Beckmann kommtiert Das Leseverhalten der Nutzer von britischen öffentlichen Büchereien weicht dramatisch von Novitätenkauf und Lektüre ab

Die neueste britische Ausleihstatistik der Agentur Public Lending Right für die Zeit vom Juli 2006 bis Ende Juni 2007 ist in sechsfacher Hinsicht hochinteressant.

Erstens: Im Unterschied zu nahezu allen sonstigen Buchkategorien nehmen die Ausleihen von Kinderbüchern in den öffentlichen Bibliotheken signifikant zu.

Zweitens. Kein(e) der Autor(inn)en der zehn Topbestseller in diesem Zeitraum gehört zur Liga der hundert meist ausgeliehenen Schriftsteller(innen).

Drittens: Die am meisten ausgeliehenen Titel sind keine Bücher, die mit großem Marketing-Hype in die Welt gesetzt wurden.

Viertens: Die meist ausgeliehenen Titel und Autoren haben bei der Literaturkritik und auf den Buchseiten der Zeitungen keine Beachtung gefunden.

Fünftens: Literarische Belletristik zählt nicht zu den Ausleihfavoriten: Den höchsten Rang hat in dieser Statistik Ewan ;McEwan mit Platz 252 erreicht.

Sechstens: Die Spitzenplätze der Statistik haben nur Autoren mit und dank einer gro0en Backlist erreichen können.

Ob sich diese Ergebnisse tendenziell mit den Ausleihgewohnheiten in Deutschland, Österreich und der Schweiz decken, mag dahinstehen. Jenseits des Ärmelkanals sind sie jedenfalls für ein Bild vom Leseverhalten der Bevölkerung wichtig. Und Anlass zum Nachdenken sollten sie Verlagsleuten und Sortimentern auch hier zu Lande allemal sein, zeigen sie doch, dass zumindest eine sehr breite Leserschaft nicht nach immer wieder neuen Autoren giert, sondern nach noch nicht gelesenen Titeln bekannter, bewährter Schriftsteller sucht. Oder?

Gerhard Beckmann freut sich über Antworten an GHA-Beckmann@t-online.de

(Die vorige Kolumne finden Sie hier [mehr…]. Weitere Beiträge der Kolumne „Beckmann kommentiert“ im Archiv unter dem Stichwort: „beckkomm“.)

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