Deborah Klein erklärt, wie der Trend einer eigenen App neue Zielgruppen und Möglichkeiten schafft „Eine eigene App als Markenschild spricht für sich, das gilt für Autoren, aber auch für Verlage und Buchhandlungen“

Im digitalen Zeitalter gehören Apps auf dem Smartphone zum täglichen Gebrauch. Doch wie steht es im Bereich Literatur um das App-Angebot auf dem Smartphone oder Tablet? Derzeit verfügen wenige Autoren oder Verlage über eine eigene App, dabei ist der Weg bis zur Veröffentlichung nicht weit. Fest steht: Das Smartphone ist für die meisten Menschen ein ständiger Begleiter – warum dann die Leserschaft nicht über eine eigene App an sich binden? Deborah Klein ist als freie PR-Beraterin tätig und erklärt im Sonntagsgespräch, wie der Trend einer eigenen App neue Zielgruppen und Möglichkeiten schafft.

Deborah Klein: „Das App-Format kann ähnlich wie bei einer exklusiven Serie über einen Streaming-Dienst funktionieren, sodass der Autor beispielsweise jeden Donnerstag ein neues Kapitel zu einem exklusiven Buch der App veröffentlicht. Dieses Vorgehen bindet den Leser konstant an die App und der Community-Charakter wird gestärkt. Kurz gesagt: Mit einer App ist der Autor dem Leser ganz nah und umgekehrt“

In der Buchbranche gibt es vergleichsweise wenige Unternehmen, die über eine eigene App verfügen. Wie kann dann ein einzelner Autor eine eigene App für sich erstellen?

Deborah Klein: Eine App ist heutzutage nichts Ungewöhnliches mehr, aber kaum jemand weiß, wie man eine App überhaupt entwickelt. Oftmals entsteht der Eindruck, nur mit Fachkenntnissen eine funktionierende und kompatible App zu entwickeln. Hier ist in den letzten Jahren einiges in der Startup-Szene passiert, um die Erstellung einer eigenen App zugänglich zu machen. Vor allem Autoren, darunter viele Selfpublisher, sind sehr kreativ in ihren PR-Tätigkeiten und hier ist ein Trend zu beobachten: Die Erstellung einer eigenen Autoren-App, um seine Bücher, Projekte und Veranstaltungen gebündelt an einem Ort anzubieten. Der App-Nutzer erhält somit eine direkte und exklusive Bindung zum Autor, da die App sich hervorragend für exklusive Inhalte wie Leseproben, Zusatzkapitel oder Schreibprozesse anbietet.

Was genau kann der Autor in der App anbieten?

Mittlerweile ist es möglich, ganz ausgefallene Features in eine App integrieren zu lassen. Vielen ist gar nicht bewusst, wie sie ihre eigene App einsetzen können, um die eigene Marke auf das nächste Level zu bringen. Im digitalen Zeitalter können selbst ältere Menschen oft problemlos mit dem Smartphone umgehen und somit auch eine App nutzen. Die Zielgruppe ist also enorm. Für Autoren ist alles rund um das eigene Bücherregal interessant wie neue Buchprojekte, Lesungen, Veranstaltungen, Interviews oder auch exklusiv für die App kreierten Lesestoff. Das App-Format kann ähnlich wie bei einer exklusiven Serie über einen Streaming-Dienst funktionieren, sodass der Autor beispielsweise jeden Donnerstag ein neues Kapitel zu einem exklusiven Buch der App veröffentlicht. Dieses Vorgehen bindet den Leser konstant an die App und der Community-Charakter wird gestärkt. Kurz gesagt: Mit einer App ist der Autor dem Leser ganz nah und umgekehrt.

Buchhandlungen und Verlage haben in der Regel Online-Angebote über die Website und im Bereich Social Media. Ist das nicht ausreichend?

Eine eigene App als Markenschild spricht für sich, das gilt für Autoren, aber auch für Verlage und Buchhandlungen. Sie repräsentiert das Unternehmen und positioniert es als modern und fortschrittlich. Das daraus resultierende „moderne Image“ ist zukunftsweisend, dennoch sollte der Nutzer und auch der Anbieter stets einen Vorteil durch die App erhalten. Dazu gehören Faktoren wie Produktauswahl, Angebote via Push-Nachrichten, verbesserte Kundenkommunikation, Neukundenakquise und auch ein verbesserter Workflow.

Wie kann man die App in der Praxis anbieten und seine Leser erreichen?

Die App bringt dem Anbieter nur dann etwas, wenn sie auch genutzt wird. Daher sollte der erste Schritt darin bestehen, die Leser und Kunden darauf aufmerksam zu machen. Hier können soziale Medien, die eigene Website oder auch Pressearbeit die Sichtbarkeit erhöhen. Das Laden bzw. der Kauf der App sollte zu Beginn mit einem „Goodie“, also letztlich einem exklusiven Bonus honoriert werden, um somit einen Anreiz zu schaffen. Die App läuft dann ideal als iPhone-App, aber auch auf den anderen großen Betriebssystemen wie Android und Windows Phone.

Wie hoch ist der Aufwand für den Autor?

Es gibt einige entscheidende Faktoren, die bei der Preisgestaltung eine wichtige Rolle spielen. Vor allem mit der Frage verbunden, was die App anbieten soll. Hier braucht es in der Regel ein fundiertes Konzept, damit es auch zum Profil passt. Ein komplett individuelles App-Projekt kann teuer werden,  daher gibt es mittlerweile auch hochprofessionelle Möglichkeiten, mit einem Baukastensystem zu arbeiten. Mit einer fixen Jahresgebühr beim Anbieter selbst können dann alle Funktionen gesichert eingebunden, gepflegt und stetig erweitert werden.

Fazit: Eine App kann zur Stärkung des eigenen Images beitragen und sollte daher ansprechend und zugleich praktisch angelegt sein. Der Kreativität kann freien Lauf gelassen werden, jedoch sollte bei der Entwicklung zunächst klar sein, wer die Zielgruppe ist und was die App als Funktionen exakt abbilden soll. Die regelmäßige Pflege und eine stete Aktualität sind die Wegweiser für eine erfolgreiche Platzierung auf dem Smartphone der eigenen Leserschaft.

Über die Autorin: Deborah Klein ist freie PR-Beraterin mit Sitz in Hamburg. Die Kommunikationsexpertin berät vor allem Verlage, Autoren sowie Literaturagenturen im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit. Zu ihren Schwerpunkten gehören neben der klassischen Pressearbeit auch die interne Kommunikation für Unternehmen und die Produktion audiovisueller Formate. Zu ihren vorherigen beruflichen Stationen als Pressesprecherin zählen u. a. der Holtzbrinck Verlag sowie der Selfpublishing-Dienstleister von libri, Books on Demand.

 

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