Pomikalkos Auslese All die schönen Bücher… Ellen Pomikalkos Lieblingsbücher, Heft 2/2016

Pomikalko

Stefan Moster, Neringa, mare

Hier entblößt sich ein Mann von fünfzig als Einzelgänger mit Neigung zu Wutanfällen, aber auch mit einem ausgeprägten Hang zur Familienhistorie. Er lebt als Computerfachmann in London, zieht für seine von amerikanischer Übernahme bedrohte Firma Aufträge an Land, denkt über das Internet nach und über das Leben seines Großvaters, der in Mainzer Straßen Mosaikpflaster gelegt hat, den Krieg in Frankreich mitmachte, beinahe seine Frau umgebracht hätte, aber ihm ein guter Opa war. Vier Jahre Psychoanalyse haben ihm nicht geholfen, seine Beklemmungen loszuwerden. Nun, 25 Jahre später, lernt er seine Putzfrau näher kennen, die aus Litauen stammt und eine so selbstverständliche und natürliche Haltung zum Leben hat, dass er in ihr endlich einen Hafen für sich findet. Entwicklungs- und Liebesroman mit großem Anteil an Historischem, ganz ruhig und harmonisch verschränkt erzählt. (280 S., 20 Euro)

Drago Jančar, Die Nacht, als ich sie sah, Folio

Dem serbischen Kavallerieoffizier Stevo erscheint im Frühsommer 1945 seine schöne Geliebte Veronika nachts wahrhaftig neben seinem Feldbett, sieben Jahre nach ihrer Trennung. Sie wollte sich den ehernen Regeln der Zeit nicht beugen, die Frauen keine Individualität gestatteten. Nach Stevo erzählen ihre konservative Mutter, ein deutscher Arzt, die Haushälterin auf der Burg, die Veronikas Mann gehörte, und ein slowenischer Gutsverwalter und späterer Partisan die Geschehnisse während des Krieges, als das Land von Deutschen besetzt war und danach jeder, der mit Deutschen verkehrte, als Spion behandelt wurde. Was aus Veronika und ihrem Mann geworden ist, erfahren wir nicht genau, aber wahrscheinlich sind sie umgekommen. Eine Liebe in Kriegszeiten, die Welt aus unterschiedlicher Sicht betrachtet – Spiegelbild einer an Konventionen geketteten Menschheit, die wenig Gnade kennt, farbiger Abglanz einer düsteren Epoche. (188 S., 19,90 Euro)

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