Als Präsenzveranstaltung mit ergänzenden digitalen Formaten geplant Verlage können sich ab jetzt für die Frankfurter Buchmesse anmelden

Es geht los: Die Anmeldeunterlagen für die diesjährige Frankfurter Buchmesse (20.-24. Oktober) sind versendet. Was Aussteller und Besucher erwartet, erfuhr BuchMarkt im Gespräch mit Buchmesse-Direktor Juergen Boos und Lars-Birken Bertsch, zuständig für Strategische Projektentwicklung im deutschsprachigen Raum.

„Wiederbegegnung (re:connect)“ ist das Motto der 73. Frankfurter Buchmesse. Und, obwohl man es sich derzeit noch nicht recht vorstellen kann: Die Messe ist als Präsenzveranstaltung geplant. Die digitalen Formate, die als Ersatz für die „echte“ Messe im vergangenen Jahr herhalten mussten, wird es aber zum großen Teil auch weiterhin geben. Das ist sicherlich klug – denn wie die Lage im Oktober aussehen wird, ist jetzt noch nicht absehbar.

4.400 Unternehmen hatten sich im vergangenen Jahr an der digitalen Messe beteiligt. „Das hat uns selbst überrascht und natürlich sehr gefreut,“ sagt Juergen Boos. „Darunter waren auch sehr viele Unternehmen, die bis dato noch nicht an der Messe teilgenommen hatten, aus Ländern, die bisher noch nicht vertreten waren.“ Wie viele davon zurückerwartet werden? „Das können wir beim besten Willen nicht sagen.“

Die drängendste Frage in diesen Wochen: Wie sieht es mit den Auflagen aus? „Wir arbeiten eng mit dem Frankfurter Gesundheitsamt zusammen und stimmen uns ab,“ sagt Lars Birken-Bertsch. Schon für das vergangene Jahr sah das Messekonzept vor, dass die Mindestgröße der Stände kostenneutral von vier auf acht Quadratmeter heraufgesetzt wird, dazu werden die Gänge in den Hallen deutlich verbreitert. Ob es Auflagen bezüglich der Besucher geben wird? „Davon gehen wir aus, aber wir können jetzt natürlich noch nicht absehen, wie das konkret aussehen wird – ob es nötig sein wird, die Anzahl zu begrenzen, ob es lediglich Tagestickets oder auch Dauerkarten geben kann oder ob Bescheinigungen über Tests oder Impfungen verlangt werden müssen, werden wir frühestens im Sommer sagen können.“

Schon im vergangenen Jahr waren der Frankfurter Buchmesse Unterstützungsgelder aus dem Fonds NEUSTART KULTUR der Bundesregierung zugesagt worden. „Das ist auch in diesem Jahr so, und wir geben diese Hilfen in vollem Umfang an unsere Aussteller weiter“, so Juergen Boos. Das heißt konkret, dass die Standpreise erheblich subventioniert werden können und, je nach Standgröße, um 10 bis 50 Prozent niedriger ausfallen als noch 2019. „Die Buchmesse hatte bei der Preisgestaltung ja schon immer das Prinzip, kleineren Ausstellern entgegen zu kommen, um die Vielfalt der Branche abzubilden. Das behalten wir bei.“ Und was passiert, wenn die Buchmesse wieder abgesagt werden muss? „Seien Sie versichert: Wir haben im vergangenen Jahr die Gebühren zurückgezahlt, und wir werden auch in diesem Jahr keine Schwierigkeiten machen, wenn dieser Fall eintritt.“

Wie sieht es mit dem Buchhandel aus? „Es bleibt dabei, dass jedes Sortiment eine bestimmte Anzahl kostenloser Tickets erhält,“ verspricht Boos. In welchem Umfang das geschieht, sei aber abhängig von den Auflagen zum Gesundheitsschutz.

Für die Verteilung der Aussteller auf die Hallen wurde ein neues Konzept entwickelt: „Die deutschsprachigen Verlage werden in die Halle 3 gehen, die Halle 6 beherbergt die englischsprachigen Aussteller und diejenigen aus Asien sowie das Agentenzentrum, die sonstigen internationalen Aussteller bringen wir in der Halle 4 unter; Wissenschaft und Bildung bleiben ebenfalls in Halle 4“, erklärt Birken-Bertsch. Dazu kommt eine interessante Neuerung: In den Hallen wird es „Workstations“ genannte Arbeitsbereiche geben, wo Interessenten sich tageweise einmieten können, ohne deshalb gleich einen Stand für die gesamte Messedauer buchen zu müssen.

Eine wesentliche Änderung betrifft die Besuchsregelung: Nur noch der Mittwoch und Donnerstag der Messe sind ausschließlich Fachbesuchern vorbehalten, bereits am Freitag wird, zusätzlich zum Wochenende, das allgemeine Publikum eingelassen. „Eine Messebuchhandlung im eigentlichen Sinne wird es aber nicht geben,“ sagt Juergen Boos. Allerdings werde weiterhin darüber nachgedacht, wie der Buchverkauf der Aussteller geregelt werden kann.

Zum Schluss wollen wir wissen, worauf denn eigentlich die Zuversicht basiert, dass eine Präsenzbuchmesse im Oktober stattfinden kann, wo doch die Veranstaltung in Leipzig bereits abgesagt ist und die Chancen für eine Durchführung der Messen in London und Paris branchenintern als unwahrscheinlich betrachtet werden? „Es sind ja noch sieben Monate bis zur Messe, da hoffen wir natürlich darauf, dass die Lage sich entspannt. Und wir haben deutliche Signale von vielen Verlagen erhalten, dass sie teilnehmen wollen, darunter sowohl kleine Unternehmen als auch die meisten großen Konzerne,“ antwortet Birken-Bertsch. Und Juergen Boos ergänzt: „Wie ich immer sage: ‚Eine Messe ist eine Messe ist eine Messe‘. Dieses Erlebnis des persönlichen Kontakts, der Gespräche, der Zufälligkeit der Begegnungen und Entdeckungen ist digital nicht darzustellen. Unsere Branche braucht die Messe. Und wir werden alles dafür tun, dass es sie geben wird. So interessant und schön und natürlich auch so sicher wie irgend möglich.“

Aktuelle Informationen zur Frankfurter Buchmesse 2021: www.buchmesse.de

hge

Kommentare (1)
  1. Das klingt zunächst mal alles durchaus bemüht, der Branche und dem Thema Buch zugewandt.
    Die Stornobedingungen allerdings bedürfen starker Aufmerksamkeit. Insbesondere kleinere Aussteller (also Verlage) dürften sich mit einer Buchung schwertun, wenn sie einen Blick auf Punkt 9.4 der Stornobedingungen werfen. Dort behält sich die Messegesellschaft ausdrücklich das Recht vor, auch bei einer pandemisch bedingten Absage (also einer duch den Messeveranstalter) bis zu 50 % der Standgebühr zu fordern.

    Will man als Aussteller zurücktreten, werden ab 1.8. 100% Stornogebühr fällig, was die Messe als „großzügige Stornobedingungen“ beschreibt.

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