Kaffeehaussitzers Netzrückblick Fundstücke aus den Literaturblogs – Februar 2021

Uwe Kalkowski

Kürzlich wurde ich gefragt, woher ich meine Lektüreempfehlungen und Lesetipps erhalte. Da musste ich nicht lange nachdenken, es sind die Streifzüge durch die Buchhandlungen meines Vertrauens und durch die Welt der Literaturblogs. Eine eher kleine Rolle spielt bei mir das klassische Feuilleton, auch wenn ich natürlich wahrnehme, was dort besprochen wird. Das Bummeln durch die Buchhandlungen wird hoffentlich bald wieder möglich sein; in den Literaturblogs gab es auch im Februar 2021 wieder zahlreiche spannende und interessante Texte zu entdecken, von denen ich einige hier vorstelle.

Autorin und Bloggerin Mareike Fallwickl stellt in ihrem Blog Bücherwurmloch den Titel »Im Grunde gut – eine neue Geschichte der Menschheit« von Rutger Bregman vor. Und das mit einer solchen Leidenschaft, dass ich dieses Buch wohl doch noch lesen muss, obwohl es mir bislang immer schwerfiel, an das Gute im Menschen zu glauben. So wie Mareike Fallwickl vor der Lektüre. Ihr Fazit: Vielleicht besteht noch Hoffnung.

Im Blog Bücherkaffee schreibt Jürgen Fottner über das Buch »Wir standen nicht abseits« von Frauke Geyken; ein Werk über die Frauen im Widerstand gegen Hitler. Es ist ein Teil seiner Serie zum unbekannten und vergessenen Widerstand; große Leseempfehlung.

Mareike Hansen beschäftigt sich in ihrem Blog Crow and Kraken mit dem Thema der Kritik-Überempfindlichkeit, die weit verbreitet ist in der Buchblog-Bubble. Unter dem Beitragstitel »Bewirf mich bitte nur mit Wattebäuschchen« stellt sie klar, dass begründete, harte Kritik an einem Titel vollkommen legitim ist und nichts mit einem persönlichen Angriff auf Autorinnen und Autoren zu tun hat. Wie immer ein lesenswerter Text, in dem sie Dinge genau auf den Punkt bringt.

Dem Künstler Giovanni Battista Piranesi, der im 18. Jahrhundert zahlreiche Ruinen in Italien als Kupferstiche festhielt, verdanken wir vieles an Wissen über die römische Baukunst. Der titelgebende Protagonist des Romans »Piranesi« von Susanna Clarke dürfte mit dieser historischen Persönlichkeit nicht viel zu tun haben; umso neugieriger auf dieses Buch macht mich die Besprechung von Norman Weiß im Blog notizhefte.

Für den Blog Leckere Kekse hat Silvia Walter ein Gespräch mit dem Autor Salih Jamal geführt. Herausgekommen ist dabei ein sympathisches Interview über das Schreiben, das Leben, über Düsseldorf und Köln und natürlich über sein neues Buch »Das perfekte Grau« – ein Roman, der mir ebenfalls sehr gut gefallen hat und den ich auf Kaffeehaussitzer vorstelle.

Ein weiteres, sehr spannendes Interview gibt es im Blog Aufklappen: Prof. Dr. Michael Braun ist der Leiter des Literatur-Referats der Konrad-Adenauer-Stiftung und spricht mit Blogger Pascal Mathéus über die Literaturförderung der politischen Stiftungen (besonders in Corona-Zeiten), über linke und rechte Ästhetiken und die Rolle der Literatur bei der Formung einer zeitgemäßen deutschen Identität.

Im Blog Lesestunden stellt Tobias Zeising Musik vor, die für ihn das Lesevergnügen noch vergrößert. Es sind schöne Anregungen für Menschen, die beim Lesen Musik hören können; ich gehöre da leider nicht dazu.

Da wir gerade beim Hören sind: Katharina Hoppe empfiehlt in ihrem Blog Gassenhauer die Hörbücher zu den Romanen »Kim Jiyoung, geboren 1982« von Nam-joo Cho und »Der Mann im roten Rock« von Julian Barnes.

Im Blog Kulturgeschwätz beschäftigt sich Katharina Herrmann anhand des Romans »Die Seuche« von Ljudmila Ulitzkaja mit dem Spannungsfeld zwischen einer effektiven Pandemie-Bekämpfung und einem freiheitlich-demokratischen Staatswesen.

Marina Büttner stellt auf Literatur leuchtet den preisgekrönten Roman »Schwitters« von Ulrike Draesner vor, den ich dringend noch lesen sollte. Constanze Matthes bespricht auf Zeichen & Zeiten »Heaven, my home« von Attica Locke, erschienen im wunderbaren Polar Verlag; ein Buch, das nach der Besprechung sofort auf meine Wunschliste wanderte. Und Claudia Pütz macht im Blog Das graue Sofa neugierig auf den Roman »Keine Messer in den Küchen dieser Stadt« von Khaled Khalifa.

Im Blog schiefgelesen gibt es von Marion Rave wieder einmal einen Beitrag in der Rubrik »Essen aus Büchern« – by the way eine meiner absoluten Lieblingsbeitragsreihen. Diesmal geht es um die Brioche aus Jean Paul Sartres »Der Ekel«. Trotz des Buchtitels ein wunderbares Rezept zum Nachbacken.

Katharina Severa stellt in ihrem Blog Die lesende Käthe die literarische Abo-Box »The Pass Poet« vor, ein Projekt der niederländischen Literaturwissenschaftlerin und Bloggerin Anne-Christine Hoegen. Es klingt nach einem spannenden Konzept, zudem werden zehn Prozent der Erlöse an Initiativen gespendet, die Analphabetismus bekämpfen.

Schließen möchte ich mit einem Hinweis auf einen neuen Blog, der mir sehr gut gefällt: Julia Schmitz, vielen bereits bekannnt als Macherin des Online-Kulturjournals Fräulein Julia, ist bereits im Januar mit dem Blog LiteratUrwald an den Start gegangen. Darin geht es vor allem um Bücher aus den Bereichen Natur und Mythologie, um Nature Writing und vieles mehr. Unbedingt vorbeischauen!

Vor genau einem Jahr habe ich im Netzrückblick Februar 2020 geschrieben: »Die Leipziger Buchmesse steht vor der Türe und vielleicht sieht man sich dort. Ich würde mich freuen.« Zwei Sätze, die kurz danach von den Ereignissen überrollt wurden und die jetzt schon fast unwirklich klingen. Hoffen wir, dass sich dies bald wieder ändert.

Passen Sie auf sich auf.

Uwe Kalkowski ist seit über 25 Jahren in der Buchbranche tätig und kennt sie aus unterschiedlichen Perspektiven: Als Buchhändler, als Absolvent des Studiengangs Verlagswirtschaft in Leipzig und als Mitarbeiter verschiedener Verlage. Seit August 2019 arbeitet er als Produktmanager für den Eichborn Verlag. In seinem Blog Kaffeehaussitzer schreibt er über Bücher, Literatur und Leseerlebnisse und stellt in der monatlichen Kolumne »Kaffeehaussitzers Netzrückblick« auf buchmarkt.de lesenswerte Fundstücke aus den unterschiedlichsten Literaturblogs vor. „Vollkommen subjektiv, handverlesen und rein persönlich ausgewählt – ohne Anspruch auf Vollständigkeit, denn eine solche kann es in einer so vielschichtigen Szene gar nicht geben“, wie er sagt.

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