Kaffeehaussitzers Netzrückblick Fundstücke aus den Literaturblogs – Januar 2021

Uwe Kalkowski

Irgendwie ist es immer das Gleiche: Den ganzen Monat über sammle ich Beiträge aus den Literaturblogs und nehme mir vor, dass ich ja schon einmal mit der Kolumne anfangen und sie entspannt nach und nach fertigstellen könnte. Dann bricht plötzlich und vollkommen unerwartet der Abend vor dem letzten Werktag des Monats an – an welchem der Text online gehen soll – und ich beginne hektisch mit dem Tippen. So wie jetzt. Aber dafür sind es auch dieses Mal wieder etliche empfehlenswerte Texte zusammengekommen.

Es beginnt mit einer handverlesenen Lyrik-Vorschau: Marina Büttner hat die Verlagsprogramme durchforstet und stellt in ihrem Blog Literatur leuchtet die Lyrik-Titel des Frühjahrs vor, die ihr besonders aufgefallen sind. Eine wahre Fundgrube.

Noch ein wunderbar vielseitiger Ausblick: Unter dem Titel »21 Bücher für 2021« haben Nadine Wichmann und Alexander Olier in ihrem Blog Letusreadsomebooks eine abwechslungsreiche Lektüreauswahl getroffen.

Florian Wernicke und Pascal Mathéus haben für ihren Blog Aufklappen mit der Autorin Iris Wolff gesprochen, deren Roman »Von der Unschärfe der Welt« letzten Herbst in aller Munde war. Herausgekommen ist dabei ein äußerst sympathisches Interview über Poetik, über Literaturpreise und die Grenzen der Sprache.

Im gleichen Blog gibt es einen Beitrag mit dem Titel »Wrestling und Literatur«. Klingt schräg? Ist aber sehr lesenswert.

Im Blog novelero stellt Sandro Abbate den Sammelband »Klassismus und Wissenschaft« vor – denn es wird wieder über Herkunft und Klasse geredet. Die Erfolge der Bücher »Rückkehr nach Reims« von Didier Eribon oder »Ein Mann seiner Klasse« von Christian Baron sprechen dabei für sich.

Ein Literaturpreis wurde verliehen: Der Blog Das Debüt kürte den besten Debütroman des Jahres 2020. Insgesamt waren 61 Werke eingereicht, die siebzehnköpfige Bloggerjury las sich durch 16.977 Seiten – und wählte »Streulicht« von Deniz Ohde zum Siegertitel. Herzlichen Glückwunsch!

Eine der Bloggerinnen in der Das Debüt-Jury war Marion Rave. In ihrem Blog schiefgelesen schreibt sie, dass für sie »Streulicht« ein starker Roman ist, sie aber ein anderes Debüt aus der Shortlist noch besser fand. Welches? Und warum? Das steht im Blogbeitrag.

Auch in meinem eigenen Blog gab es im Januar ein Interview. Anlässlich der Neuübersetzung von Ray Bradburys »Fahrenheit 451« sprach ich mit dem Übersetzer Peter Torberg über seine Arbeit. Außerdem habe ich im Blog ein neues Verzeichnis eingeführt: Bislang gab es ein Autoren- und ein Verlagsregister der auf Kaffeehaussitzer vorgestellten Bücher. Hinzugekommen ist nun ein Register der genannten Übersetzerinnen und Übersetzer – denn ihnen habe ich zahlreiche intensive Leseerlebnisse zu verdanken. Was mich besonders gefreut hat: Marius Fränzel, der den von mir sehr geschätzten Blog Bonaventura betreibt, fand die Idee so gut, dass er spontan ebenfalls ein Register der Übersetzerinnen und Übersetzer angelegt hat, deren Werke auf seinem Blog besprochen werden. Vielleicht ziehen ja noch mehr nach?

Die Krimi-Bestenliste ist seit 2005 eine Institution. Nun hat sich die FAZ als einer der beiden aktuellen Träger des Projekts verabschiedet, so dass die Liste momentan alleinig über Deutschlandfunk Kultur läuft. Im Blog crimenoir gibt es eine leidenschaftliche Würdigung dieser Orientierung schaffenden Liste und der damit verbundenen Arbeit – mit der Hoffnung, dass sie noch viele Jahre existieren möge. Einem Wunsch, dem ich mich unbedingt anschließe.

Die politischen Entwicklungen in den USA waren eines der wichtigsten Gesprächsthemen im Januar. Im Blog Drittgedanke gibt es einen sehr lesenswerten Text über die USA – allerdings nicht über die aktuellen Vorkommnisse, sondern über ein Land, das schon längst verschwunden ist. Im Zentrum des Beitrags steht John Steinbeck mit seinen Werken »Straße der Ölsardinen« und »Früchte des Zorns«.

punctum heißt die Essay-Reihe des Verlags Matthes & Seitz. Im Blog Poesierausch berichtet Stefan Diezmann von der Lektüre dreier punctum-Bände und ist vollkommen begeistert: »Weiblicheit im Aufbruch« von Nora Amin, »Julies Leben« von Emmanuel Carrère und »African Dream« von Linda Tutmann. Ein Blogbeitrag, der sehr neugierig macht.

Immer einen Besuch wert ist der Blog Wortgelüste von Lena Stöneberg und Nicola Kammer. Im Januar hat mir die Besprechung von Anne Webers »Annette, ein Heldinnenepos« gut gefallen – und mich daran erinnert, dass ich dieses Buch endlich lesen muss. Bereit liegt es schon.

Im Blog A Readmill Of My Mind gibt es die schöne Rubrik »Letzte Sätze« – und was könnte besser passen, um diesen Netzrücklick abzuschließen. Im Januar ausgewählt hat Blogger Achim Spengler den Schluss des Romans »Ich erwarte die Ankunft des Teufels« von Mary MacLane.

Für Februar erwarte ich allerdings lieber die Ankunft besserer Nachrichten. In diesem Sinne: Passen Sie auf sich auf.

Uwe Kalkowski ist seit über 25 Jahren in der Buchbranche tätig und kennt sie aus unterschiedlichen Perspektiven: Als Buchhändler, als Absolvent des Studiengangs Verlagswirtschaft in Leipzig und als Mitarbeiter verschiedener Verlage. Seit August 2019 arbeitet er als Produktmanager für den Eichborn Verlag. In seinem Blog Kaffeehaussitzer schreibt er über Bücher, Literatur und Leseerlebnisse und stellt in der monatlichen Kolumne »Kaffeehaussitzers Netzrückblick« auf buchmarkt.de lesenswerte Fundstücke aus den unterschiedlichsten Literaturblogs vor. »Vollkommen subjektiv, handverlesen und rein persönlich ausgewählt – ohne Anspruch auf Vollständigkeit, denn eine solche kann es in einer so vielschichtigen Szene gar nicht geben«, wie er sagt.

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