Verlage Sascha Nicoletta Simon: „Es ist zugleich beglückend und ermutigend, zu erleben, mit welcher Energie und Fantasie Sie der Pandemie trotzen“

Die Verleger-Blicke in den Editorials der aktuellen Vorschauen wollen wir weiter mit Ihnen teilen, die Serie „Aus der Werkstatt der Verlage“ geht deshalb in loser Folge weiter. Heute schreibt  Sascha Nicoletta Simon (ebersbach & simon) zu ihren Novitäten Herbst 2020: 

Sascha Nicoletta Simon: „Angesichts dessen beschleicht uns wachsendes Unbehagen, der Blick zurück in Weimarer Zeiten drängt sich auf … Ist dies womöglich der letzte Tanz auf dem Vulkan? Wiederholt sich die Geschichte?“ (c) Axel Gehrke

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

„Wenn ich mit einem neuen Buch die Straße entlanggehe, spüre ich es wie warmes Gold und weiß, dass ich nur eine Mußestunde und einen bequemen Sessel brauche, um in höhere Gefilde aufzusteigen“, schwärmte einst Madge Jenison, Gründerin der legendären New Yorker Buchhandlung The Sunwise Turn. Tröstliche Worte, besonders in wilden und düsteren Zeiten wie diesen, in denen uns die Literatur gleichsam Labsal und Lebenselixier, Zufluchtsort und Seelenbalsam ist.

Dass wir Verlage im aktuellen Krisenjahr von der gesteigerten Leselust profitieren konnten, haben wir nicht zuletzt Ihrer Kreativität und Ihrem unermüdlichen Engagement zu verdanken, liebe Kolleginnen und Kollegen im Buchhandel. Es ist zugleich beglückend und ermutigend, zu erleben, mit welch enormer Energie und Fantasie Sie der Pandemie getrotzt haben und es wieder tun – dafür an dieser Stelle ein riesengroßes Dankeschön!

Während wir weiterhin mit der Pandemie und ihren Folgen, mit Digitalisierung, Struktur- und Klimawandel ringen, grassieren Verschwörungstheorien, völkisches Denken wird zunehmend wieder diskursfähig und die Spaltung der Gesellschaft schreitet weiter voran. Angesichts dessen beschleicht uns wachsendes Unbehagen, der Blick zurück in Weimarer Zeiten drängt sich auf … Ist dies womöglich der letzte Tanz auf dem Vulkan? Wiederholt sich die Geschichte?

Allen, die gern ein wenig tiefer im Zeitgeist der wilden Zwanzigerjahre schürfen, nicht zuletzt, um zu erkennen, dass wir trotz aller Krisen von Weimarer Verhältnissen weit entfernt sind, möchten wir unseren aktuellen Spitzentitel ans Herz legen: „1929 – Frauen im Jahr Babylon“ von Unda Hörner. Gekonnt verwebtdie Autorin Lebenswege berühmter Frauen und historische Ereignisse zu einer atmosphärisch dichten Erzählung, fesselnd wie ein Roman. Eine faszinierende Zeitreise in zwölf Monatskapiteln auf den Spuren legendärer Zeitgenossinnen, darunter Vicki Baum, Marlene Dietrich, Lotte Lenya, Erika Mann, Gabriele Tergit u.v.m.

Durch Klick …
… zur Vorschau

Auch der neue Roman „Himmel auf Zeit“ von Karen Grol, ein einfühlsames Porträt der vergessenen Künstlerin Anita Rée, führt uns in die 1920er und 1930er Jahre. Die gebürtige Hamburgerin mit jüdischen Wurzeln, eine Wandlerin zwischen den Welten, erwarb sich mit ihrem Werk große Anerkennung in der Kunstwelt, bis die Zeitläufte sie zunehmend ausbremsten und ihr 1933 schließlich nur noch ein Ausweg blieb.

Welch existentielle Rolle die Liebe zur Literatur im Leben von Milena Jesenská, Olga Iwinskaja und Ingeborg Bachmann einnahm, zeigt indes Simone Frieling in ihrem aktuellen blue notes-Band „Dichterpaare. Lass uns Worte finden“: Drei außergewöhnliche Frauen, die ihren eigenen Weg gegangen sind, in Krisen- und Kriegszeiten, die sich der Liebe zur Literatur nicht nur selbst kompromisslos verschrieben hatten, sondern sich zugleich mit ihrer ganzen Existenz auch für die Werke ihrer Gefährten Franz Kafka, Boris Pasternak und Paul Celan einsetzten. Drei faszinierende Dichterpaare, deren Liebe leuchtende Spuren in der Weltliteratur hinterlassen hat.

Wir freuen uns schon jetzt, bald wieder gemeinsam mit Ihnen die Literatur zu feiern – ganz ohne Abstand, vis-à-vis vor Ort, in Leipzig, Frankfurt oder bei einer Veranstaltung in Ihrer Buchhandlung.

Bis dahin wünschen wir Ihnen von Herzen alles Gute, bleiben Sie unverdrossen und gesund!

Herzlichst,

Ihre

Sascha Nicoletta Simon

Zuletzt brachten wir das Editorial von Monika Schlitzer (DK Verlag)

Kommentare (0)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.