Der Messe-Mayer Tag Eins: Presse, Gerümpel & die üblichen Verdächtigen

L i e b e F r e u n d e ,

willkommen zur 61. Frankfurter Buchmesse!

Ich hatte die Freude und die Pflicht (naja, und die Eintrittskarte), bereits am gestrigen Dienstag vor Ort zu sein, um der Eröffnungskonferenz zuzuhören, den weiteren Aufbau der Stände zu stören und dem feierlichen, traditionellen Altbieranstich am BuchMarktStand beizuwohnen.

Mein Name ist Matthias Mayer, und ich werde Ihnen für die gesamte Dauer der Messe jeden Morgen einen frischen Bericht vom Vortag liefern. Und der heutige begann für mich mit keinem Kaffee.

E r ö f f n u n g s k o n f e r e n z

Kein Kaffee! Letztes Jahr, beim Gastland Türkei, da gab es Kaffee. Anstelle eines Kaffees bekam ich diesmal eine Leibesvisitation angeboten, na gut, das hat mich auch wach gemacht, okay. Aber das bringt ein kontroverses Gastland eben so mit sich. Da freut man sich schon richtig auf Island, höhö.

Doc Honnefelder, Señor Badenes, Chief Boos

Pressesprecher Thomas Minkus, Messedirektor Juergen Boos und den Verbandsvorsitzenden Dr. Gottfried Honnefelder kennen Sie ja. Das sind die, die immer da sind. (So ähnlich hat Thomas Minkus das auch gesagt.) Gastredner war diesmal der spanische Verleger Jésus Badenes von der Planeta Group.

Die Türkei wurde letztes Jahr an dieser Stelle zufällig durch Paulo Coelho vertreten. Die Gastländer werden zum Presseauftakt anscheinend nur noch von Spaniern repräsentiert. Da habe ich nichts dagegen, das macht mir gar nichts aus. Ich hatte nur dort irgendwie eher mit einem Chinesen gerechnet, wo plötzlich jedes Jahr ein Spanier sitzt.

Honnefelder verteilte die Themen Urheberrecht, Krise, Digitales, Leselust und Meinungsfreiheit auf eine Zehn-Punkte-Liste, obwohl es nur fünf Themen sind. Beim Thema Meinungsfreiheit hört man einen einzelnen Journalisten zaghaft applaudieren, bevor er es aufgibt.

Juergen Boos‘ Rede behandelt nach den vergangenen Angriffen der Presse relativ präzise die Rechten und Pflichten einer Buchmesse. Die Buchmesse sei nicht die UNO, sagt er. Auch Thomas Minkus nickt. Zwar nur im Nanometerbereich, aber es war ein Nicken.

Ich bemerke, dass auf Dr. Honnefelders Schild im Wort „Bokseller“ das zweite „o“ fehlt.

…und das muss ich natürlich gleich petzen.

Dann ist der Gastredner dran. Jésus Badenes hält seine Rede in astreinem Antonio-Banderas-Englisch, also im Ganzen unverständlich und ein paar Seiten zu lang, aber dafür war seine Stimme sexy.

Sexy Head & Sexy Voice: Minkus und Badenes

Mein Nebenmann tippt mich erstaunt an: Ihm sei plötzlich aufgefallen, dass Badenes kein Chinese ist.

Die Redentexte von Honnefelder und Boos wurden vorsichtshalber nur auf Englisch an die Presse gegeben.

Während der Rede klingelte einem Journalisten das Handy im Jackett. Es klingelte laut und deutlich aus seiner Innentasche heraus; so laut, dass wir Umsitzenden es problemlos orten konnten. Aber der Kollege reagierte nicht auf die Melodie. Wahrscheinlich dachte er, es sei ein fremdes Handy, das da aus seiner Innentasche dröhnt, so dass er nicht rangehen müsse.

Juergen Boos sagte dann freundlich zu dem Herrn „Da ruft jemand an“, und aus einer der hinteren Reihen rief es „Peking ist dran!“

…So… und dann noch der Radetzkymarsch…

Am Ende gestattet Thomas Minkus wie immer drei Fragen. Auf den Teil freue ich mich immer am meisten, aber ich hatte es noch nie erlebt, dass absolut gar keiner eine Frage stellen wollte. Weil keiner wollte, wurde sogar noch eine vierte genehmigt.

Minkus reagierte souverän und wartete. Unter dem Lauern des Pressesprechers brachen bald die üblichen Verdächtigen zusammen: Die erste Kollegin wollte wissen, warum Boos so oft lächle. Die zweite korrigierte die Redner in ihrem Gebrauch der Begriffe „Copyright“ und „Urheberrecht“, und die dritte hatte aber dann doch eine vernünftige Frage gestellt.

Eine Kollegin sagte zu mir: „Ob regimekritisch oder nicht, die sind alle schwer auszusprechen.“ Lao-Tse persönlich hätte das nicht besser auf den Punkt bringen können.

Das beste und verständlichste Englisch kam von einem Kollegen aus Moskau; und eine ausländische Journalistin sprach des Messedirektors Namen „Mr. Booze“ aus. Und wenn man also die alkoholische Neigung der Journalisten- und Buchhandelsbranche zugrundelegt, ist das doch hübsch gesprochen, oder?

A u f b a u

In den Messehallen sieht es am Pressedienstag immer fast aus wie bei mir unterm Sofa. Da sich am Eröffnungstag alles umso glatter präsentiert, gefallen mir diese rustikalen Anblicke immer sehr gut.

Die heimelige Halle 3.0
Die prächtige Halle 3.1

Bei Collection Rolf Heyne treffe ich Jürgen Welte und Alexander Stauch guter Dinge an.

Genuß und Lebensart, soweit das Auge reicht

Entweder das, oder das Resopal muss noch ausdünsten. Apropos gute Dinge: Nach all den Hardcore-Fotobildbänden bringt Edition Reuss mit „Cats to love“ einen ganz und gar knuddeligen Katzenbildband heraus:

Miau.

Dass Matthias Reuss nun echte Muschis fotografieren lässt, ist sicher eine konsequente Fortführung seiner bisherigen Tabubrüche.

Und hier sehen Sie die Honnefelders bei der Arbeit: Der Honnefeldersche Verlag Berlin University Press hat schließlich auch einen Stand hier, und da wird noch ordentlich selber zugepackt.

Der Papa wird´s schon richten

Ich wünschte, ich hätte auch einen eigenen Stand. Der müsste gar nicht groß sein. Aber er hätte einen Stuhl und eine Kaffeemaschine.

Und ein Raucherzimmer. Bevor die Messe offiziell losgeht, wird hier nämlich nach wie vor geraucht wie wild. Ich besuche – wie jedes Jahr – meinen Auftaktverlag Eichborn, wo am Dienstag unbedingt noch das Pensum der ganzen Woche weggeraucht werden musste.

Leider ist das schwarze Eichbornsofa nicht mehr da. Der ganze Stand und das ganze Logo sind runderneuert. Aber die Damen sind wenigstens noch in vertrauter Qualität vorhanden und wegen des beispiellosen Erfolges der Simplicissimus-Ausgabe auch gut gelaunt:

Eich und Born:
Uta Niederstraßer, Daniela Ebeling

Später treffe ich Frau Ebeling noch, wie sie eine Vitrine zu bestücken hat und Messestandnummernschreibweisen ausprobiert.

Und irgendwer muss es ja machen.

Und endlich bin ich mal mit dem blauen aspekte-Sofa allein! Das wollte ich schon immer mal anprobieren!

…und es steht mir so gut!

Aber nun sei Schluss mit dem Unfug, denn am Nachmittag stieg die große Eröffnungsfeier im Congresscenter! Angela Merkel hielt eine Rede. Die hätte ich zu gerne gehört, aber ich hatte einen noch wichtigeren Termin auf dem Radar: Den Altbieranstich am BuchMarktStand.

Congress Center ohne Angela Merkel und ohne mich

A l t b i e r a n s t i c h

Der Altbieranstich ist eine feste Tradition meines Arbeitgebers: Nach getanem Messestandaufbau lassen wir ein paar Fässer Altbier springen, und an unserem Stand finden sich viele durstige Seelen ein. Teils neue, teils doch immer wieder dieselben alten Schluckspechte.

Hier sind ein paar neue, die ich noch nicht fotografiert hatte:

sozusagen der Leipzigboos (links)

Den Direktor der Leipziger Messe, Thomas Zille, hatte ich zum Beispiel noch nicht vor der Linse, hier flankiert von Dr. Ulrich Janetzki vom Literarischen Colloquium Berlin und dem Hausmeister (rechts). Aber weil Zille und Janetzki die Merkelfeier im Gegensatz zu mir nicht versäumen wollen, machten sie sich rasch von dannen.

Aber den Hausmeister haben sie hier gelassen.

Hier zum Beispiel steht er neben Bernd Weidmann vom Verlag Die Werkstatt, weil der sich nicht ausweisen wollte. Ich musste seinen Namen extra googeln.

Ente á l´Orange (links), Weidmann (rechts)

Weiter unten sehen Sie den Eichborn-Werbeleiter Bernd Spamer (rechts), wie er sich über ein leeres Brezn-Blech echauffiert.

Das ist doch kein Leben!

Natürlich habe ich das leere Tablett sofort auffüllen lassen. Wie übrigens auch die Becher aller Umstehenden.

(Bäh, mir war gar nicht aufgefallen, dass auf dem Papier „Sehne“ steht.)

„Aus den Räumen unserer Redaktion“
(typischer WebCamSpruch)

Tim von Zittwitz und Carolina López an der Schießscharte, äh, Zapfanlage, hicks.

Unsere Stamm-, Haus- und Hofgäste wurden zu diesem Zeitpunkt bereits hinreichend von unserer Fotografin Annette Schaper und unserer reizenden Frau Faure abgelichtet, daher muss ich an dieser Stelle keinen Wert mehr auf lückenlose Bilddokumentation legen.

Aber in manchen Fällen ließ sich ein Foto einfach nicht vermeiden, und deshalb sehen Sie auch dieses Jahr wieder beispielsweise den lieben Holger Ehling, wie er von Frau Schaper und mir in die fotografische Zange genommen wurde.

Mexican Shoot Out

Herr Ehling hat übrigens im Links-Verlag sein neuestes Werk verlegt: „England, glorious England“.

Über einen bombastischen Erfolg kann sich auch Dr. Christian Sprang freuen, der endlich seine Todesanzeigensammlung zwischen zwei Taschenbuchdeckel bei KiWi gepresst hat. („Aus die Maus“)
Die ganze Branche bekniet ihn seit Jahren, dass er das Zeugs endlich mal drucken lässt, und dann tut er noch so überrascht. Jedenfalls freue ich mich für ihn.

Pietät ist ja auch was anderes

Zumindest bis zu dem Moment, als er mich fragt, ob ich nicht auch mal wieder ein Buch schreiben möchte. Denn nur eine unwesentliche Sekunde früher fragte mich Bodo Horn-Rumold vom Baumhaus-Verlag, ob er mir meine unverkauften Mayerbücher irgendwann mal vor die Haustür schütten dürfe. Ich müsse auch nichts bezahlen, Hauptsache, er kriegt endlich wieder Platz im Keller.

Da trinke ich doch lieber mit Suhrkamp und Mare. Ich dachte ja, Suhrkamp und ich sind keine Freunde mehr, seit ich mich über das äußere der neu relaunchten Suhrkamp-Taschenbücher lustig gemacht hatte.

Trinken ist also doch eine Zweibahnstraße

Aber Florian Andrews (links) bestätigt meine Harmlosigkeit, und Michael Geißler (rechts) lädt mich sogar zum Kaffee bei Suhrkamp ein, weist mich allerdings im selben Atemzug darauf hin, dass BLV die Jura-Kaffeemaschine für die Messe frisch entkalkt hat.

Ich werde das testen. Die Freundschaft bei Suhrkamp und den Kaffee bei BLV. Obwohl, den Kaffee probiere ich natürlich bei Suhrkamp auch.

Zum Abschluss des Abends stoße ich mit Nicola Bardola an.

Hoffentlich weiß er, dass man eine Brezn nicht trinken kann

Auch so einer, dessen Buch sich spitze verkauft, nur weil das Wort „Biss“ im Titel vorkommt.

Ich versuche, das Neidgrün, das mich befallen will, auf die verhassten orangefarbenen T-Shirts umzulenken und kann somit wenigstens mal eine Alternative anbieten:

Frau Camen wollte ja lieber Nachtblau

Naja, wenigstens kommt der Sperber erst morgen, das ist ja auch schon mal ein Trost. Der hat sich nämlich beklagt, dass ich immer nur von drinnen berichte und nicht so sehr von draußen.

Das, lieber Herr Sperber, liegt ein ganz klein wenig daran, dass die Messe mehr größtenteils als zufällig in den Messehallen stattfindet und nicht in der harschen Oktoberkälte.

Ich wünsche Ihnen allen einen schönen Messe-Auftakt!

Berühmte chinesische Autoren, Teil 1:
Lang Lang

Schreiben Sie mir, wenn Sie mir einen guten Kaffee empfehlen können.

Ihr

Matthias Mayer

Post: herrmayer@hotmail.com
Seite: www.HerrMayer.com

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