auf jeden Fall sollten sich Interessierte auf der Webseite www.frankfurt-liest-ein-buch.de kurz vorab über die aktuelle Lage informieren.

JF

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