Kaffeehaussitzers Netzrückblick Fundstücke aus den Literaturblogs – September 2021

Uwe Kalkowski

Ehrlich gesagt freue ich mich jetzt schon auf den letzten Satz dieser Kolumne, in dem ich fragen werde, ob wir uns auf der Frankfurter Buchmesse sehen – etwas, das vor einem Jahr undenkbar war und jetzt zumindest in eingeschränkter Form in greifbare Nähe rückt. Aber bis zu diesem letzten Satz gibt es noch etliche lesenswerte Fundstücke aus den Literaturblogs vorzustellen.

Im September wurde die Shortlist des Deutschen Buchpreises bekannt gegeben. Für alle, die sich über die nominierten Titel auf einen Blick informieren möchten, hat Friederike Kipar auf Die Buchbloggerin eine Übersicht über die bisher erschienenen Rezensionen zu den Shortlisttiteln zusammengestellt.

Eigentlich stand der 9. Mai 2020 als Termin für die 2. Kölner Literaturnacht, aufgrund der bekannten Ereignisse musste sie zwei Mal verschoben werden – doch am 18. September 2021 war es endlich so weit. Das Veranstaltungskonzept wurde natürlich den Gegebenheiten angepasst, doch trotzdem war es ein Abend voller Literatur. Oder wie es die dort auftretende Melanie Raabe ausdrückte: »Es hat so gut getan.« Martin Oehlen ließ sich durch die Veranstaltungen treiben und berichtet im Blog Bücheratlas darüber.

Am 11. September 2021 jährte sich der Tag, der unsere Welt veränderte, zum zwanzigsten Mal. Das Buch »Und auf einmal diese Stille« von Garrett M. Graff ist mit seiner beeindruckenden Sammlung von Zeitzeugenberichten eines der wichtigsten Werke zu den dramatischen Ereignissen an diesem Tag. In meinem Blog Kaffeehaussitzer stelle ich es vor.

Literaturpalast-Blogger Tino Schlench hat sich auf Literatur aus Osteuropa spezialisiert. Im September war er vier Wochen in der Ukraine zu Gast, um das Paul-Celan-Literaturzentrum bei der Ausrichtung des Internationalen Lyrikfestivals Meridian Czernowitz zu unterstützen. Im Blog gibt es einen spannenden Reisebericht und wunderbare Bilder – große Leseempfehlung.

Jeder einzelne Band der Reihe Naturkunden aus dem Verlag Matthes & Seitz ist ein Schmuckstück. Im Blog Leselebenszeichen stellt Ulrike Sokul den Band 61 vor: »Hanf« von Ute Woltron. Mit faszinierenden Erkenntnissen; ich zumindest wusste nicht, dass die Gutenberg-Bibel auf Hanfpapier gedruckt wurde.

Mareike Fallwickl schafft es, in ihrem Blog Büchwurmloch kurze und knackige Buchbesprechungen zu schreiben, die perfekt auf den Punkt kommen. Das ist eine große Kunst, die ich leider gar nicht behersche; bei mir werden die Buchvorstellungen von Jahr zu Jahr länger. Schöne Beispiele aus Bücherwurmloch sind im September die Besprechungen der Romane »Raumfahrer« von Lukas Rietzschel oder »Götterfunken« von Hannes Köhler.

Zu »Götterfunken« gibt es auch im Blog literaturundfeuilleton eine lesenswerte Rezension. Das Buch liegt bei mir schon bereit, und nachdem mich Hannes Köhlers »Ein mögliches Leben« schon sehr begeistert hat, bin ich umso gespannter auf den neuen Roman.

Im Blog Kulturgeschwätz seziert Katharina Herrmann den Roman »Das Dämmern der Welt« von Werner Herzog und zeigt gekonnt die Problematik der Herangehensweise des Autors an den historischen Stoff auf. Ein sehr empfehlenswerter Blogbeitrag über neuen Midcult und pathetischen Existenz-Kitsch. Unbedingt lesen!

Sören Heim nimmt sich in seinem Blog Christian Krachts »Eurotrash« vor. Und es bleibt dabei kein Stein auf dem anderen, angefangen mit einem Rückblick auf das Phänomen der »Popliteratur«, die literarisch gesehen nichts weiter gewesen sei, als »ein popkultureller Marketing-Hype für schlechte Texte«. Ich selbst mochte »Faserland« sehr gern, aber das hatte eher persönliche Gründe.

Birgit Böllinger, deren Blog jetzt schon länger nicht mehr Sätze & Schätze heißt, stellt den Gedichtband »strände. warum sie mich kaltlassen« von Wanda Coleman vor. Eigentlich habe ich keinen richtigen Zugang zu Lyrik, aber diese Buchbesprechung klingt so interessant, dass ich mir den Band wohl unbedingt anschaffen muss.

Im Blog Fräulein Julia, der seit einiger Zeit den Untertitel »Berlin-Journal« trägt, schreibt Julia Schmitz über eine Wiederentdeckung: Im Manesse Verlag erschien als Neuausgabe der Roman »Sodom und Berlin« von Yvan Goll aus dem Jahr 1929. Ein wilder Ritt durch Zeit und Raum.

Im September fand das 21. Internationale Literaturfestival Berlin statt – dieses Jahr wieder live. Einen Eindruck davon geben die Berichte im Blog intellectures von Thomas Hummitzsch – einmal zum Auftritt von Aleksandar Hemon sowie zum Auftritt von Maaza Mengiste und C Pam Zhang.

Pascal Mathéus und Larissa Plath haben vor einigen Wochen im Blog Aufklappen die Interviewreihe »Kritik der Kritik der Kritik« gestartet, in der sie die unterschiedlichsten Menschen befragen, die mit Literaturkritik zu tun haben. Für die September-Folge hatte ich die große Freude, ihnen Rede und Antwort zu stehen; es war ein Gespräch, das viel Spaß gemacht hat. Und unter anderem ging es auch darum, wie diese Kolumne zustande kam.

Damit komme ich zum Schluss und darf endlich den Satz schreiben, auf den ich mich eingangs schon gefreut habe: Sehen wir uns auf der Frankfurter Buchmesse?

Es würde mich freuen.

Uwe Kalkowski ist seit über 25 Jahren in der Buchbranche tätig und kennt sie aus unterschiedlichen Perspektiven: Als Buchhändler, als Absolvent des Studiengangs Verlagswirtschaft in Leipzig und als Mitarbeiter verschiedener Verlage. Seit August 2019 arbeitet er als Produktmanager für den Eichborn Verlag in Köln. In seinem Blog Kaffeehaussitzer schreibt er über Bücher, Literatur und Leseerlebnisse und stellt in der monatlichen Kolumne »Kaffeehaussitzers Netzrückblick« auf buchmarkt.de lesenswerte Fundstücke aus den unterschiedlichsten Literaturblogs vor. »Vollkommen subjektiv, handverlesen und rein persönlich ausgewählt – ohne Anspruch auf Vollständigkeit, denn eine solche kann es in einer so vielschichtigen Szene gar nicht geben«, wie er sagt.

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