Danach fragen Kunden Umgeblättert heute: „Die existenziellen Fragen des Fiktionalen“

Jeden Morgen blättern wir für Sie durch die Feuilletons der führenden Tageszeitungen – damit Sie schnell einen Überblick haben, wenn Kunden ein bestimmtes Buch suchen oder Sie nach einer Idee für einen aktuellen Büchertisch:

 

„Der vorgetäuschte Amoklauf“: Späte Schnitzeljagd: Hendrik Otrembas Roman Benito schildert die Nachwirkungen einer Flussfahrt von Pfadfindern. „Otrembas Kunst besteht darin, dass die Gedanken, Gefühle, Einsichten und Beobachtungen im Text unabhängig voneinander gelesen werden können, aber sich gleichzeitig organisch in die Rahmenhandlung einfügen. Der Schriftsteller hat sich mit der Form des Romans beschäftigt, hat einen dramaturgischen Zusammenhang erzeugt, der die Leser über fünfhundert Seiten an den Text bindet.“
  • Hendrik Otremba, Benito. Roman. (März Verlag)

„Alles beginnt mit der Heirat am 11. September“: Jessica Durlacher hält mit ihrem Roman Die Stimme sowohl Extremisten als auch der Mehrheitsgesellschaft einen Spiegel vor. „Es ist kein Buch über den Holocaust, jedenfalls kein historisches; eher zeigt der Roman Die Stimme von Jessica Durlacher subtil, wie Erfahrungen von Überlebenden die Identität ihrer Nachfahren prägen.“

  • Jessica Durlacher, Die Stimme. Roman. (aus dem Niederländischen von Annelie Bogener; Diogenes Verlag)

„Der Roggen musste den Maschinen weichen“: Vom Westen lernen: Susanne A. Wengle schreibt eine Geschichte der russischen Nahrungs- und Agrarpolitik. „Die Autorin zeigt eindrücklich, wie spezifisch und gleichzeitig global integriert das sowjetische und postsowjetische System der Nahrungsmittelproduktion war und ist und wie Politik, alltägliche kulturelle Praktiken und technologischer Wandel diese Produktionsweisen formten.“

  • Susanne A. Wengle, Black Earth, White Bread. A Technopolitical History of Russian Agriculture and Food (University of Wisconsin Press)

„Fast aufgegessen“: Andreas Ammer erzählt in seiner Naturkunde der Austern vom uralten Kampf zwischen Mensch und Molluske. „Die subtilste in der Reihe der Naturkunden ist diese nicht. Aber sie hinterlässt einen aufregenden Geschmack auf der Zunge.“

  • Andreas Ammer, Austern. Ein Porträt. (Matthes & Seitz)

„‚Ich habe euch ja erfunden'“: Peter Stamm wird zu seiner eigenen Romanfigur. „In einer Phase der Gegenwartsliteratur, in dem das autofiktionale Schreiben sich auf einem Höhepunkt (und damit möglicherweise auch am Beginn einer Krise) befindet, öffnet Peter Stamm sich und sein Werk so überraschend wie überzeugend für die existenziellen Fragen des Fiktionalen: Wer hat im Prozess des Erfindens Macht über wen? Ist die Erfindung zugleich eine Lüge und mithin ein moralisch verwerflicher Akt?“

  • Peter Stamm, In einer dunkelblauen Stunde. Roman. (S. Fischer)

„Lieber Gott, lass ihn harmlos bleiben“: Marilynne Robinson hat nun doch dem verlorenen, missratenen Sohn einen eigenen Roman gewidmet. „Robinson hat Jack nicht verloren, wie sie es befürchtete. Vielmehr hat er sich in den Vordergrund gedrängt. So dass diese Rezensentin findet, dass Jack ein schwächerer Roman ist als seine unglaublich eleganten, unglaublich bewegenden drei Vorgänger. Zum einen weil sehr vage bleibt, warum Della, hübsch und klug, sich in einen solchen Versager – wenn auch einen Versager mit Manieren – verlieben sollte. Zum anderen, weil Jack etwas ermüdend um sich, seine Skrupel, seine Schwächen kreist. Man kennt diesen Typ Mann.“

  • Marilynne Robinson, Jack. Roman. (a. d. Engl. v. Uda Strätling; S. Fischer)
Kommentare (0)

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert