Das Sonntagsgespräch Constance Landsberg über das Lesen per Flatrate

Mit Skoobe unbegrenzt – also mit einer Flatrate zum monatlichen Festpreis – lesen: Was bedeutet ein solches Angebot für den klassischen Buchhandel? Stimmt es, dass Skoobe-Kunden auch weiter Bücher kaufen und dass solche neuen Nutzungsmodelle den Markt erweitern?

Das war Anlass für Fragen an Constance Landsberg . Sie ist seit April CEO bei Skoobe und leitet das Unternehmen gemeinsam mit CTO Henning Peters. Landsberg, die in Leipzig an der HHL studiert hat, verantwortet neben den Verlagsbeziehungen und allen kaufmännischen Aufgaben auch Vertrieb und Marketing.

Der stationäre Buchhandel ist in Sorge vor einer Bücher-Flatrate oder einem Konzept wie Skoobe. Ist die Sorge berechtigt?

Constance Landsberg:
„Skoobe ist gut für Leser, Verlage und Autoren“

Constance Landsberg: Nein.

Nein?

Der digitale Medienwandel ist in der Buchbranche angekommen. Smartphones, Tablets und E-Reader machen das Lesen mobil und bieten Chancen für neue Geschäftsmodelle wie Skoobe. Kunden ist es zunehmend wichtig, auf Inhalte zeitnah, flexibel und unbeschwert zugreifen zu können. Ein Blick auf die Ergebnisse der aktuellen E-Book Studie des Börsenvereins macht deutlich, dass der Anteil der Leser wächst, die neben dem gedruckten Buch auch ans E-Book denken. Während 2012 noch 69% der Befragten angaben, E-Books selten zu kaufen oder sogar ausschließlich gedruckte Bücher zu nutzen, so sind es 2013 nur noch 66%. Es ist zu erwarten, dass dieser mediale Wandel weiter fortschreiten wird.

Was heißt das?

Die gute Nachricht für den klassischen Buchhandel ist, dass Skoobe Kunden weiterhin Bücher kaufen. Und das nicht nur online und als E-Book, sondern vor allem auch als physisches Buch. Neue Nutzungsmodelle wie Skoobe scheinen den Markt zu erweitern und nicht zu kannibalisieren.

Wie funktioniert denn ihr Modell Skoobe?

Skoobe page(59215 )ist eine E-Book-Flatrate. Wer Skoobe nutzt, kann unbegrenzt lesen – zu einem monatlichen Festpreis. Überall, zu jeder Zeit und was man möchte. Ab 9,99 Euro im Monat können Leser auf derzeit mehr als 50.000 E-Books zugreifen. Alle Bücher im Angebot sind jederzeit verfügbar, es gibt keine Wartezeiten und keine Rückgabefristen. Kunden können E-Books über die Skoobe-Apps auf vielen Endgeräten nutzen, auf AndroidSmartphones und Tablets, iPhone und iPad sowie auf KindleFireTablets.

Warum der eigenartige Name?

Lesen Sie Skoobe mal rückwärts – dann lesen Sie „E-Books“…

Wie geht es denn mit dem Ausbau des Buchsortiments voran?

Wir arbeiten bereits mit mehr als 1.000 deutschen und internationalen Buchverlagen zusammen. Campus, Dumont, Bastei Lübbe, Jung und Jung, S. Fischer, Goldmann, Heyne oder Rowohlt gehören unter anderen zu den Partnern. Außerdem kommen ständig neue Verlagspartner dazu. Zuletzt Hanser, die Verlagsgruppe Beltz, der australische Verlag Allen &Unwin oder Tor Books, der Fantasie und Science Fiction-Verlag aus New York. Viele kleine und unabhängige Verlage sind außerdem über Aggregatoren wie Bookwire oder Satzweiß angebunden. Und seit kurzem beginnen auch zwei Selfpublishingplattformen epubli und BoD Bücher bei Skoobe anzubieten. Da viele der Kunden großes Interesse an fremdsprachiger Literatur haben, bemühen wir uns darum das internationale Buchangebot weiter auszubauen. Kurz gesagt: Waren die Verlage zum Start noch skeptisch, so zeigen sie heute sehr reges Interesse.

50.000, das hört sich nach wenig an, oder? Andere Services sollen ja mehrere Hunderttausend Bücher anbieten.

Für den Leser ist nicht nur die reine Titelmasse, sondern vor allem auch die Qualität von Bedeutung und die ist durch unser breites Verlagstitelangebot sehr hoch. Aber natürlich sind wir weiter intensiv dabei, den Katalog auszubauen. Seit Jahresbeginn konnten wir gut 21.000 neue Bücher anbieten, das sind weit mehr Neuzugänge als im Gesamtjahr 2013.

Was bedeutet Skoobe für Verlage, Autoren und die Literatur?

Skoobe ist gut für Leser, Verlage und Autoren. Verlage erschließen mit Skoobe eine neue Leserschaft, die neben den aktuellen Neuerscheinungen und Bestsellern tief in die Welt der Literatur eintaucht und gerne neue Themen und Titel entdeckt. So erzielen Verlage erzielen zusätzliche Umsätze und finden genau dort statt, wo digitale Unterhaltung heutzutage passiert – auf Smartphones und Tablets. Leser entdecken viele neue Autoren und verfolgen interessiert deren komplette Bibliographie. Und das nicht nur online und als E-Book. Autoren profitieren daher von einer nachhaltig wachsenden Leserschaft und zusätzlichen Tantiemen.

Sind Nutzer einer E-BookFlatrate an den selben Büchern interessiert, die sie auch im Handel finden? Oder ändert sich das Leseverhalten?

Das ist eine interessante Frage, der wir nachgegangen sind. In Kundenumfragen fanden wir heraus, dass Kunden vielfältiger lesen als zuvor. Neben Neuerscheinungen und Bestsellern entdecken Kunden Bücher, die sie früher nicht gelesen hätten. Anhand der Zugriffszahlen wissen wir, dass monatlich circa 50% des gesamten Buchkatalogs gelesen werden – über das ganze Jahr sogar knapp 80%. Das ist bemerkenswert, wenn man bedenkt, dass im Online-Handel häufig die gängigen Bestseller die Literaturauswahl bestimmen.

Amazon plant mit KindleUnlimited nun genau in dieselbe Richtung. Haben Sie Angst?

Wir haben den US-Launch von KindleUnlimited gespannt verfolgt und rechnen natürlich damit, dass das Angebot kurzfristig auch nach Deutschland kommen wird. Grundsätzlich belebt Konkurrenz ja das Geschäft und wir sind davon überzeugt, dass wir für den Kunden das beste deutschsprachige Titelangebot haben. Wir haben derzeit knapp 50.000 Bücher im Programm, von denen 40.000 deutschsprachig sind – darunter bekannte Autoren wie Sebastian Fitzek, Jonas Jonasson, Kerstin Gier, Stephen King, etc. Wir sind damit also eine echte Alternative für alle Kindle-Kunden, die derzeit auf einem KindleFireTablet lesen. Die Skoobe-App ist natürlich auch im Amazon App-Shop verfügbar.

Und was ist mit dem Lesen auf E-Readern?

Die App, die den Zugriff auf das Buchangebot bietet, ist derzeit für Android und iOS-Geräte optimiert. Auf dem Kindle oder dem Tolino können Kunden E-Books von Skoobe derzeit nicht lesen. Es gibt aber schon eine Reihe von Android-basierten e-Ink Lesegeräten, auf denen die Skoobe-App läuft, wie beispielsweise auf dem ImCoSys imcoV6L, Onyx BOOX C65 AfterGlow und Onyx BOOX C65 Storia. Ganz neu ist auch der Onyx BOOX T68 Lynx im Handel erhältlich, der bisher das beste Leseerlebnis bietet.

Durch Klick auf Foto zur Skoobe Seite; die Fragen stelle Christian von Zittwitz

Kommentare (0)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.