Pomikalkos Auslese All die schönen Bücher… Ellen Pomikalkos Lieblingsbücher, Heft 8/2016

Pomikalko

Lyndsay Faye, Die Entführung der Delia Wright, dtv

In „Der Teufel von New York“ stellte sich Timothy Wilde als einer der ersten Polizisten der Metropole vor, in der es von barbarischen Missständen nur so wimmelte. Jetzt, 1846, ein halbes Jahr später, wird Tim mit der Praxis gnadenloser Sklavenjäger konfrontiert: Sie entführen nicht nur aus dem Süden entlaufene, sondern auch bereits freie Schwarze und verkaufen sie, ein lukratives Geschäft. Ganz in der Denkart jener Zeit erzählt uns Tim die Verhältnisse, die seither doch erheblich zivilisierter geworden sind. Wir tauchen tief ein ins Armuts- und Unsicherheitsmilieu. Tim ist nur wegen seines älteren Bruders  Polizist geworden. So füllt auch seine eigene Geschichte, die eines ebenso hilfsbereiten wie dem Mainstream verhafteten Mannes, die Seiten. Gewalt ist einfach selbstverständlich, niemand ist seines Lebens sicher – Leichen werden im Hudson entsorgt, und mancher Polizist ist nicht besser als ein Ganove. Na, das gibt es auch heute noch, aber man sieht nicht mehr darüber hinweg. Ein historischer Krimi mit viel Lokalkolorit. (451 S., 14,90 Euro)

Benedict Wells, Vom Ende der Einsamkeit, Diogenes

Da erzählt mal wieder einer von A bis Z eine Geschichte – die von drei plötzlich elternlosen Geschwistern und von der unendlichen Schülerliebe des Ich-Erzählers, samt Nebenfiguren natürlich und auch etwas Zeitbezug. Es dreht sich aber immer darum, wie es mit jedem von ihnen weiter geht, manchmal bis zum bitteren Ende, sodass es insgesamt ein Lebensratgeber ist, der uns vermittelt, man solle sein Schicksal annehmen, weil es kein anderes gibt. Ganz schön mutig für einen so jungen Autor, aber die Geschicke beweisen die Richtigkeit seiner Darstellung, die auch keiner weiteren Analyse bedarf und in dem Satz kulminiert: „Die Einsamkeit in uns können wir nur gemeinsam überwinden.“ Liest sich gut, tröstlich, anspornend. (355 S., 22 Euro)

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