Steffen Mensching über "Hausers Ausflug" (Wallstein) „Eine ähnliche Geschichte ist so zuvor noch nicht erzählt worden“

Steffen Mensching: „Ich denke mein Buch kommt im Buchhandel gut an, weil es bestimmte Fragen unserer Gesellschaft überspitzt, ins Extrem treibt, dies aber nicht moralisierend tut, sondern auf subtile oder satirische Art“ (c) Lisa Stern

Mit Hausers Ausflug legt Steffen Mensching bei Wallstein einen Roman vor, der auf „überraschende Wendungen setzt“ und „bis zur letzten Seite spannend bleibt“- er erzählt die Geschichte eines erfolgreichen Mannes, der plötzlich vor dem Nichts steht und „nur noch seine nackte Haut retten will“. Anlass für Fragen an den Autor:

BuchMarkt: Das fragen wir immer zuerst: Worum geht es in dem Buch? 

Steffen Mensching: Der Geschäftsführer David Hauser wacht in einer der von ihm entwickelten „Rückführungsboxen“ auf, in denen normalerweise Asylbewerber, deren Aufenthaltsgenehmigung abgelehnt worden ist, in ihre Herkunftsregionen zurückbefördert werden. Nun findet er selbst sich in einer wüstenähnlichen und doch bergigen Landschaft wieder, in fremder Kleidung und mit gefälschten Papieren. Es ist also die Geschichte eines erfolgreichen Mannes, der plötzlich vor dem Nichts steht und nur noch seine nackte Haut retten will: Ein Ritt auf dünnem Eis in einer heiß umkämpften Gegend.

Wie ist überhaupt die Idee dazu entstanden? 

Mich beschäftigt schon lange die weit verbreitete Illusion, unser Leben würde sich in sicheren Bahnen bewegen, alles wäre planbar, berechenbar, solange man nur über die notwendigen finanziellen Mittel verfügt. Das Leben ist aber eher eine ständige Gefahrenkonstellation. Der Auslöser für die konkrete Story war ein zweistündiger Flug von Wien nach Tirana. Ich saß in der Maschine in der letzten Reihe neben einem Albaner, der während des Fluges keinen Blick mit mir wechselte, ganz zu schweigen von Worten. Als wir in Tirana landeten, blieb die Maschine auf dem Rollfeld stehen, ein Polizeiauto mit Blaulicht raste heran und ein Mann wurde in Handschellen aus dem Flugzeug begleitet: mein Sitznachbar. Er wurde abgeschoben und flog ins Gefängnis, ich hingegen in den Urlaub.

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Worauf kommt es Ihnen bei der Geschichte besonders an? 

Auf überraschende Wendungen. Darauf, dass die Geschichte bis zur letzten Seite spannend bleibt. Ich spiele bewusst und mit Lust mit Elementen des Thrillers und der Kriminalgeschichte – ob erfolgreich oder überzeugend müssen die Leser entscheiden.

Welche Leserschaft soll angesprochen werden? 

Es ist ein ziemlich geradlinig erzählter Plot, man kann es als Dystopie lesen, als politische Allegorie oder als Abenteuergeschichte. Diese Unschärfe habe ich gewollt, weil sie die Leser am Ende hoffentlich verstört und ein notwendiges Unbehagen erzeugt.

Kommt das Thema wirklich beim Buchhandel an? 

Ich denke ja, weil es bestimmte Fragen unserer Gesellschaft überspitzt, ins Extrem treibt, dies aber nicht moralisierend tut, sondern auf subtile oder satirische Art. Hauser, der Held, ist kein Vorbild, aber bleibt in seiner Schuftigkeit ein Zeitgenosse, mit dem man mitfiebert, obwohl er einen abstößt.

Mit welchen Argumenten kann der Buchhändler das Buch verkaufen? 

Ich würde mit Unbescheidenheit behaupten, eine ähnliche Geschichte ist so zuvor noch nicht erzählt worden.

Drei Wörter, die das Buch gut beschreiben?

Suspense, Schmerz, Sehnsucht.

Welche Frage, die wir nicht gestellt haben, würden Sie gern beantworten? 

Planen Sie eine Fortsetzung von Hausers Odyssee?

Hier können Sie dies tun:

Ich bin mir nicht sicher, bislang gefällt es mir, dass sich der Leser mit genau dieser Frage herumquälen wird …

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