Das Sonntagsgespräch Klaus Humann über das Non-Profit-Projekt „Zeichner verteidigen die Meinungsfreiheit“

Innerhalb von nur einem Monat wird derzeit mit „Zeichner verteidigen die Meinungsfreiheit“ bei Aladin ein Band mit Illustrationen realisiert, mit dem der Verlag auf die Attentate von Paris reagiert und der am 12. Februar schon erscheinen soll.

Das war Anlass für Fragen an Aladin-Verleger Klaus Humann, den Initiator der Idee:

Klaus Humann

BuchMarkt: Aladin ist ein Kinderbuch Verlag, Sie sind Kinderbuchverleger. Da gibt es sicher eine Vorgeschichte auch in Ihrer Vita?

Klaus Humann: Interessant, dass Sie danach fragen. Man kennt mich seit 20 Jahren nur als Kinderbuchverleger. Aber tatsächlich habe mein Handwerk bei Rowohlt unter Freimut Duve als politischer Lektor gelernt. Dem ist dieses Buch auch gewidmet ist. Insofern schließt sich da auf das Wunderbarste der Kreis in meinem Berufsleben. Aber nur zum Kreise-schließen haben wir das Buch natürlich nicht gemacht.

Mit welchen Argumenten haben Sie Ihre Zeichner motiviert?

In meiner Einladungsmail habe ich unter anderem geschrieben: „Lasst uns der Freiheit der Meinung eine Stimme zu geben. Wir brauchen eine offene Gesellschaft wie die Luft zum Atmen. Wir brauchen den Respekt voreinander, gleich welcher Überzeugung, Religion, Herkunft oder Hautfarbe. Wir wehren uns mit Stift und Pinsel.» Genau so ging es mir in den Tagen nach dem Anschlag in Paris. Und davon haben sich viele der Zeichner angesprochen gefühlt.

Kinderbücher sind doch eigentlich unpolitisch…

… das meinen Sie doch nicht im Ernst, oder? Wir wollen nicht nur unterhalten, sondern auch aufklären, Werte vermitteln, dies Vielfalt der Welt zeigen. Nur weil die Zeichnungen manches Mal niedlich daherkommen sind wir nicht zu unterschätzen. Und schon gar nicht unpolitisch.

Danke, das saß. Wie haben die Zeichner reagiert?

Erstaunt, überrascht, erfreut. Da interessiert sich also jemand für ihre politische Haltung. Und nicht nur für Bärchen, Entchen und Eichhörnchen. Und viele haben alles stehen und liegen gelassen, um in der knappen Zeit dabei sein zu können. Eine, Barbara Yelin, hat mir geschrieben, in bin gerade im Südwesten der USA unterwegs, komme Mittwoch zurück und Donnerstag habt ihr was von mir.

Haben eigentlich alle, die Sie angefragt haben, zugesagt?

Aber natürlich nicht. Einige waren krank, verreist oder hatten gute Gründe, da nicht mitmachen zu wollen. Entweder, weil sie an solche Aktionen wie unser Buch nicht glauben, oder weil ihnen das Thema zu heiss ist, um es in nur einem Bild kommentieren zu können. Ich hatte hochinteressante Telefonate und habe viel dabei gelernt. Insofern sind sehr viel mehr an diesem Projekt beteiligt als die 29 abgedruckten Künstler. Das auch Zeichner wie Janosch, Axel Scheffler und Quint Buchholz dabei sind, freut mich alle bei uns im Team natürlich auch.

Sie versammeln Zeichner, nicht Karikaturisten, warum?

Weil wir ein Kinderbuchverlag sind. Karikatur ist ein anderes Metier. Für „unsere“ Zeichner war es die Herausforderung schlechthin, nicht 32 Seiten, sondern nur eine Seite für eine „Geschichte“ zur Verfügung zu haben. Das macht dann auch den Reiz des Buches aus.

Aber es sind trotzdem Comic-Künstler dabei, wie ich höre.

Selbstverständlich haben wir auch Zeichner wie Isabel Kreitz, Flix, Reinhard Kleist und Barbara Yelin angesprochen, die noch keinen oder keinen ausgeprägten Kinderbuch-Hintergrund haben, sondern Comic-Küstler sind. Andere wiederum, wie ATAK, Ralph Steadman, David Hughes oder Ulli Lust, hat es gereizt, in der Tradition von „Charlie Hebdo“ selber Tabus in unserer Gesellschaft anzusprechen.

Und wirklich alle Beteiligten verzichten auf Honorar?

Das war die Bedingung. Und dafür sind wir auch dankbar. Das war aber nie ein Thema bei meinen Gesprächen.

Mit Andreas Platthaus haben Sie einen ausgewiesenen Fachmann für die Einleitung gewonnen. Wussten Sie da schon, dass er jetzt gerade in München vor den Verlagen der [AG Publikumsverlage einen richtungsweisenden Vortrag* gehalten hat?]

Nein, dass wussten wir zu dem Zeitpunkt, am 12. Januar nicht. Aber er ist die natürliche Wahl, ein Kenner der Kinderbuch- wie Comic-Szene, und ein politischer Kopf. Platthaus hat nur drei Minuten überlegen müssen und uns noch am Telefon zugesagt.

Auch die Druckerei, die Papierfabrik, die Auslieferung, der Vertrieb und der Verlag selbst verzichten auf ihre Erlöse, die Zeichner auf ihr Honorar

Auch unser Anwalt, unsere Korrektorin, unsere Lithografin. Unglaublich.

Und wofür?

Alles, was reinkommt, geht an das »Writers-in-Prison« -Programm des PEN www.writers-in-prison.de, die sich ja nicht nur um inhaftierte Autoren, sondern auch Zeichner und Karikaturisten kümmern. Da kommt also, wie man so schön sagt, zusammen, was zusammengehört.

Wie ist derzeit der Stand der Dinge, liegen Sie im Plan?

Und wie. Alles liegt bei „Livonia“, unserer Druckerei in Riga, und wird pünktlich und hoffentlich zahlreich (Liebe Buchhändler, bitte bestellt!!) im Handel sein. Infos zum Buch gibts hier.

{Die Fragen stellte Christian von Zittwitz]

* Sein Vortrag wird im kommenden BuchMarkt-Heft (Februar) abgedruckt werden.

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